Freitag, 9. Juni 2017

Die Stille, wenn ein Hund nicht mehr bellt (für Koka)


Mein Hund Regi kann manchmal bellend loströten, dass selbst die Tiere auf den Fotos an der Wand sich erschrecken. Er reagiert recht schnell auf Dinge, die man seiner Meinung nach anzeigen muss. Aber das kommt nicht wirklich oft am Tag vor. Klar, wenn er allein im Garten ist und in der Nachbarschaft wagt es ein Hund sich im Körbchen umzudrehen, ist das eine Unverschämtheit, die bemeckert werden muss. Oder wenn der Postbote zum x-ten Male versucht in unser Haus einzubrechen, und sich sonst niemand darum kümmert. Das wird auch mitgeteilt. Allerdings halten sich die Trötattacken, wie gesagt, über den Tag verteilt in überschaubaren Grenzen. Und er ist der Typ, der sich schneller wieder beruhigen kann, als er sich aufgeregt hat.
Regi schimpft seine Menschen nicht aus
Er bellt auch nur in seiner selbstgewählten Funktion als Alarmanlage. Andere Gründe zum Bellen kennt er nicht. Er sitzt still daneben, wenn ich das Futter für ihn bereite, er begrüßt mich, wenn ich heimkomme, sehr sachlich und ruhig. Er meckert nicht, wenn ich einmal fünf Minuten später mit ihm zum Gassigang aufbreche. Wenn wir mit dem Auto unterwegs sind, sagt er keinen Ton – weder während der Fahrt, noch beim Anhalten oder aussteigen. Bis auf sein Warnbellen herrscht bei uns hündische Stille.
Für Koka war Herrchen immer der Schuldige
Das war anders, als seine Partnerin Koka noch lebte. Im Prinzip war sie genau andersherum „gepolt“, was das Bellen betraf. Klar, fremde Hunde wurden auch verbellt. Aber Menschen wie der Postbote waren ihr sowas von egal.

Dafür wurde kein Fehlverhalten vom Herrchen geduldet. Das wurde ausgemeckert, wenn es morgens verschlief. Wenn die Autofahrt der Dame zu lange dauerte, wurde dies kundgetan. Wenn die Futterzubereitung nicht in einem ihr angenehmen Zeitrahmen erledigt war, wussten die Tiere auf den Bildern schon im Vorhinein, was folgen würde. Und hielten sich die Ohren zu. Wenn Herrchen heimkam wurde er selbst nach drei Minuten Abwesenheit begrüßt, als käme er von einer Weltreise zurück.  Kurzum, Koka meckerte gerne.
Liebenswerte Charaktereigenschaft – von Training verschont
Und ich habe gerade das an ihr geliebt. Ich wäre nicht im Traum auf die Idee gekommen, ihr diese Charaktereigenschaft abzutrainieren. Klar, in bestimmten Situationen, wenn man mit ihrer Gesprächigkeit andere belästigt hätte, hatten wir ein Ersatzverhalten eingeübt, welches sie statt des Bellens zeigen konnte. Aber im Grunde durfte sie mich ausmeckern, wenn sie es wollte. Und – dass wird vielleicht den ein oder anderen überraschen. Sie war niemals auch nur im Ansatz aggressiv gegenüber Menschen oder wollte die Weltherrschaft übernehmen. Nein, sie sagte nur, wenn ihr etwas nicht gefiel. Und ihr gefiel einiges nicht…
Stille ohne Koka
Die bellende, mitteilsame Koka ist seit einigen Monaten tot. Im Moment ist Regi Einzelhund – weil wir noch keine passende Partnerin für ihn gefunden haben. Er ist wählerisch und hat in dem Punkt das letzte Wort.
Er bellt zwar auch manchmal, wie erwähnt, aber insgesamt ist es bei uns stiller geworden. Zu still.


Den Text habe ich vor einiger Zeit geschrieben, als Koka gestorben war. Die Stille ist jetzt vorbei, weil mit Jitka eine würdige Nachfolgerein eingezogen ist. Eine Nachfolgerin im Ausmeckern vom Herrchen. Aber trotzdem ist Jitka anders. Und Koka wird nie vergessen.


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