Samstag, 23. August 2014

Dem Hund das Erwachsensein vorenthalten. Ist das in Ordnung?

Ein erwachsener Mensch zeichnet sich dadurch aus, dass er selbstständige Handlungen ausführt, dass er seinen Verstand benutzt, wenn er diese Handlungen ausführt. Ein erwachsener Mensch grenzt sich von Zeit zu Zeit ab, er fördert und schließt Frieden. Er erledigt selbstständig seine Aufgaben und Pflichten und ein erwachsener Mensch übernimmt Verantwortung. Ein erwachsener Mensch ist „erwachsen“. Auf dem Weg ein erwachsener Mensch zu werden, muss der Mensch lernen, erwachsen zu sein. Dazu gehört auch, sein Leben selbstständig zu ordnen und zu strukturieren. Allerdings gehört es auch zum „Erwachsensein“, dass der Mensch lernt, sich anzupassen, Grenzen und Regeln anzuerkennen. Soweit es zu seinem Vorteil ist. 

Infantile Menschen 

Ein Mensch wird NICHT erwachsen, wenn er nicht die Möglichkeit hat, erwachsen zu werden – oder ihm die Möglichkeit genommen wird. Wenn man ihm nie etwas zutraut, wenn man ihm nie erlaubt selbständige Handlungen auszuführen und dabei seinen eigenen Verstand, sein eigenes Verständnis für seine Umwelt, zu nutzen. Wenn man einem Menschen verwehrt, selbständig Aufgaben und Pflichten zu erledigen, wenn man ihm „alles abnimmt und/oder vorgibt“, und wenn man ihm keinerlei Verantwortung überträgt. Auch, wenn man einem Menschen nicht erlaubt, sein Leben selbstständig zu ordnen und zu strukturieren, dann wird der Mensch nicht erwachsen. Kurzum, wenn man einem Menschen auf dem Weg zum erwachsen werden alles abnimmt, ihm jegliche Selbstständigkeit und Freiheit abspricht – dann wird ein Mensch nicht erwachsen. Er wird infantil. Infantile Menschen verhalten sich wie Kinder oder Pubertierende, auch wenn sie biologisch längst erwachsen sind. Infantile haben Probleme mit den Realitäten des Lebens, sind sehr oft ängstlich, weil sie nie gelernt haben, Probleme selbstständig zu lösen oder Realitäten als gegeben anzunehmen. Infantile haben große Probleme damit, ihr Leben zu strukturieren und auch damit, vorgegebene Strukturen anzuerkennen, wenn sie dem eigenen Vorteil dienen. Angst, Unsicherheit und eine übertriebene Abhängigkeit gegenüber Bezugspersonen sind eine unangenehme Folge der Infantilität. Aufgrund der Ängste und Unsicherheiten, aufgrund des mangelnden Selbstwertgefühls und Selbstbewusstseins, können bei infantilen Menschen zum Beispiel Depressionen entstehen. Man sieht also, wenn ein Mensch nicht erwachsen werden kann und/oder darf, ist das für ihn sehr unangenehm. Nicht nur, dass er ohne Hilfe nicht Lebensfähig wäre – die Defizite in seinem Verhalten beeinträchtigen seine Lebensqualität hochgradig negativ… 

Infantile Hunde 

Warum spreche ich an dieser Stelle von infantilen Menschen und deren Problemen, wo dies doch eigentlich ein BLOG über Hunde ist? Nun, vielleicht wird das etwas klarer, wenn ich mich selbst zitiere, bzw. einen anderen Artikel dieses BLOGS. 

Im Klartexthund-Artikel „Hunde von heute – geht es ihnen besser als früher?“   schreibe ich an einer Stelle folgendes: 

Das Leben ist für Hunde heute definitiv schwerer, als zu der Zeit, wo sie einen Hof bewachen durften und ohne Leine tägliche Ausflüge in die Nachbarschaft unternehmen konnten. Sie lernten mit den Nachbarhunden zu leben, sich bei Begegnungen mit fremden Hunden richtig zu verhalten, weil sie Ärger aus dem Weg gehen konnten, ohne dass ein Mensch sie Zwang, sich dauernd mit fremden Hunden auseinanderzusetzen. Hunde machten ihre eigenen Erfahrungen und lernten, wie man mit gewissen Situationen umgehen muss, damit es zum eigenen Vorteil ist. Es war wirklich so, Ausnahmen selbstverständlich ausgeklammert, dass der lockere, ungezwungene Umgang mit dem Hund viele Probleme verhinderte – oder das, was heute als Problem angesehen wird gar kein Problem darstellte. Der Wachhund sollte bellen und der Jagdhund jagen. Heute muss ich dem Hund, der als Wächter gezüchtet wurde, das Bellen abgewöhnen, weil es die Nachbarn stört…“ 

Und etwas weiter: 

„Außer in ganz kleinen Orten auf dem Land findet man heute keine Streuner mehr. Diese freilaufenden, „freien“ Hunde, die den Tag nach ihrem Hundegeschmack gestalten konnten und eine natürlich Sozialisierung auf Mensch und Tier genossen, sind selten geworden. Heute fehlt diese natürliche Sozialisierung oft vollkommen, weil alles nach Recht, Gesetz und Modetrend „funktionieren“ muss. Und so begegnen sich Hunde nur noch an Leinen, wo sie ihre natürliche Körpersprache nur bedingt einsetzen können und auch für sie persönlich unangenehme Begegnungen nicht umgehen können – oder sie werden gezielt in Welpen- oder Hundegruppen gezwängt, wo sie auch der Situation nicht natürlich ausweichen können, wenn sie einen anderen Hund nicht mögen oder ihn fürchten. Aufgrund von Modetrends, gesellschaftlichen Zwängen und dem penetranten Wunsch nach der perfekten Welt (und so auch dem perfekten Hund), geht heute der entspannte Umgang mit unserem wundervollen und anpassungsfähigen Sozialpartner Hund immer mehr verloren.“ 

Vom Recht, erwachsen sein zu dürfen

Diese Zitate zeigen eines: Hunde in den „modernen“ Gesellschaften müssen Hunde „funktionieren“. Ihnen wird jegliche Freiheit abgesprochen, sie lernen nicht selbst zu entscheiden, jede ihrer Handlungen wird kommentiert – erlaubt oder verboten. Schaut man sich dann einmal die Ausführungen zu den infantilen Menschen an, stellt sich die Frage, ob eine Behandlung, die beim Menschen zu Infantilität führt, nicht auch bei Hunden zum gleichen Ergebnis führt. „Aber Hunde sind doch keine Menschen“, mag hier mancher denken. Das nicht, aber sie sind Säugetiere, die uns physiologisch und auch psychisch so nahe stehen, dass man davon ausgehen kann, dass infantiles Verhalten bei Hunden durch die gleichen Faktoren ausgelöst wird, wie beim Menschen. Mit allen Folgen – verstärkte Unsicherheiten, Ängste und völliger Hilflosigkeit bei unbekannten Situationen etc. Hunde dürfen bei uns nicht mehr erwachsen werden. Sie sollen bis ins hohe Alter ihr Leben mit Spielen verbringen und jede Sekunde ihres Lebens, jede Handlung wird ihnen vorgegeben. Damit sie so funktionieren wie Roboter, die in unsere immer intolerantere Gesellschaft „passen“… Hunde haben heute eine bestmögliche medizinische Versorgung, und um die „gesunde und artgerechte“ Fütterung entstehen fast Bürgerkriege. Aber erwachsene Individuen dürfen sie nicht mehr werden. Ist das nicht aber ein Grundbedürfnis, ein Grundrecht eines Lebewesens, erwachsen werden zu dürfen? Meiner ganz persönlichen Meinung nach ganz klar ja. Aber andere Menschen haben natürlich das Recht, dies anderes zu sehen. 

Frei entscheiden heißt nicht, unerzogen zu sein 

Um es an dieser Stelle klar zu sagen: Ich möchte mit diesen Zeilen NICHT erreichen, dass Hunde sich selbst überlassen werden und nicht erzogen werden. Eine vernünftige Ausbildung, in der der Hund lernt, dass es Regeln gibt, ist wichtig und förderlich. Auch erwachsene Menschen müssen sich an Regeln halten – auch ich kann im Restaurant nicht einfach dem Tischnachbarn das Essen vom Teller klauen. Regeln sind wichtig und Hunde müssen auch lernen, dass sie in Ihrem Menschen einen verlässlichen Partner haben, dem sie vertrauen können und der ihnen beisteht. Aber Hunde müssen auch mal selbst etwas selbst entscheiden können, eigene Erfahrungen machen und nicht ständig gegängelt werden.

„Wie soll ich das denn umsetzen?“ Wird sich mancher an dieser Stelle fragen. Nun, da ist auch mal die eigene Kreativität gefragt, es muss ja  nicht immer alles vorgegeben werden J  

„Normales“ Hundeleben, normale Entwicklung simulieren 

Als Beispiel kann man aber sagen, dass diejenigen, die z. B. einen großen Garten haben, ihrem Hund zu jeder Zeit den Zugang zu diesem zu gestatten, den Hund also frei entscheiden zu lassen, ob er draußen ist, drinnen, ob er das Grundstück bewacht oder lieber im Warmen ruhen möchte. Und ihn nicht ständig im Auge behält, wenn er mal draußen ist. Er sollte auch mal einen Igel „untersuchen“ dürfen, der durch den Garten watschelt (keine Sorge um den Igel, die Natur hat ihn auf solche Situationen bestens vorbereitet). Und der Hund sollte selbst feststellen dürfen, dass Igelstacheln „unangenehm“ sind. Der Hund sollte das Gebüsch durchstreifen können (welches leider in den meisten Gärten nicht mehr vorhanden ist. Zum Nachteil von Hunden, aber auch von vielen Vogelarten), sich mal im Dreck wälzen und versuchen, den Maulwurf zu erwischen – und die Erfahrung machen, dass Maulwürfe für die meisten Hunde eine unlösbare Herausforderung darstellen. Kurzum, Hunde müssen mal Zeit allein verbringen, eigene Erfahrungen machen, ohne, dass wir ständig dabei sind und jedes „Schnauzelecken“ kommentieren. Man kann so etwas übrigens auch „simulieren“, wenn man keinen eigenen Garten hat. Mal etwas umsehen, ein großes, eingezäuntes Gelände suchen (gibt es häufiger als man denkt, ggf, sind auch stillgelegte Firmengelände geeignet). Und auf ein solches Gelände geht man mal, muss nicht ständig sein. Aber trotzdem regelmäßig. Und dahin geht man nur mit seinem Hund (ohne andere Hunde – in diesem Fall soll der Hund nicht spielen, sondern erwachsen werden). Dann nimmt man sich ein Buch mit und lässt den Hund ein oder zwei Stunden auf dem Gelände herumstreunen und seine eigenen Erfahrungen machen. Z. B. mit den Igelstacheln oder irgendwelchen Kisten oder Gegenständen, die er „untersuchen“ kann…

Es gibt noch viele Möglichkeiten, wie man „ein normales Hundeleben simulieren kann“, doch wie gesagt – auch die eigene Kreativität ist da gefragt, darum möchte ich hier nicht zu viel vorgeben. Obwohl ich selbstverständlich gerne der Kreativität auf die Sprünge helfe, wenn ich gefragt werde. Nur hier würde das zu lang…

Um es noch einmal zu betonen. Ich habe nichts gegen Hundeerziehung, im Gegenteil natürlich. Allerdings hat ein Hund meiner Meinung nach das Recht, erwachsen werden zu dürfen. Ein Säugetier, welches aber keinerlei Möglichkeiten hat erwachsen zu werden, wird infantil. Mit allen negativen Folgen – vor allem Unsicherheit, Ängstlichkeit bis hin zu Depressionen. Aber Unsicherheit ist ja etwas, was einige Trainer gerne sehen. Vor allem die Trainer, die Hunde gerne „unterdrücken“, auch mit unangenehmen Mitteln. Einen unsicheren, ängstlichen Hund kann ich natürlich leichter unterdrücken, als einen erwachsenen Hund, der in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen…

Übrigens, ein Hund, der in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen, wird nicht gleich die Entscheidung treffen, die Welt zu erobern. Im Gegenteil – er sieht die Welt meist viel entspannter und realistischer. Und er ist häufig eher bereit, sich anzupassen. Weil er die EIGENE Erfahrung gemacht hat, dass ihm das Vorteile bringt… 

Anregung zum Nachdenken, keine pauschale Philosophie 

Diese Zeilen sind dazu gedacht, zum Nachdenken anzuregen und nicht, um meine Gedanken und Erfahrungen als „das einzig Wahre“ zu preisen. Das gilt übrigens für die Hundehalter und Hundetrainer, die gern unterdrücken genauso, wie für den überfürsorglichen Hundehalter. Oft kann man dort beobachten, dass sie bewusst infantile Hunde mögen, weil diese eine Art „Beschützerinstinkt“ bei ihnen wecken und der Hund sein Leben lang eher als behaartes Kind gesehen wird, welches sein Leben lang nicht erwachsen werden darf… 

Ich denke, wir sollten alle für uns darüber nachdenken, ob wir unseren Hunden das Recht einräumen sollten, erwachsen zu sein – Hunde zu sein. Oder ob wir unsere eigenen Interessen in den Vordergrund stellen und den Hunden deshalb nicht erlauben sollten, erwachsen zu werden…

Samstag, 16. August 2014

Sanfte Hundeerziehung auf dem Vormarsch? Ein Recherchestatus…

Ob in Fachzeitschriften oder Interviews – vor einigen Monaten hörte oder las ich häufig davon, dass sich „Hundeexperten“ darüber beschwerten, dass der Trend zu einer „sanften“ Hundeerziehung der Beginn des Weltuntergangs wäre – oder zumindest der Beginn der hündischen Weltherrschaft. Nun, persönlich muss ich sagen, dass ich nichts gegen eine Weltherrschaft der Hunde hätte. Wenn ich sehe, was die Menschen überall auf diesem Planeten für unsägliche Dinge verzapfen, könnte uns eine hündische Herrschaft nur gut tun…

Nicht allen Aussagen trauen
Aber zurück zu den von mir subjektiv empfundenen Dauerbeschwerden, dass die Hundeerziehung verweichlichen würde. Da ich so gut wie nie einfach nur hinnehme, was mir andere zu vermitteln versuchen, und immer skeptisch bin, wollte ich diese Aussagen einmal näher untersuchen. Ob irgendetwas daran sein kann. Ich beschloss also, für mein Hundemagazin CANISUND eine Recherche durchzuführen, die sich mit Hundeschulen und „Hundeausbildern“ beschäftigt – um einen Überblick zu bekommen, ob wirklich mehrheitlich „sanft“ erzogen bzw. ausgebildet wird. Zumindest im Bereich „professionelles Hundetraining“.
Die Recherche ist noch nicht abgeschlossen, ein Artikel dazu wird im nächsten Jahr im CANISUND erscheinen. Aber die bisherigen Ergebnisse unserer Recherche sind in meinen Augen durchaus so interessant, dass man einen Recherchestatus veröffentliche kann.
Umfangreiche Recherche
Kurz zur Erläuterung unserer Recherche. Wir haben uns zunächst zwei Kreise in Deutschland herausgesucht - zwei weit voneinander entfernte Kreise, mit ähnlicher Struktur. Eine Großstadt als Zentrum des Kreises, aber ländlicher Raum und ländliche Bevölkerung im Umland. Städtisch / ländlich gemischt. Dann haben wir uns sämtliche Hundeschulen in den Kreisen angesehen, die wir per Internet und Brancheneinträgen ausfindig machen konnten. Teilweise waren die Ausführungen auf den Webseiten der Hundeschulen absolut eindeutig, bei anderen mussten wir genauer forschen (z. B. mit „undercover“ Telefongesprächen oder Probetrainings). Insgesamt haben wir uns die professionellen Hundeausbilder in den Kreisen sehr genau angeschaut und können, aufgrund unserer langjährigen Erfahrungen mit Hundetrainern und dem oft auch ganz speziellen Vokabular, sehr genau einschätzen, was wann und wie mit Gewalt und Gewaltfreiheit zu tun hat. Oder einfacher – das was zu Anfang mit der angeblich „sanften“ Hundeerziehung gemeint war, können wir sehr gut herausfiltern.
Zwischenergebnis mit Nebeneffekt
Wir erheben keinen Anspruch auf den Status einer wissenschaftlichen oder statistischen Untersuchung.  Zumindest aber haben wir uns Erkenntnisse erarbeitet, die einer journalistischen Recherche entspringen und die pauschale Aussagen zur Hundeerziehung hinterfragen. Wie bereits erwähnt, die Recherche läuft für den eigentlichen Artikel noch weiter, was die bisherigen Zwischenergebnisse sicher noch einmal verändert und /oder präzisieren wird.
Ein interessante Nebeneffekt der Recherche: Wenn wir die Hundeschulen und Hundeausbilder aus den bislang „erforschten“, relativ repräsentativen Kreisen auf die Bundebevölkerung hochrechnen, kommen wir auf eine mögliche Zahl von ca. 8.000 bis 10.000 Hundeschulen in Deutschland. Eine interessante Zahl, die ich persönlich so nicht erwartet hätte. Zu der Zahl aber an anderer Stelle mehr.
Vorläufige Rechercheergebnisse:
Bei unserer Artikelrecherche, die nicht wissenschaftlich, sondern rein journalistisch durchgeführt wurde, arbeiten die untersuchten Hundeschulen…
…ausschließlich über unangenehme Konsequenzen (nennen wir hier zur Vereinfachung Strafe): 16 %
…meist über Strafe, aber auch manchmal mit angenehmen Konsequenzen (hier zur Vereinfachung Belohnung): 19 %
…mal mit Strafe, mal mit Belohnung : 39 %
…meist mit Belohnung, mal mit Strafe 15 %
…ausschließlich über Belohnung: 11 %
Wenn die Recherchen auch noch nicht abgeschlossen sind, die Verteilung hat mich durchaus etwas überrascht. Man schaue sich einmal Normalverteilungen an…
Leider keine Weltherrschaft
Unter dem Strich kann man aber feststellen, dass in unserem Fall die absolut sanften Hundeerzieher, die Strafen vollkommen ablehnen, bei 11% liegen. 89 % nicht ausschließlich belohnen. Bei den Zahlen von einer Verweichlichung der Hundeerziehungswelt zu sprechen, erscheint mir persönlich doch eher merkwürdig.
Leider wird es wohl doch nichts mit der Weltherrschaft durch Hunde. Schade – ich bin mir sicher, dass die Welt dadurch ein Stückchen besser geworden wäre…

Freitag, 8. August 2014

Frau schlägt Hund - und erntet keine bösen Blicke...

Für einen Kaffee zwischendurch saß ich heute bei schönen Wetter vor einem Café in Geseke. Es liegt in einem kleinen Park, durch den auch ein Bach läuft. Das Café war gut besucht, viele Menschen saßen draußen, um mich herum. Da kamen zwei Frauen mit ihren Hunden vorbei. Zwei Australien Shepherds. Die Hunde schienen den Park zu kennen und zogen stark in die Richtung des Bachlaufs, vermutlich waren sie voller Vorfreude auf das nahende Bad.

Mische mich ungern ein
An dieser Stelle möchte ich kurz etwas einschieben. Eigentlich mische ich mich nicht ungefragt ein, wenn ich Menschen mit ihren Hunden sehe – Schlaumeierei stößt meist auf wenig Gegenliebe und schadet Hunden häufig mehr, als sie hilft. Manchmal spreche ich Leute aber auch gezielt und sachlich an, wenn ich denke, sie gehen zu weit oder der Hund leidet ernsthaft und die Besitzer können das nicht erkennen.
Hundeschlägerin
Aber heute konnte ich die Sachlichkeit beim besten Willen nicht beibehalten. Eine der Frauen, die den Park betraten und deren Hunde zum Bach zogen, ruckte den ziehenden Hund dauerhaft zurück. Das sah mir nach einem leider altbekannten Muster aus, dass ziehende Hunde unaufhörlich zurückgeruckt werden. Das erlebe ich leider andauernd. Auch bei Kunden – aber denen kann ich dann sachlich Hilfestellung geben – weil sie mich darum gebeten haben. Nun gut, oder auch schlecht. Die Frau zog und ruckte den Hund also unaufhörlich, was aber bei dem in diesem Punkt augenscheinlich vollkommen „abgestumpften“ Hund keinerlei Wirkung zeigte. Das erkannte die Frau dann auch und entschied sich für eine härtere „Gangart“. Sie schlug dem Hund mit der flachen Hand mit voller Wucht gegen die Schnauze, worauf dieser sich direkt auf den Boden legte und ein ganzes Repertoire an Beschwichtigungssignalen aussendete. Trotzdem beugte sich die Frau über den Hund, fixierte ihn, brüllte ihn an und hob die flache Hand erneut bedrohlich…
Der Kragen platzt
Mir platzte der Kragen. Da ich Koka bei mir hatte und weil sie fremde Hunde sowieso nicht unbedingt liebt, konnte ich nicht zu den Frauen gehen und die drei Hunde einer aufgeheizten Lage aussetzen. Obwohl das auch keine optimale Lösung war, konnte ich aber nicht anders. Ich rief in lautem Ton in Richtung der Frauen (naja, der laute Ton war wohl auch eher ein Brüllen…), dass sie sich hüten solle, den Hund nochmal zu schlagen. Man merkte den Frauen deutlich an, dass ich sie damit einschüchterte und sie schnellen Schrittes weitergingen, den Konflikt mit mir scheuend. Kurioser Nebeneffekt der Situation: Die um mich herum sitzenden Menschen schauten mich empört an, nicht die Hundeschlägerin. Sorry liebe Umsitzende – Schlaumeier, die sich überall ungefragt einmischen mag ich auch nicht. Komplettes Duckmäusertum, wenn irgendwo eine Schweinerei beobachtet wird, mag ich aber erst recht nicht.
Nicht alles erlauben
Ich weiß, ich konnte dem Hund nicht wirklich helfen, doch vielleicht habe ich ihm in der Situation eine weitere „Watschen“ erspart. Aber der Hund muss ja dauerhaft mit seiner Besitzerin leben. Allerdings denke ich, dass diese Art Hundehalter lernen muss, dass sie sich nicht alles erlauben kann. Wenn man öffentlich eine Hundemisshandlung beobachtet sollte man einschreiten – und ggf. auch eine Anzeige machen, wenn man genügend Zeugen hat oder die Situation gut belegen kann. Was man nicht tun sollte, ist wegsehen – oder noch die schief anschauen, die sich einmischen…

Übrigens – zwar kennt Koka mich überhaupt nicht brüllend. Sie hat mich in der Situation etwas verwundert angeschaut, war aber nicht verunsichert. Sie dachte sich wohl, wenn Herrchen sich aufregt, wird das schon seinen Grund haben. Recht hatte sie…

Trends rund um den Hund – Bedürfnisbefriedigung für Menschen

Der Mensch ist ein merkwürdiges Lebewesen. Er strebt immer danach, sich von anderen Menschen abzusetzen, ein einmaliges und besonderes E...