Samstag, 11. Oktober 2014

Nochmal §11 - Verrückt machen von allen Seiten

Beruflich muss ich mich jetzt schon eine ganze Weile mit dem inzwischen berüchtigten §11 („Erlaubnispflicht Hundeausbilder“) beschäftigen. Als Verbandsvorsitzender, als Fortbildungsanbieter aber auch als „Hundeausbilder“ selbst. Die Geschichte nervt in der Umsetzung und verunsichert viele, deren Existenzen davon abhängen. Dass dort in vielen Fällen Klärungsbedarf besteht kann man nicht abstreiten. Leider kann niemand (weder Verbände, Anwälte, Ministerien oder Behörden) im Moment absehen, wie genau es dort weitergeht. Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit werden rechtliche Fakten erst zu einem späteren Zeitpunkt geschaffen.

Ergebnisse für die Zukunft

Das hilft den Betroffenen im Moment wenig. Darum ist es zu begrüßen, wie sich Verbände, Anwälte, Institutionen und sonstige Personen für die Betroffenen einsetzen. Vielleicht kann man gemeinsam zumindest ein annähernd befriedigendes Ergebnis für alle Parteien erreichen. Das ist aber sicher eher für die Zukunft zu erwarten. Nach aller Erfahrung mit dem „11er“ kann ich nur sagen, dass von Betroffenen zunächst das Gespräch mit den Ämtern gesucht werden sollte und ggf. individuelle Lösungen, möglicherweise auch für den Übergang, gefunden werden.
 
Gerüchte und Verschwörungstheorien

Was mich aber genauso wie die behördliche Umsetzung nervt, ist das, sagen wir mal „Gerücht“, dass praktisch nur eine „Philosophie“ von den Ämtern geprüft und verlangt werden würde. Das Gerücht halte ich schlicht für falsch. Wie gesagt, ich habe aus diversen Gründen intensiv mit der Geschichte zu tun und schon viele Rückmeldungen von Geprüften erhalten. Auch ich selbst wurde bereits geprüft. Und wenn man alle Erfahrungen und Feedbacks zusammenrechnet bekommt man ein gutes Bild, ob einzelne „Philosophien“ mehr oder weniger häufig zum Tragen kommen. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich alles gehört habe – praktische Prüfungen wo Leinenruck verlangt wurde, Fachgespräche wo man sich Rudelführertheorien anhören musste aber auch mal welche, wo man positive Verstärker erläutern musste. So unterschiedlich wie die ganze Hundeszene, so unterschiedlich sind auch die Amtsveterinäre und deren Ansichten. Es ist bestimmt nicht so, dass durch irgendwelche Lobbyarbeiten alle Ämter von irgendwelchen „Wattebäuschen“ unterwandert sind. Wenn man wollte, könnte man genauso das Gegenteil behaupten und auch diverse Einzelnachweise darüber erbringen. Darum halte ich die momentane Philosophieparanoia für noch unangebrachter als sonst schon. Als wenn der 11er nicht insgesamt schon nervig genug wäre.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Traubenführung natürliches Hundeverhalten?

Im Moment sieht man (leider) immer häufiger Videos oder hört und liest Aussagen von Typen, die mir gewaltig auf den Senkel gehen. Ich meine diese Leute, die vor einem „Hunderudel“ herlaufen oder Radfahren, und die Hunde dicht wie Trauben gedrängt diesem Menschen folgen, ihn nie überholen und auch nicht aus der „Formation“ ausscheren. Wie von Geisterhand bewegt sich die enge Traube aus Hunden hinter dem Menschen her. Und das Ganze wird beklatscht und mit „Führungsqualitäten“ gelobt.

Mit „Korrekturen“ zusammengehalten
Oh, Mann! Hunde würden in einem selbstgewählten Umfeld, in einer Gruppe, der sie freiwillig beigetreten sind, niemals ein solches Verhalten zeigen. Eng aneinander gedrückt einem Individuum blind folgen. Das ist völlig unnatürliches Verhalten, welches nur so gezeigt werden kann, indem die „Formation“  durch Schläge, Tritte und andere „Korrekturen“ zusammengehalten wird – so lange, bis es funktioniert und im Video oder TV präsentiert werden kann. Jeder der ausschert, hat mit ernsthaft unangenehmen Konsequenzen zu rechen. Wie gesagt, das Verhalten zeigen Hunde niemals untereinander. Wenn sich Hunde freiwillig einmal zu einer Gruppe zusammenschließen sollten, ist das meist ein „lockerer“ Haufen, in dem es einige Regeln im Umgang miteinander gibt und an die sich die Individuen anpassen. Aber so ein blindes Folgen aus Angst vor Züchtigung, ist unnatürliches Verhalten. Darüber gibt es auch keinerlei Nachweise unter freilebenden Hunden.
Was soll das?
Mir stellt sich zudem die Frage, was das soll, sich mit 10 oder 20 Hunden so durch die Welt zu bewegen? Es dient doch nur einem – dem Machtgefühl und dem Ego der menschlichen Protagonisten. Und die Hunde werden durch so eine unnatürliche „Beschäftigung“ stark gestresst und traumatisiert. Ein schönes Leben ist das nicht – auch wenn sich viele Hunde in ihr Schicksal fügen und das böse Spiel mitmachen. Ein artgerechtes Leben führen diese Hunde definitiv nicht.
Resozialisieren oder traumatisieren?
Diese Art von Hundeführern ist auch oftmals die, die Hunde „resozialisieren“, indem sie sie einfach in ihr „Rudel“ setzen, bestehend aus 10 bis über 20 Tieren. Auf engstem Raum mit über 20 fremden Individuen. Naja, so bricht man jedes Lebewesen. Das hat aber nichts mit Resozialisierung zu tun. Eher mit traumatisieren.
Selbst erleben
Am liebsten würde ich diese traubenführenden Typen mal allesamt einfangen, in einen engen Raum sperren, wo sie lange Zeit nur sich selbst und ihren „Mitstreitern“ überlassen blieben. Lagerkoller und Lageraggressionen vorprogrammiert. Bei Menschen wahrscheinlich viel schneller und heftiger, als bei Hunden. Aber okay, alle paar Tage würde ich sie mal aus ihrem engen Pferch herauslassen. Dann müssten sie mir alle dichtgedrängt folgen. Und wehe dem, der ausschert…

Anpassen, arrangieren und gegenseitiger Respekt

Wenn man mit Menschen zusammenlebt oder zusammenarbeitet, geht man meist nach einem einfachen Muster vor, damit die soziale Gemeinschaft funktioniert. Man passt sich an, man arrangiert sich mit den Eigenschaften des oder der Anderen – und man behandelt sie, wie man selbst behandelt werden möchte. Wenn sich alle anpassen und arrangieren, werden letztlich auch alle gleich behandelt, man findet Kompromisse, mit denen alle Leben können sollten und sich dabei wohl fühlen (gut, klappt nicht immer - so sollte es aber sein).

Anpassen, arrangieren und gegenseitiger Respekt – die Grundlage für jedes soziale Zusammenleben.
Das Zusammenleben mit Hunden verhält sich da nicht anders.

Allen geschäftsträchtigen Philosophien und der Informationsflut unserer Zeit zum Trotz…

Gleiches 11er-Recht für alle

Wir Deutschen verlangen ja sogar von Mexikanern, die Sachkunde nachzuweisen, wenn sie bei uns mit Hunden arbeiten möchten. Auch wenn sie die Sachkunde nicht nachweisen können…

Obwohl die Umsetzung des Gesetzes zur Erlaubnispflicht für „Hundeausbilder“, vorsichtig ausgedrückt, recht chaotisch abläuft, ist es in seinen Grundzügen zu begrüßen. Wie gesagt, im Moment wird die Sachkunde unterschiedlich geprüft und nicht alle sind glücklich darüber. Steellungnahmen und „offene Briefe“ überschwemmen gerade das Netz.

Wattebauschtest oder Hardlinerprüfung?

Es geht vor allem um den Test, den viele Ämter zur Überprüfung der theoretischen Sachkunde einsetzen. Da gibt es Kollegen, die darin eine Verschwörungstheorie der „Wattebauschfraktion“ sehen und sich in der Freiheit ihrer „Philosophie“ gehemmt sehen.

Das ist aus dem Grund komisch, weil ich persönlich aus anderen Gründen eher skeptisch bzgl. des Tests war. Da er ursprünglich von Trainern mitgestaltet wurde, die ganz und gar nicht der „Wattebauschfraktion“ angehören. Ganz im schüsselnden Gegensatz sogar…

Ausgewogene Fragen

Aber ich habe mich dann entschieden, ihn doch mitzumachen und ihn nicht zu boykottieren. Was immer passieren würde, „danach könne man ja weitersehen“. Das dachte ich mir.
Und, siehe da – der Test, den ich absolvieren „durfte“ war durchaus ausgewogen, keinesfalls in die Richtung irgendeiner Philosophie tendierend. Er war sicher nicht einfach und man kann auch über die ein oder andere Frage diskutieren. Aber für jeden, der ernsthaft mit Hunden arbeitet oder künftig arbeiten möchte, sollte er unter dem Strich machbar sein. Für mich war er machbar und ich habe ihn bestanden.

Kompromisslösung

Obwohl es insgesamt noch rechtlichen Klärungsbedarf bezüglich der Sachkundeprüfungen gibt, würde ich empfehlen, diesen Test als gegenwärtige Kompromisslösung zu absolvieren und ihn nicht pauschal abzulehnen. Wie gesagt, er ist machbar, durchaus nicht tendenziell und alle Verschwörungstheorien sind arg an den Haaren herbeigezogen.
Man sollte sich also nicht verrückt machen lassen. Obwohl das in der Hundeszene nicht leicht ist.

Richtiges korrigieren mit der Wasserpistole

Wenn Hunde gegenüber Artgenossen Aggressionen zeigen, kann das viele Gründe haben. Wenn man den vielfältigen Gründen mit pauschalen Techni...