Mittwoch, 21. Juni 2017

Das Spiel mit der Angst – Populismus in der Hundehalterwelt


Bei der Beurteilung von Hundeverhalten sollte man es vermeiden, pauschal zu urteilen oder zu bewerten. Wenn ein Hund Menschen oder Artgenossen gegenüber z. B. gesteigerte Aggressionen zeigt, kann das sehr viele unterschiedliche Ursachen haben. Schmerzhafte Vorgänge im Körper können ihn reizbarer machen, er kann berührungsempfindlicher werden. Werden seine Schmerzen und Warnsignale ignoriert, kann er ggf. „Maßnahmen“ ergreifen, um in Ruhe gelassen zu werden. Hunde können hormonelle Probleme haben, die dieses Verhalten hervorrufen oder es kann als Nebenwirkung durch Medikamente verursacht werden. Weiter kommen z. B. aggressive Ausbildungsmethoden infrage, die mit Schmerz oder Frustration verbunden sind, was ähnliche Folgen und Auswirkungen auf das Verhalten haben kann, wie Krankheiten. Es gibt auch Hunde, die durch Traumata egal welcher Art verängstigt sind und in gesteigerter Aggression eine Strategie entwickelt haben, ihren Ängsten zu begegnen. Es kann natürlich auch sein, dass ein Hund gelernt hat, dass er ein Ziel durch forsches Auftreten eher erreicht, als wenn er immer „kuscht“. Wobei das nach meiner persönlichen Erfahrung weit seltener vorkommt, als man allgemein glaubt. Hunde sind als ehemalige Raubtiere, für die der Erhalt der Gesundheit existentiell wichtig ist, eher auf Konfliktvermeidung aus. Was Lerneffekte in die Richtung stark beeinflusst.
Viele mögliche Gründe für Verhalten
Es gibt also viele Möglichkeiten, warum ein Hund ein bestimmtes Verhalten zeigt. Zum übersteigerten Aggressionsverhalten habe ich einige Beispiele aufgeführt, aber längst nicht alle Möglichkeiten. Die Beispiele sollten aber ausreichen um aufzuzeigen, dass man für ein Verhalten keinen pauschalen Grund nennen sollte.
Pauschale Aussage über Hunde in Tierheimen
Genau das wird aber im Zusammenhang mit dem Hundeverhalten sehr häufig gemacht. Zum Beispiel habe ich mich schon im Januar darüber aufgeregt und auch dazu geäußert, dass im Bezug auf Tierheimhunde und Aggressionen eine pauschale Behauptung aufgestellt wurde. Dort wurde sinngemäß postuliert, dass Hunde, die mit Aggressionsproblemen im Tierheim abgegeben werden, durch zu wenig Führungsqualitäten der Besitzer dort landen würden. Dass den Hunden keine Grenzen aufgezeigt würden usw. - pauschal behauptet. Ohne jegliche Form von seriöser Statistik unterlegt. Wie sollte das auch gehen? Wenn ein Hundehalter einen übersteigert aggressiven Hund abgebt – will man ihn dann befragen, ob er nicht genügend Führungsqualitäten hatte? Oder ob er regelmäßig Tierärzte oder Physiotherapeuten mit seinem Hund aufgesucht hat? Ob er der Aggression in allen Facetten auf den Grund gegangen ist oder es auch nur wollte? Das wird natürlich schwer. Zuverlässige, differenzierte und wahrheitsgemäße Daten über die Gründe einer Hundeabgabe sind schwer zu erfassen.
Keine Differenzierung
Trotzdem wird von Hundeexperten pauschal behauptet, dass aggressive Hunde aufgrund schlechter Führungsqualitäten im Tierheim landen, weil der Mensch sich nicht traut einen Konflikt mit seinem Hund auszutragen. Ungeachtet dessen, dass die Aussagen zu Konflikten in der Hundeerziehung pauschal von humanpädagogischen Ansätzen der Konfliktforschung geprägt sind, ohne Hunde und Menschen zu differenzieren. Abgesehen davon muss man auch die klare Feststellung treffen, dass man Hundeverhalten nicht so pauschal und undifferenziert nur auf diese Führungsebene beschränken sollte. Und den Menschen eine Angst impliziert, durch zu freundlichen Umgang mit dem Hund automatisch gefährliche Lebewesen zu produzieren. Was, wie gesagt bei sachlicher Betrachtung (und unter Hinzuziehung aller möglichen Faktoren für das Hundeverhalten) kompletter Unsinn ist.
Spiel mit der Angst der Hundehalter
Diese von Hundeexperten pauschal getätigten, faktisch nicht gestützten Aussagen um dem Hundehalter Angst zu machen, begegnen einem leider immer wieder. Über die Gründe kann man spekulieren. Mögliche Gründe wären, dass solche Hundeexperten ihre Philosophien zu dem Thema vermarkten möchten. Oder sie es einfach nicht besser wissen und sich innerhalb ihres Echoraumes nicht trauen, selbstständig und weniger pauschal zu denken.
Ähnlichkeiten mit politischem Populismus
Dieses Spiel mit den Ängsten der Hundehalter erinnert mich leider stark an politischen Populismus. Im Grunde ist das psychologisch gesehen auch nichts anderes. Mit einfachen, pauschalen Botschaften mit den Emotionen der Menschen spielen um eigene Vorteile daraus zu ziehen. Der Begriff Populismus passt da in meinen Augen durchaus zu dem Pauschalgerede in der Hundeerziehung.
Nicht auf das Spiel einlassen
Hundehalter sollten sich nicht verängstigen lassen. Wenn man immer eine gute Portion Skepsis behält und bereit ist, den Hund und sein Verhalten in allen möglichen Facetten zu sehen, zu akzeptieren und zu differenzieren, sollte man gegen den Hundeszenenpopulismus gewappnet sein. Und die Fähigkeit Populismus nicht aufzusitzen kann im Leben hilfreich sein. Nicht nur in der Hundehalterwelt…

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