Sonntag, 10. November 2013

Sind Hunde Demokraten, Diktatoren oder…?

Die Sprüche, mit denen man in der Hundewelt – oder besser in der Welt der Hundebesitzer - konfrontiert wird, kann man manchmal schon als absurd bezeichnen. Ein klassisches Beispiel für diese Kategorie der Sprüche ist mit Sicherheit die Aussage, dass Hunde keine Demokraten sind. Betrachtet man diesen Spruch ganz nüchtern, so entspricht er sicherlich der Wahrheit. Ich habe zumindest noch keinen Hund gesehen, der einen Umschlag in eine Wahlurne wirft oder seine Pfote bei einer Abstimmung im Parlament hebt. Die Demokratie ist ein Modell, das Menschen entworfen haben, um einigermaßen friedlich miteinander zu leben. Aber Menschen haben noch andere Modelle, wie sie zusammenleben. Diktaturen und Monarchien zum Beispiel. Ist ein Mensch nun kein Anhänger der Demokratie, wo die Mehrheit einer Bevölkerung über wichtige Entscheidungen abstimmt, dann ist er vielleicht Anhänger eines diktatorischen Systems, wo nur wenige die Entscheidungen für alle treffen, meist werden diese Entscheidungen mit Druck und/oder Gewalt durchgesetzt. Wenn Hunde also nach unserem Spruch keine Demokraten sind, dann können sie also nur Diktatur- oder Monarchieanhänger sein. Gut, schließen wir Monarchien einmal aus – ein Hund mit Krone und Zepter sieht irgendwie lächerlich aus. Bleibt also die Diktatur. Hunde sind somit keine Demokraten sondern Freunde der Diktatur. So interpretiere ich persönlich den Spruch „Hunde sind keine Demokraten…“
 
Aber mögen Hunde Diktaturen wirklich?
Gibt es in allen Hunderudeln, Hundegruppen ein totalitäres System, wo ein oder zwei Individuen alle Entscheidungen für die Anderen treffen und diese Entscheidungen notfalls mit Gewalt und Schmerz durchsetzen? Und müssen diese Diktatoren immer damit rechnen, durch Gewalt gestürzt zu werden? Nein, natürlich nicht. Das ist ein Märchen, welches immer noch in den Köpfen der Menschen herumgeistert. Wenn man, wie ich, seit langer Zeit die verschiedensten Hundegruppen beobachtet, kann man getrost sagen, dass Hunde mit Sicherheit nicht in demokratischen Dimensionen leben, aber die totalitären Gruppenstrukturen, wie sie immer noch von vielen „Hundeexperten“ propagiert werden, gibt es in der echten Hundewelt auch nicht. Eine Gruppe, ein Rudel von ursprünglichen Wildhunden wie z. B. Wölfen ist eigentlich nichts weiter als ein Familienverband. Hier wird keiner verprügelt oder gebissen, wenn er zu lange allein weg war oder sich allein entfernt. Das ist auch gar nicht nötig. Sind die Eltern souveräne Anführer, wird ihnen auch so gefolgt – sichern sie doch durch ihre souveräne Art das Überleben. Lauten und brutalen Diktatoren wird nicht gefolgt – da verschwindet man lieber und geht seiner eigenen Wege. Und ähnlich ist es auch bei „unnatürlich“ durch Menschenhand zusammengestellten Gruppen von Hunden. Auch hier ist meist der- oder diejenige das Individuum dem gefolgt wird, welches ruhig und  gelassen ist – eines, das vertrauenswürdig ist und an dem man sich orientieren kann. Brutalen „Machotypen“ wird in der Regel nicht vertraut und auch nicht gefolgt… Hunde sind also keine Demokraten und sie mögen aber auch keine Diktaturen. Ja, was sind sie denn dann? Ganz einfach – Hunde… Und Hunde brauchen keine Modelle wie Demokratien oder Diktaturen für ihr Zusammenleben. Sie sind anpassungsfähig und passen sich der jeweiligen Situation und den Lebensumständen an. Dabei ist es egal, ob sich ihr Herrchen für einen Demokraten oder Diktator hält.
 
Habe ich eingangs gesagt, dass der Spruch der Wahrheit entspricht, habe ich die Tatsache zu Grunde gelegt, dass Hunde so etwas wie Demokratie nicht kennen und nicht verstehen können. Trotzdem halte ich den Spruch für einen der gefährlichsten und unsinnigsten überhaupt. In seiner Aussage zwar richtig, muss dieser Spruch aber immer wieder als Rechtfertigung herhalten, wenn ein Hundebesitzer, der in der Menschenwelt oft nichts zu sagen hat, in der Hundewelt den Diktator herauskehrt und mit diesem Spruch Gewalt gegen Tiere rechtfertigt…
 
Um es noch einmal klar zu sagen: Natürlich sind Hunde keine Demokraten, die über Mehrheitsentscheidung den Tagesablauf definieren. Hunde brauchen durchaus eine klare Struktur in ihrem Leben. Was sie aber gar nicht brauchen, das sind Diktatoren und Diktaturen. Sie brauchen Besitzer, die ihnen Sicherheit, Geborgenheit und Souveränität vermitteln.
 
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Zeichnung (c) Zapf - aus dem Buch "Wer ist hier der Schlaumeier", Thomas Riepe, Mariposa Verlag

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