Freitag, 9. Februar 2018

Klartextquickie – Warum das Jagdverhalten kein Trieb ist


Mit der Bezeichnung Triebe ist das so eine Sache. Eigentlich spricht man heute eher von Motivationen. Auch von Motivationen, die von innen kommen und einen gewissen Drang auslösen, etwas zu tun. Also durchaus von inneren Antrieben.
Da ist zum Beispiel im Kindesalter das Spielverhalten. Man hat einen inneren Drang zu spielen. Damit Körper, Geist und Fähigkeiten trainiert werden. Dieser Drang lässt aber nach, je älter man wird - um mit den Kräften zu haushalten. Der Drang zu spielen kommt von innen und wenn man diesen inneren Antrieb als Trieb bezeichnet, ist das sicher kein Weltuntergang.
Jagdtrieb oder Schutztrieb gibt es aber nicht. Jagdverhalten wird nicht von innen ausgelöst. Ein Beutegreifer zeigt es nur nach einem äußeren Reiz.
Das Suchen und Aufspüren von Nahrung kommt allerdings wieder von innen (Hunger). Das nennt man aber nicht Jagdverhalten, sondern die erste und zweite Phase des „Appetenzverhaltens“, welches in diesem Fall die Nahrungssuche und das Erkennen von Nahrung meint.
Der suchende Hund kann seinen Hunger danach nicht nur durch jagen stillen. Wenn er etwas findet, was nicht gejagt werden muss - Aas oder Müll z. B., bevorzugt er das um beim Jagen keine Energie zu verschwenden.
Gejagt wird nur, wenn es durch äußeren Reiz ausgelöst wurde. Und unter natürlichen Umständen auch nur, wenn die Beute mehr Energie liefert als die Jagd Energie kostet. Ein großer Beutegreifer wie ein Wolf würde nie lange hinter einer Maus herlaufen. 
(c) fotolia - rawpixel.com
Jagdverhalten ist kein Trieb, es ist kein Antrieb von innen um ein Bedürfnis zu befriedigen. Es ist eine Fähigkeit, die durch äußere Reize aktiviert werden kann, wenn sie gebraucht wird um als Endhandlung das Bedürfnis Nahrungserwerb zu befriedigen. Wird es nicht gebraucht, wenn die Nahrung so „rumliegt“, wird direkt gefressen und das Nahrungsbedürfnis ohne energieaufwendige Jagd befriedigt.
Ebenso ist es z. B. mit „Schutztrieb“. Das ist eigentlich ein Abwehrverhalten zur Verteidigung, das man nur bei dem äußeren Reiz "angegriffen werden" zeigt. Eine Fähigkeit, die man hat um sich selbst verteidigen zu können.
Bei vielen Hunden sind aber die Reizschwellen, die diese Verhalten auslösen, durch Zucht stark runtergesetzt. Die Hunde reagieren dann schneller auf die äußeren Reize. Jagen schnell und viel oder meinen sich dauernd verteidigen zu müssen.
Sie sind aber nicht "triebig". Sie haben eine heruntergesetzte Reizschwelle und reagieren oft sehr schnell und unangemessen. Durch Zucht und durch Degeneration der natürlichen Fähigkeiten. Um Menschen zu nutzen.
Ob diese „unnatürlich“ veränderten Fähigkeiten für den individuellen Hund oder eine ganze Rasse gut sind, ist eine andere Sache. 



Quellen:
http://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/appetenzverhalten/814
Hanna-Maria Zippelius: Die vermessene Theorie. Vieweg 1992
Klaus Immelmann, Klaus R. Scherer, Christian Vogel: Psychobiologie. Grundlagen des Verhaltens. Beltz-Verlag 1988
Wolfgang Wickler: Von der Ethologie zur Soziobiologie. In: Jost Herbig, Rainer Hohlfeld (Hrsg.): Die zweite Schöpfung. München, 1990
W. Müller, S. Frings: Tier- und Humanphysiologie. 4. Auflage, Springer 2009
Gerhard Heldmaier,Gerhard Neuweiler: Vergleichende Tierphysiologie. Springer 2003

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