Samstag, 27. Mai 2017

Bellende Hunde rocken

Es ist noch nicht wirklich lange her, da konnte man mit so etwas wie der „Punkbewegung“ die Gesellschaft schockieren, Rock ’n’ Roll Musik hat den Herzschlag der kleinbürgerlichen Gesellschaft rasen lassen. Tattoos waren etwas für Außenseiter und Rebellen, Männer mit langen Haaren keine ernstzunehmenden Mitglieder der Gesellschaft…
Entwicklung durch unangepasstes Verhalten
Alles Dinge, mit denen man heute niemanden mehr vor den Ofen locken kann. Punk ist eine anerkannte, assimilierte Gesellschaftsform geworden – Campino findet sogar schützende Worte für seichte Deutschpopper ;-) . Rock ’n’ Roll ist Bestanteil des Alltags – und wenn er nur in Titelmelodien von Serien, der Werbung oder im Gitarrensolo eines Schlager zu finden ist. Er hat nichts Revolutionäres mehr. Ob kurze Haare, lange Haare, Tattoos, laute Musik, Minister mit Turnschuhen, Frauen, die auch offiziell das Sagen haben, grüne Umweltgedanken als politische Normalität. Vieles, was früher gesellschaftlich nicht akzeptabel war, ist heute von der Gesellschaft akzeptiert. Diese Akzeptanz, diese Vielfalt unserer aktuellen Gesellschaft hätten wir allerdings nie erreicht, hätte es keine Punker, Rocker, Turnschuhminister und starke Frauen gegeben, die endlich mal das Sagen in Führungsrollen übernehmen wollten. Diejenigen, die sich an bestimmten Stellen und in friedlicher Weise der gesellschaftlichen Akzeptanz widersetzt haben, haben eben diese Gesellschaft immer weiter vorangebracht. Und meiner Meinung nach sollten sich Gesellschaften immer weiter entwickeln. Wer glaubt perfekt zu sein, ist schon auf dem Weg der Rückentwicklung.
Wo findet man heute noch den Geist, der die Gesellschaft weiterbringt?
Aber wenn Tattoos, laute Musik und lange Männerhaare heute keine individuelle, verändernde Komponente mehr haben, wo kann man denn noch gegen „gesellschaftliche Akzeptanz“ opponieren, um die Gesellschaft weiterzuentwickeln? Nun, im Hundebereich geht das immer noch hervorragend. Ich glaube, es gibt nur wenige Bereiche, in denen man so oft hört, dass die Gesellschaft etwas nicht akzeptiert. Immer wieder begegnen mir Sätze die zum Inhalt haben, dass bellende oder „unerzogene“ Hunde von der Gesellschaft heute nicht mehr akzeptiert würden. Man Hunde deshalb mit allen Mitteln zum gesellschaftskonformen Roboter erziehen und trainieren müsse…
Bellende Hunde als wahre Rocker
Super. Da haben wir doch etwas. Wer einen bellenden Hund hat, ist nicht Gesellschaftskonform. Wie die Rock ’n’ Roller von einst, die zu einem wichtigen Teil unsere freie Gesellschaft gestaltet haben. Da bleibt nur ein logischer Schluss: Unerzogene Hunde sind die wahren Rocker u. deren Halter die letzten echten Punks ;-) Sie können manchmal störend wirken, aber ohne sie wird die Gesellschaft still stehen.
Kein Aufruf, Hunde nicht zu erziehen
Übrigens – das soll kein Aufruf sein, seine Hunde nicht auszubilden und zu trainieren. Kein Hund sollte andere Menschen oder Tiere gefährden, dafür habe ich als Hundehalter zu sorgen. Mit freundlichen Mitteln. Aber wir brauchen keinen funktionierenden Einheitshund. Wir brauche Typen, wir brauchen Vielfalt und Individualität. Wie in allen Bereichen der Gesellschaft.

Ein Hund ist kein Wolf? Ein Hund ist nicht einmal ein Hund…

Klar, es gibt Rasseeigenschaften, die bei den Individuen einer Rasse gleich, bzw. ähnlich sind. Die machen bei jedem Individuum aber nur ein...