Sonntag, 26. Juni 2016

Der perfekte Hund und die kränkelnde Psyche des Menschen



Zum Thema Mensch und Perfektion möchte ich einmal einige Zeilen aus der Zeitschrift „Psychologie Heute – Compact, Heft 45 / 2016“ zitieren:

Dort wird erläutert, dass die Zahl der Menschen stetig zunimmt, denen eine innere Stimme Befehle wie „Du musst, „Du sollst, und „Du darfst nicht“ einflüstert. Dadurch werden sie täglich zu Höchstleistungen und Selbstverbesserungsmaßnahmen getrieben. Perfektionismus sei in der westlichen Welt endemisch. Das heißt, dass er wie eine Krankheit ist, die immer häufiger in einer Population auftritt.

Diese Feststellung treffen laut „Psychologie Heute – Compact“ die kanadischen Forscher Gordon L. Flett von der York University und Paul L. Hewitt von der University of Columbia, die sich seit langem mit dem Thema beschäftigen. Auch der Psychiater und Psychotherapeut Raphael Bonelli schreibt in seinem Buch „Perfektionismus, wenn das Soll zum Muss wird (Pattloch, München 2014)“: Perfektionismus prägt den Zeitgeist, liegt unseren Wertvorstellungen zugrunde, dominiert unsere Köpfe. Fast niemand kann sich ihm entziehen.

Krankhafte Perfektion

Kurz zusammengefasst könnte man sagen, dass man bei wissenschaftlicher Betrachtung davon ausgeht, dass der Wunsch und das Streben nach Perfektion in der so genannten westlichen Welt als krankhaft zu bezeichnen ist.

Menschen sind also in einem nicht die Gesundheit fördernden Maß damit beschäftigt nach Perfektion zu streben. Gut, als Hundefreund könnte ich mir jetzt sagen, dass das ein Problem der Menschen ist. Wenn die Hunde nicht unter diesem menschlichen Perfektionswahn leiden müssten. So machen die Menschen natürlich keinen Halt davor, ihre Hunde perfektionieren zu wollen. Man kann ein wachsendes Verlangen von Hundehaltern beobachten, in jeder Situation einen perfekten Hund präsentieren zu wollen.

Menschliches Problem wird zum Hundeproblem

Das ist, wie gesagt, immer noch ein menschliches Problem. Dass der Hund aber ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen ist, dem die menschliche Perfektion in den meisten Fällen ziemlich „schnuppe“ ist, wird dabei oft vergessen. Stattdessen werden sich von der endemisch kränkelnden Perfektionssucht der Menschen immer neue „Methoden“ ausgedacht, um den Hund zum perfekten Begleiter zu erziehen. Wobei die Methoden selten wirklich neu sind. Oft sind sie nur alter Wein in neuen Schläuchen. In der so genannten „Hundeerziehung“ wird vornehmlich immer noch darauf gesetzt, dem Hund jegliches Verhalten zu „vermiesen“, welches nicht in die perfekte Menschenwelt passt.

Hundehalter verantwortlich für seinen Hund

Ja, ja. Ich sehe beim Lesen dieser Zeilen direkt wieder einige Leser mit dem Kopf auf  den Tisch fallen oder in dessen Kante beißen. Und die alten Floskeln ausrufen, dass ein Hund doch hören müsse, dass nur ein erzogener Hund sich frei bewegen könne, dass die heutige Gesellschaft keinen „unperfekten“ Hund toleriert usw.

Liebe Tischkantenbeißer. Ihr könnt Euch entspannen. Ich sage nicht, dass man Hunde alles machen lassen sollte, was sie möchten. Hunde dürfen keine Menschen oder andere Tiere belästigen oder gefährden. Dafür muss ich als Mensch sorgen. Genauso, wie ich dafür sorgen muss, dass sich mein Hund wohl fühlt, ein lebenswertes Leben führt.

Aber aus dem Lebewesen Hund einen perfekt funktionierenden Roboter zu machen, dafür brauche ich nicht zu sorgen. Im Gegenteil, das ist ein krankhaftes Verlangen des Menschen, welches auch den Hund krank machen kann.

Hundehalter sollten lernen, einfach mal wieder zu entspannen. Zum eigenen Wohl und zum Wohl des Hundes.

Sonntag, 19. Juni 2016

Grenzen setzen ist einfach…



Bei einem pubertierenden Hund wird das Gehirn umgebaut, vorbereitet auf das Dasein als erwachsenes Lebewesen. In dieser Umbauphase werden bereits gelernte Dinge wieder neu sortiert. Die dadurch auch oft wieder vergessen werden. Wenn ein Hund in der Pubertät etwas nicht mehr macht, was er vorher auf „Befehl“ ausführte, testet er nicht zwangsläufig seine Grenzen aus. Er hat es in den meisten Fällen schlicht vergessen…

Oder wenn ein Erwachsener Hund einen „Befehl“ nicht lernt, angeblich stur ist um seine Grenzen auszutesten. Dann sollte man sich einfach mal fragen, ob man dem Hund auch verständlich vermittelt hat, was man von ihm möchte. Wenn man einen Hund z. B. anbrüllt, weil er nicht schnell genug zurückkommt – dann zögert er wohl eher aus Vorsicht, sich dem aggressiven Brüller zu nähern. Er agiert nicht stur, um den Brüller und dessen Grenzen auszutesten. Er agiert vorsichtig.

Dieses „Grenzen austesten“ geht mir unheimlich auf die Nerven. Klar, vielleicht probiert ein Hund mal aus, was ihn in der einen oder anderen Situation am besten zum Erreichen eines Zieles führt. Ein Hund beschäftigt sich aber mitnichten den ganzen Tag damit, irgendwelche Grenzen auszutesten. Wenn ein Hund mal aufgeregt und übermäßig bellt, kann das mit Angst oder Unsicherheit zu tun haben und nicht damit, dass er irgendwelche Grenzen einreißen möchte, um der Familiendiktator zu werden. Vielleicht sollte man sich als Hundehalter mal darum kümmern, welchen wirklichen Grund das Bellen hat.

Hundeverhalten ist vielschichtig, das Verständnis von Mensch und Hund untereinander hat viel mit Kommunikation und auch Wissen über das Hundeverhalten (Beispiel Pubertät) zu tun. Diejenigen, die immer von Grenzen reden, machen es sich sehr einfach…

Sonntag, 5. Juni 2016

Hundeszene – Querdenken nicht erlaubt?



Wenn man einmal den gesamten Dschungel der Ratschläge rund um die Hundeerziehung durch einen Filter drücken würde, kämen trotz unzähliger Methoden, Philosophien und Meinungen, letztlich relativ einfache Denkmuster heraus. Die Menschen möchten Hunde in ein genormtes, gleichgeschaltetes und gesellschaftlich konformes Verhaltenseinheitsbild pressen. Jeder möchte sich so etwas wie den „sozialistischen Einheitshund“ zurechterziehen. Und das entweder mit Lob für so genanntes „erwünschtes Verhalten“, was sich dadurch häufiger zeigen soll. Oder durch Strafe, die „unerwünschtes“ Verhalten verringern soll. Dabei wird sich ausgiebig gestritten, welche der beiden „Grundmethoden“ denn nun der einzig wahre Weg sei. Es gibt extremistische Ausschläge in jede Richtung. Und es gibt Mittelwege – wo sich wieder gestritten wird, wie weit und wie oft man Strafe oder Lob anwenden soll. Alle Diskussionen drehen sich nur darum wie stark, wie viel, wie und wo man Strafen oder Loben soll und darf. Fachmagazine, Fachbücher und Fernsehbeiträge drehen sich immer wieder um diesen im Prinzip recht engstirnigen Kosmos. Es wird vielfach suggeriert, dass das Zusammenleben mit dem Hund nur so möglich sei – über die Schaffung des Einheitshundes. Uneinigkeit herrscht eigentlich nur darüber, wie man es macht. Loben oder Strafen, Loben und Strafen…

Die Gesellschaft der Hundehalter ist sozial so konditioniert, dass sie gar nicht auf die Idee kommt, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, angenehm und glücklich mit Hunden zusammen zu leben.
Weil das nicht der sozialen Konditionierung entspricht. Es wird sich auf Teufel komm raus über Lob oder Strafe gestritten, aber wenn einmal andere Möglichkeiten des Zusammenlebens und des Lernens in Betracht gezogen werden und es vielleicht jemand wagt anders zu denken, quer zu denken, wird das nicht ernst genommen oder zerrrissen. Weil es eben nicht der gesellschaftlichen Konditionierung entspricht. 

Allerdings konnte man in der menschlichen Gesellschaft immer wieder beobachten, dass eine Weiterentwicklung eben dieser immer nur durch Querdenker ermöglicht wurde. Starre soziale Konditionierungen, extremes Festhalten an eingefahrenen Sichtweisen blockierten und blockieren eine Entwicklung immer. Deswegen: Querdenken sollte in der Hundeerziehung ebenso erlaubt sein, wie in allen gesellschaftlichen Bereichen. Allzu starre Sichtweisen blockieren nicht nur persönliche und gesellschaftliche Entwicklungen. Sie werden auch dem hochentwickelten und unvergleichlich anpassungsfähigen Säugetier Hund nicht gerecht. Starre und verbissene sozial konditionierte Ansichten wie beim Menschen sind dem Hund nämlich fremd. Seine Fähigkeit zur Anpassung ist sein Schatz. Den wir nicht durch unsere engstirnige Suche nach dem „sozialistischen Einheitshund“ im Ozean der vermeintlichen Vielfalt der Methoden versenken sollten.

Was Quergedanken sind? Das Denken dazu möchte ich natürlich nicht beeinflussen. Mir ist nur wichtig mal darzustellen, dass das Denken nicht verboten sein sollte und man sich auch mal traut, andere Sichtweisen in Betracht ziehen. Natürlich ist es beim Hund immer wichtig, dass man fair mit ihm umgeht, ihm keine Schmerzen zufügt, ihn auch nicht einschüchtert. Zudem muss der Hund seine Bedürfnisse befriedigen können. Aber man muss auch dafür sorgen, dass er keine Gefahr für sich, andere Menschen oder Tiere ist.

Beim Erreichen dieser Grundlagen sollte man die Individualität aller Beteiligten Menschen und Tiere berücksichtigen, aber auch die Umweltsituationen. Dabei sollte auch das Denken und Querdenken erlaubt sein. Wie gesagt: Das Querdenken fördert letztendlich Entwicklungen…

Richtiges korrigieren mit der Wasserpistole

Wenn Hunde gegenüber Artgenossen Aggressionen zeigen, kann das viele Gründe haben. Wenn man den vielfältigen Gründen mit pauschalen Techni...