Sonntag, 3. Juli 2016

Der Mensch, die Hundeerziehung und die einfachen Lösungen



Zitat „Psychologie Heute, Juli 2016, Seite 21:

-           - Sie neigen dazu, sich auf die erstbesten Informationen zu stürzen und ein schnelles Urteil zu fällen, selbst, wenn sie relativ wenig wissen.

-           - Wenn sie einmal zu einem Ergebnis oder Urteil gekommen sind, halten sie daran fest, selbst, wenn dies bedeutet, neue oder bessere Informationen zu ignorieren


Gemeint sind damit Menschen, die mit den vielfältigen Informationen und Unsicherheiten unserer Zeit überfordert sind und nach einfachen Lösungen suchen.

Einfacher Umgang mit dem Hund

Einfacher Umgang mit dem Hund. Dafür stehe ich. Eigentlich. Doch das sollte man nicht falsch verstehen. Ich sehe den Hund als hochkomplexes und nicht einfach gestricktes Lebewesen an. Wenn wir dieses hochkomplexe Lebewesen auch nicht  immer verstehen können, können wir sein Verhalten dennoch manchmal einfach akzeptieren. Uns im Zusammenleben so arrangieren, dass für alle Beteiligten das Beste dabei herauskommt. Dazu gehört wie gesagt auch, das Zusammenleben nicht unnötig zu verkomplizieren. Wenn niemand dabei Schaden nimmt.

Unter einfachem Umgang mit dem Hund verstehe ich aber nicht, bei Problemverhalten auf einfache Lösungen zu setzen. Man kann mit einfachen Lösungen Probleme auch verstärken oder weitere kreieren.

Einfache Lösungen

Aber die Sache mit den einfachen Lösungen ist so eine menschliche Eigenart. Das Leben ist mit undurchsichtigen, komplexen und widersprüchlichen Situationen und Sachverhalten gespickt. Habe ich morgen noch einen Job? Wie kann man die Terrorgefahr lösen? Bedroht uns die Umweltzerstörung? Macht uns Pflanzenschutzmittel krank? Wird die lokale Politik endlich eine Umgehungsstraße um unseren Ort finden oder uns vor vermeintlicher „Überfremdung“ schützen?

Viele Fragen beschäftigen uns. Und in dem Dschungel aus Fragen und Unsicherheiten suchen Menschen nach Antworten. Nach raschen Antworten, um die Unsicherheiten vermeintlich schnell zu überwinden. Doch diese tatsächlich einfachen Lösungen gibt es nicht. Die Suche nach der schnellen Überwindung aller Unsicherheiten überfordert viele Menschen heute daher.

Der Artikel in der „Psychologie Heute, Juli 2016, Seite 20 ff“ beschäftigt sich mit dem Thema. Das Zitat vom Anfang wird dort aufgeführt. Weiter wird dort erläutert, wie abträglich dieses Verhalten in vielen Situationen ist und dass dieses „erstbeste Informationen als Wahrheit ansehen und besessen daran festhalten“ negative Folgen haben kann. Es kann zu übereilten Entscheidungen führen, zu Fehlgewichtung von Informationen, man läuft Gefahr, manipuliert zu werden. Vorurteile haben einen guten Nährboden. Zudem sind diese überforderten und nach einfachen Lösungen und Wahrheiten suchenden Menschen empfänglich für autoritäre Ideologien. Sie folgen vermeintlichen Heilsbringern oft unreflektiert. In der Hundeszene findet man diese Heilsbringer an allen Ecken und Enden. Die mit den ultimativen Erziehungsmethoden, die Ernährungspäpstinnen und Päpste, die Beschäftigungsgurus…

Ursachen für Aggression nicht immer einfach

Auch bei der Informationsflut rund um den Hund sind viele Menschen inzwischen maßlos überfordert bei der Filterung eben dieser Informationen. Und auch hier wird nach schnellen, einfachen Wahrheiten und Lösungen gesucht. Was auch hier mit den Gefahren verbunden ist, manipuliert zu werden und empfänglich für autoritäre Ideologien zu werden. Zudem führen fehlgewichtete Informationen auch im Hundebereich zu übereilten Entscheidungen.

Als Beispiel kann man ein übersteigertes Aggressionsverhalten eines Hundes anführen. Wenn man ein solches Verhalten sachlich, in Ruhe und unter Einbeziehung vieler kontextbezogener Sachverhalte analysiert, ist die Problemanalyse ein hochkomplexes Thema.

Ich persönlich erstelle in meiner Praxis immer wieder Statistiken meiner Kundenfälle. Und daraus ergeben sich interessante Blickwinkel, vor allem zum Thema übersteigerte Aggression bei Hunden. 63% von aggressivem Verhalten sind demnach gesundheitsbedingt. Schmerzhafte muskuläre oder Gelenkerkrankungen, Entzündungen oder hormonelle Probleme wie z. B. eine Schilddrüsenunterfunktion sind häufige Ursachen. Und von den verbleibenden 37% der aggressiven Hunde, hatten wieder 85% eine unschöne Vergangenheit – in der sie überwiegend mit Strafen konfrontiert wurden.

Mangelnde Führung Grund für Aggression?

Wie man sieht, kann Aggression viele Ursachen haben. Hundeexperten, die das nicht berücksichtigen und immer das einfache Muster von mangelnder „Rudelführung“ etc. bemühen, machen sich das zuvor beschriebene zunutze. Die Unsicherheit vieler durch Informationsflut überforderter Menschen.

Aggressionsprobleme sollten aber mit viel Verstand, Wissen und Fingerspitzengefühl angegangen werden. Und nicht mit simplem Rangordnungsgerede…

Einfache Lösung für die einfachen Lösungen?

Mal abgesehen von Hundeproblemen und konkreter Problemlösungsorientierung. Wie können Menschen Unsicherheiten und Verwirrungen der heutigen Zeit überwinden, ohne Gefahr zu laufen, manipuliert zu werden und autoritären Ideologien nachzurennen?

Natürlich gibt es auch dafür keine einfache Lösung. Ein erster Schritt wäre es aber schon, manchmal das eigene Hirn zu benutzen, nicht nur vermeintlichen Wahrheiten hinterher zu hecheln. Über Konsequenzen des eigenen Handelns nachzudenken.  Zu lernen, Unsicherheiten mal auszuhalten. Die obsessive Suche nach den einfachen Lösungen macht das Leben nämlich am Ende  noch komplizierter, als es sein müsste. Wenn man einem aggressiven Hund z. B. mit eigener Aggression begegnet, werden die Probleme und die Gründe der Probleme nämlich nicht besser. Vielleicht unterdrückt, aber nicht besser.

Wenn der unfaire Hundetrainer einer rektalen Öffnung ähnelt

Der Haushund stammt von einem Raubtier ab, welches darauf angewiesen ist, seine Nahrung durch jagen zu erlangen. Dadurch hat sich evolut...