Donnerstag, 27. Oktober 2016

Unerzogener Hund oder unsensible Menschen?


Der Hundehalter hat sich mit der Körpersprache seines Hundes beschäftigt, hat ihm beigebracht, auf Signal ein Ersatzverhalten zu zeigen. Er hat sich mit dem Wesen seines Hundes beschäftigt, weiß, wie er in welchen Situationen reagiert, wie er seinem Hund helfen kann, wenn dieser verunsichert ist.
Doch dann passiert immer wieder das Gleiche. Der Hundehalter und sein Hund begegnen Menschen, die in Sekundenschnelle vieles einfach wieder ruinieren. Wenn man zum Beispiel einen unsicheren Hund hat, der aus verschiedenen möglichen Gründen unsicher ist und sich schnell bedroht fühlt. Das kann rassebeding angeboren sein, das kann durch schlechte Erfahrungen erworben sein – egal. Wenn ein Hund so ist, kann es für ihn ein Grauen sein, wenn Menschen sich über ihn beugen, ihn anstarren und /oder ihn vollquatschen. Und ggf. noch die Hand nach ihm ausstrecken. Dann fühlt er sich möglicherweise bedroht. Trotz langem Trainings, trotzdem, dass er mühsam erlernt hat, solche Situationen zu ertragen und ggf. auch mit der Hilfe von Konditionierungen sogar als positiv zu empfinden. Das Empfinden kann schnell kippen, weil das Anstarren, Vorbeugen und Vollquatschen vom Hund im Grunde immer als bedrohlich angesehen wird. Ist er sensibel, wie gesagt angeboren oder erlernt, kann trotz aller Bemühungen die Interpretation als Bedrohung durch einen Fremden schnell in ein Abwehrverhalten umschlagen. In den meisten Fällen äussert sich dies durch knurren oder bellen.

Man stelle sich also die Situation vor: Sensibler Hund trifft auf dem Gassigang einen Menschen, der es eigentlich nett meint. Er beugt sich vor, schaut den Hund an und redet mit ihm. Der Hund knurrt und kläfft los. Wie oft hört man dann, wie unerzogen doch der Hund sei. Wer dort dann pauschal von unerzogen redet, weiß doch garnichts davon, wie sehr sich der Hundehalter bemüht hat, welche Geschichte der Hund hat, warum er so sensibel ist.
Die Menschen die den Hund so ansprechen, meinen es in den meisten Fällen auch gar nicht böse – im Gegenteil, sie wissen oft nur nicht, was ihr Verhalten und ihre Körpersprache für den Hund bedeutet.
Was in solchen Situationen zu tun ist? Dafür gibt es keine Gebrauchsanleitung. Wichtig ist, dass man den Hund nicht in der für ihn bedrohlichen Situation lässt oder gar versucht, ihn irgendwie vom Bellen abzubringen. In meinen Augen wäre es gut dem Menschen ruhig zu sagen, dass sich der Hund bedroht fühlt, z. B. aufgrund seiner Geschichte. Und dass er sich bitte vom Hund abwenden möge. Dann ganz in Ruhe weitergehen. Und, ganz wichtig, gar nicht hinhören, wenn irgendjemand im Umfeld etwas von „unerzogener Hund“ redet. Auch wenn es schwer fällt…

Wenn der unfaire Hundetrainer einer rektalen Öffnung ähnelt

Der Haushund stammt von einem Raubtier ab, welches darauf angewiesen ist, seine Nahrung durch jagen zu erlangen. Dadurch hat sich evolut...