Montag, 26. Januar 2015

Solidarität mit Plastikflaschen-Hundetrainern?

Welpe kaut

Ein Welpe, 25 Wochen alt, zerkaut Möbelbeine. Die Hundetrainerin sagt den Besitzern, dass der Welpe wissen müsse, was er darf und was nicht. Während ihres Hausbesuchs zeigt der Welpe das Verhalten. Die Trainerin geht hin, reißt den kleinen Hund vom Tischbein weg und hält ihm die Schnauze zu. Sie drückt anscheinend so stark, dass es dem Hund starke Schmerzen bereitet. Er kann aufgrund der der zugehaltenen Schnauze nicht schreien – doch trotzdem fiept er (nach Aussage der Besitzer laut hörbar) und zappelt stark…
Welpe bellt
Ein Welpe, 26 Wochen alt, darf sich oft im Vorgarten aufhalten. Einem Vorgarten, der direkt an der Zuwegung zu einer Grundschule liegt. Immer, wenn die Kinder zur Schule gehen, oder von ihr zurückkommen, bellt der kleine Hund. Eine Hundetrainerin sagt den Besitzern, der Welpe müsse wissen, was er darf und was nicht. Als Kinder am Zaun vorbeigehen, der Welpe bellt, kommt die Hundetrainerin von außerhalb des Zaunes, beugt sich zum Hund und haut ihm auf die Nase…
Welpe beißt
Ein Welpe, 26 Wochen, beißt am Abend eine Besucherin, die sich zu ihm hinunterbeugt und ihn streicheln möchte.
Plastikflasche
Ein Welpe, 27 Wochen alt, läuft auf jeden Besucher zu und versucht zu beißen. Das hat er mit 24 Wochen noch nicht gemacht. Eine Hundetrainerin sagt, dass man dem Hund klar kommunizieren müsse, dass er das nicht darf. Wenn Besucher die Wohnung betreten und er in dessen Richtung läuft, wirft sie eine Plastikflasche nach dem Hund – und trifft ihn auch.
Das war übrigens immer derselbe Hund…
Besuch unmöglich
Ein junger Hund, ca. 10 Monate alt, lässt keine Fremden mehr ins Haus und attackiert jeden direkt, ohne Körpersprache – Bisse in Füße und Hosenbeine. Es handelt sich um einen Yorkshire Terrier, was die Gefahr für Menschen übersichtlich macht. Das Verhalten ist aber mehr als „unschön“…
(c) PixelQuelle
Das ist übrigens derselbe Hund wie vorher…
Ein Fall, den ich aktuell wieder geradebiegen muss. Ein Fall, von vielen ähnlich gelagerten, mit denen ich konfrontiert werde. Und diese Fälle machen mich regelmäßig wütend.
Kleine Probleme falsch behandelt – große Probleme verursacht
Dem 25 Wochen alten Welpen, der gerade im Zahnwechsel war, wurde die Schnauze zugehalten. Von einer fremden Besucherin. Und im Zahnwechsel kann man davon ausgehen, dass diese Behandlung besonders schmerzhaft ist. Wie der Zahnwechsel an sich auch. Darum kauen Welpen auch gern an etwas herum, das kompensiert den Schmerz, macht ihn erträglicher. Wenn man ihm in dieser Zeit eine Kaualternative gibt, etwas aus Kautschuk etc. und zudem Tischbeine absichert, irgendetwas vielleicht metallisches davorstellt. Was sich zum Ankauen nicht eignet. Dann erledigt sich die Kauphase von ganz allein. In diesem Fall hat die Trainerin allerdings bewirkt, dass der Hund Fremde im Haus in sehr schlechter Erinnerung behält.
Ebenso, wie durch ihren Schlag am Zaun. Eine Fremde beugt sich über den Zaun und haut dem Hund auf die Nase. Ich komme beim Gedanken daran nicht mehr aus dem Kopfschütteln heraus. Man hätte hier den Hund einfach nicht rauslassen sollen, wenn die Kinder in Massen vor dem Garten herliefen. Und mit ihm dann zu anderer Zeit in Ruhe ein alternatives Verhalten, anstatt dem Bellen, zu trainieren. Wichtig ist aber, dass der Hund mit den vorbeigehenden Kindern und mit Fremden generell keine schlechten, oder gar schmerzhaften Erfahrungen verknüpft. Was er aber schon mehrfach erleben musste – mit dieser Trainerin.
Als dann am gleichen Tag eine weitere, fremde Besucherin kam und sich zu ihm bückte, wollte er sich einen weiteren Schmerz ersparen und biss zu. Worauf die Besucherin zurückzog – Lerneffekt des Hundes: „Ich kann mir Schmerzen, die Fremde anscheinend verursachen, mit beißen vom Hals halten.“ Ein Kreislauf begann, der sich durch Plastikflaschen und damit verbundener Bestätigung, dass Fremde unangenehm sind, immer weiter drehte. Ein Kreislauf, der dort gipfelte, wo ich jetzt ansetzen muss. Und ich möchte es in aller Deutlichkeit sagen. Der Kreislauf begann mit der fragwürdigen Behandlung durch die Hundetrainerin. Es wurden ernsthafte Probleme geschaffen. Vollkommen unnötig…
Mein Job ist es jetzt erst einmal dem Hund zu vermitteln, dass er Menschen wieder vertrauen kann. Aber das ist weitaus aufwändiger und langwieriger, als das Anrichten des Schadens gebraucht hat.
Solidarität mit der Trainerin?
Da im Moment viel davon geredet wird, dass sich Hundeprofis aufgrund einer Erlaubnispflicht in dem Berufsbereich solidarisieren sollen. Solidarisieren, damit alle, die bis zur Einführung der Erlaubnispflicht schon als „Hundeausbilder“ gearbeitet haben, pauschal eine Art Bestandsschutz erhalten.
Ich solidarisiere mich da gern mit Kollegen, die seit vielen Jahren und mit viel Herzblut in dem Bereich arbeiten. Die sich bilden, sich fortbilden und die immer fair mit den Hunden umgehen. Auch wenn ich in Detailfragen vielleicht nicht immer einer Meinung mit allen Kollegen bin. Natürlich solidarisiere ich mich mit Berufskollegen, deren berufliche Existenz bedroht ist.
Aber ganz ehrlich. Solche Kolleginnen und Kollegen, wie in dem vorher beschriebenen Fall, machen es mir wirklich sehr schwer bis unmöglich, mich mit ihnen zu solidarisieren. Und leider sind solche „Experten“ keine Ausnahmen, wie z. B. in den unten angefügten Links nochmal deutlich wird.
Sicher haben also viele Kolleginnen und Kollegen meine Solidarität. Aber bestimmt nicht alle.
Mit Hunden allerdings solidarisiere ich mich uneingeschränkt…

 

 

Weitere Texte, die sich mit „merkwürdigen“ Hundetrainern beschäftigen:



Freitag, 16. Januar 2015

Fuchsbandwurm und Räude – plötzlich eine Gefahr für Hunde?

Wenn man sich intensiv mit dem Verhältnis von Menschen zu Tieren beschäftigt, sei es nun aus privatem Interesse oder auch beruflich, kann man eine gewisse Entwicklung beobachten. In den letzten Jahrzehnten, und besonders in den letzten Jahren, werden einige Tiere, und hier im Speziellen der Hund, immer mehr zu reinen Sozialpartnern für die Menschen. Früher ein Nutztier, zwar mit größerer Nähe und engerem sozialen Kontakt zum Menschen als andere Tiere, aber meist ein pragmatischer Helfer bei der täglichen Arbeit oder zum Schutz von Haus und Hof. Heute ist das Verhältnis zum Hund wesentlich weniger pragmatisch, sondern vielmehr emotional. Diese emotionale Nähe zu Tieren, die Akzeptanz vom reinen nutzbringenden Lebewesen hin zum Freund und Partner, hinterlässt natürlich Spuren in dem gesamten Verhältnis einer Gesellschaft zu den Tieren, die auch ein Teil der Gesellschaft sind. So wird heute in Deutschland z. B. zunehmend mehr darauf geachtet, dass man Tieren keinen körperlichen und seelischen Schaden zufügt, dass man Leid von ihnen abwendet und man ihre Bedürfnisse stärker berücksichtigt als früher. Zwar gibt es immer noch Massentierhaltung, immer noch „nutzen“ wir Tiere als Fleischlieferanten, und immer noch gibt es Menschen, die ihren Sozialpartner Hund unterdrücken und mit Gewalt zu einem „funktionierenden“ Roboter „erziehen“. Natürlich gibt es das alles noch, aber im Grunde wird heute viel mehr darauf geachtet, wie mit Lebewesen umgegangen wird und warum man sich so oder so gegenüber Tieren verhält. Das Verhalten von menschlichen Gruppierungen wird eher hinterfragt und nicht mehr so einfach hingenommen, wie noch vor 10 oder 20 Jahren. So auch das Verhalten der Gruppierung der Jäger. Ich möchte an dieser Stelle keine Vorurteile bemühen oder Ressentiments gegenüber Jägern schüren. Wenn man sich aber mit Wildtieren und deren öffentlicher Wahrnehmung intensiv beschäftigt, liegt eine Vermutung nahe: Dass die Menschen, die von der Bevölkerung für Experten gehalten werden, die man fragt, wenn man Auskünfte über die heimische Fauna bekommen möchte, die öffentliche Meinung beeinflussen können. Und weil Mitglieder der Bevölkerungsgruppe der Jäger immer noch als Ansprechpartner und Experten für Wildtierfragen gelten, werden sie gern um Rat gefragt. Was aus meiner persönlichen Erfahrung nicht unbedingt der beste Weg ist, um etwas über Verhalten und Populationsentwicklungen heimischer Wildtiere zu erfahren. Jäger, oder besser die „Jägerschaft“ als soziale Gruppe, handeln eigentlich immer eher zum Nutzen der eigenen Interessen und zum Nutzen der Gruppe. Daher wäre es eigentlich zu empfehlen, sich bei Fragen rund um die heimische Tierwelt an jemanden zu wenden, der neutraler aber auch weniger ideologisch geprägt ist als die große Mehrheit der Jägerschaft. Aber das nur am Rande…
 
Fehlinformationen?
Fakt ist jedenfalls, dass die Jägerschaft einen entscheidenden Einfluss auf das Bild unterschiedlicher Tiere in der Bevölkerung nimmt. So wird der Fuchs immer noch gnadenlos in den meisten Bundesländern gejagt, ohne einheitlich geregelte Schonzeiten. Dabei gilt es bei Wissenschaftlern, die sich intensiv mit dem Fuchs, seinem Verhalten und seiner Populationsdynamik beschäftigen, heute eigentlich als erwiesen, dass die Fuchsbejagung wie sie heute in Deutschland ausgeführt wird keinen regulierenden Effekt auf die Populationen hat. Im Gegenteil sogar – die Abschüsse verursachen ein Chaos in den sozialen Strukturen der Fuchsfamilien, was eine erhöhte Reproduktionsrate zur Folge hat = umso mehr Füchse werden geboren. Das hat etwas mit dem angeborenen Drang der Füchse nach einem geordneten Revier zu tun, in dem sich nur so viele Individuen der eigenen Art aufhalten können, wie es die Nahrungsressourcen erlauben. Die Reviere sind also niemals „überbevölkert“, es gibt niemals so viele Füchse in einem Revier, dass diese zum Ausrotten einer Tierart beitragen könnte. Wird Nahrung knapp, werden Familienmitglieder, die alt genug sind und sich selbst versorgen können, aus dem Familienterritorium vertrieben. So können sich Beutetierpopulationen wieder erholen usw. 
Füchse und Beutetiere passen sich also an, es konnte noch nie nachgewiesen werden, dass Füchse ursächlich für das Aussterben einer anderen Art verantwortlich gemacht werden können.
Menschen müssen auch keine Wölfe ersetzen, die früher angeblich Füchse reduzierten, indem sie diese als Nahrungsquelle nutzten. Füchse sind selbst Beutegreifer, die ganz oben in der Nahrungskette stehen. Zum Beutetier für Wölfe werden sie nur in absoluten Ausnahmesituationen, im Allgemeinen gehen sich diese Wildhundarten aus dem Weg. Das kann überall dort beobachtet werden, wo Fuchs und Wolf sich den Lebensraum teilen. Auch in Deutschland gibt es inzwischen Analysen aus der Lausitz, wo Wolf und Fuchs „zusammenleben“. Der Fuchs gehört definitiv nicht auf den regulären Speiseplan der Wölfe, also muss der Mensch auch nicht „den Wolf“ ersetzen, um in wolfsfreien Gebieten die Fuchspopulation zu regulieren.
Tollwut mit untergeordneter Rolle bei Regulation
Vergessen dürfen wir hier auch nicht die Argumentationen der Jäger bezüglich der Tollwut. Zum Einen wird die Tollwut wieder als regulierenden Faktor der Fuchsbestände genannt, und weil es heute praktisch keine Tollwut mehr in Deutschland gibt, wird wieder die vermeintliche Notwendigkeit der Fuchsabschüsse bemüht. Aber, wie bereits erwähnt, regulieren sich Füchse in erster Linie über das Reviersystem. Die Tollwut spielte da immer schon eine eher untergeordnete Rolle, wie auch eine Studie aus Großbritannien eindeutig belegt. Die Universität von Bristol hat mit Heerscharen von Helfern eine Studie durchgeführt, die Fuchszählungen in bestimmten Arealen über ganz England verteilt vorgenommen hatten. Dort wurden Kothaufen von Füchsen gezählt. Diese Resultate kombinierten die Forscher mit Schätzungen und experimentellen Daten zur Zahl der von einem Rotfuchs täglich abgesetzten Kothaufen und dem Anteil der Haufen, der bei Feldstudien entdeckt wird. Das Interessante dieser Studie war, dass in diesen Zeitraum ein ganzes Jahr fiel, in dem die Fuchsjagd in England auf Grund der Maul –und Klauenseuche komplett verboten war. Und wie war das Resultat? Die Zahl der Füchse veränderte sich praktisch nicht, auch nicht in dem Jahr, als sie nicht getötet werden durften. Und man bedenke – in England gibt es keine Tollwut.
Tollwut in Deutschland selten
Zum Anderen wird im Zusammenhang mit der Tollwut aber auch immer die Gefahr für den Menschen genannt. Nun, natürlich ist die Tollwut eine überaus ernste Erkrankung, die aber in Deutschland praktisch nicht mehr vorkommt. Seit man die Tollwut nicht mehr durch sinnloses Töten von Füchsen bekämpft, sondern diese mit Impfködern gegen diese Viruserkrankung immunisiert, ist es gelungen, die Tollwutfälle in Deutschland praktisch auf Null zu reduzieren. Mit Impfköderaktionen wohlbemerkt, nicht durch gnadenlose Jagd…
Die Argumente der Jäger bezüglich einer unkontrollierten Vermehrung der Füchse und somit der Bedrohung für andere Tierarten und auch den Menschen sind also nach neuesten Erkenntnissen nicht haltbar. Klar, der Fuchs holt sich „seinen Anteil“ an Hasen und Fasanen – den Anteil, den die Jäger weniger schießen können. Dass den Argumenten der Jägerschaft zur Fuchsjagd daher wohl eher ein Konkurrenzgedanke zugrundeliegt, ist naheliegend…
Die Argumente Tollwut und unkontrollierte Vermehrung als Gründe für eine Fuchsbejagung stehen also auf einem wackeligen Fundament, welches von der Wissenschaft, aber auch von gut informierten Teilen der Bevölkerung, angezweifelt wird. Da ist es dann schon auffällig, dass plötzlich neue Argumente zur Notwendigkeit der Fuchsbejagung auftauchen. Eines dieser relativ häufig zu hörenden Argumente ist ,jetzt aber auch schon wieder seit einigen Jahren, die Gefahr durch den Fuchsbandwurm.
Fuchsbandwurm
Der Kleine Fuchsbandwurm (Echninokokkus multilocularis) ist ein Tierparasit, dessen Endwirt der Fuchs ist. Im Dünndarm des infizierten Fuchses können sich Tausende dieser Parasiten aufhalten, deren Eier mit dem Kot ausgeschieden werden. Menschen kommen dann in Gefahr, wenn sie diese Bandwurmeier oral aufnehmen. Die Larven setzen sich in den Organen, vor allem der Leber, fest, und es kommt zu der Echinokokkose genannten und nach 10-15 Jahren oft mit dem Tod endenden Krankheit.
Die Echinokokkose wurde mit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes am 1. Januar 2001 meldepflichtig; daher liegen seitdem akkurate Zahlen über die Anzahl an Infektionen vor. Das dafür zuständige Robert-Koch-Institut in Berlin veröffentlicht die ausgewerteten und bestätigten Meldungen in den jeweiligen infektionsepidemiologischen Jahrbüchern. Demnach wurden seit dem Jahr 2001 bundesweit durchschnittlich 20 - 30 Fälle pro Jahr gemeldet.
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Hinzu kommt, dass vieles darauf hindeutet, dass diese Fälle fast ausschließlich Angehörige von „Risikogruppen“ sind – insbesondere Jäger, die Bandwurmeier oral aufnehmen, wenn sie einem erschossenen Fuchs das Fell über die Ohren ziehen. Gefährdet sind aber auch Hundehalter oder Menschen, die häufig mit Hunden arbeiten, die nicht regelmäßig entwurmt werden. Der Hund ist nämlich für den Parasiten ein ebenso guter Endwirt wie der Fuchs. Frisst ein Hund also häufig Mäuse, die als Zwischenwirt Träger und Überträger der Parasiten sind, kann er als Endwirt auch die Eier der Parasiten an Menschen weitergeben, was zur Erkrankung an Echinokokkose führen kann – allerdings erkranken Menschen mit einem gesunden Immunsystem nur sehr selten, da die Bandwurmeier in dem Fall kaum eine Überlebenschance haben.
Die Gefahr, an Echinokokkose zu sterben, ist also äußerst gering - außerhalb der Risikogruppen praktisch null. Gewitter, Autos, fallende Ziegelsteine oder Unfälle im Haushalt sind da weitaus gefährlicher.
Bandwurmbekämpfung
Vielerorts hat man versucht, die Befallsrate von Rotfüchsen mit dem Fuchsbandwurm durch verstärkte Fuchsjagd zu reduzieren. Bis heute gibt es aber keinen einzigen Fall, in dem diese Maßnahmen von Erfolg gekrönt waren.
Mittel der Wahl sind heutzutage Entwurmungsköder, die den Füchsen eine orale Wurmkur verabreichen. In Studien im Raum Göppingen (Deutschland) konnte die hohe Effizienz dieser Methode nachgewiesen werden. 
Selbstschutz vor Bandwürmern
Da der Fuchsbandwurm wie erwähnt auch durch den Haushund übertragen werden kann, ist es unabdingbar, dass Hunde regelmäßig entwurmt werden – aus reiner Verantwortung sich selbst und seiner Umwelt gegenüber.
Tot aufgefundene Füchse sollten sicherheitshalber nicht angefasst werden, Grashalme sollte man nicht in den Mund nehmen. Wenn man überdies frisch gepflückte Beeren und Waldfrüchte aus Bodennähe mit Wasser abspült, kann eigentlich nichts passieren.
Man kann also zusammenfassend zum Fuchsbandwurm sagen, dass die reale Gefahr, die vom Fuchsbandwurm ausgeht, relativ gering ist – und so ein weiteres Argument der Jägerschaft bezüglich der Fuchsbejagung an Boden verliert…
…und so den Weg für ein Argument frei macht, welches in dem Zusammenhang früher eher selten genannt wurde, heute aber medial immer mehr Beachtung findet: Die Räude.
Räude
Räude ist eine durch Parasiten ausgelöste Krankheit der Haut. Beim Haushund sind zwei verschiedene Räudemilben für die Krankheit verantwortlich. Die Demodexmilbe, die in Haarfollikeln lebt, und die Sarkoptesmilbe, die unter der Hautoberfläche zu finden ist.
Die Demodexmilbe lebt auf allen Hunden (und einigen Menschen) und führt eigentlich nur zu Problemen, wenn das Immunsystem des Wirts geschwächt oder noch nicht richtig entwickelt ist. Die durch Demodexmilbe ausgelöste Räude tritt daher häufig bei jungen Hunden bis ca. 18 Monate auf. Erwachsene Hunde mit dieser Krankheit haben meist ein geschädigtes Immunsystem, oft auch aufgrund von unzureichender Ernährung. Symptome der Krankheit sind Stellen mit Haarverlust sowie gelegentliches Kratzen. Man kann die Demodexräude mit lokalen Mitteln auf den betroffenen Stellen sowie mit speziellen Shampoos und Bädern behandeln; in seltenen Fällen wird eine antibiotischen Behandlung notwendig, wenn Hautinfektionen vorliegen. Generell ist diese Form der Räude jedoch erfolgreich zu behandeln. Da die Demodexmilbe auf jedem Hunde lebt, ist die Demodexräude keine ansteckende Krankheit und wird folglich auch nicht vom Fuchs auf den Hund übertragen.
Anders sieht es bei der Räude aus, die durch die Sarkoptesmilbe ausgelöst wird, der Sarkoptesräude, welche ansteckend ist. In erster Linie werden die Milben dieser Räude durch direkten Kontakt von Tier zu Tier übertragen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Milben vom Wirtstier abfallen und so von einem Hund, der z. B. in einen Bau eindringt, aufgenommen werden. Sarkoptesmilben treten bei Wildtieren wie dem Fuchs auf, genauso wie bei Wölfen, Kojoten, Bären oder aber auch Luchsen. Auch Schalenwild ist manchmal betroffen, wenn auch seltener. Unter Wildtierpopulationen kann diese Räude wegen ihrer hohen Ansteckungsrate innerhalb einer Gruppe sozialer Tiere mit engem Kontakt die Bestände stark dezimieren. Geschwächte Wildtiere, die in einem schlechten Ernährungszustand sind, fallen der Räude zum Opfer.
Bei Haushunden ist die Heilungschance beim Ausbruch der Sarkoptesräude im Allgemeinen sehr gut. Eine große Zahl von verfügbaren Medikamenten in Form von z. B. Spülungen oder Spot-on-Präparaten helfen zuverlässig. Man bemerkt die Sarkoptesräude beim Hund, wenn dieser sich stark beißt und leckt und ihm dadurch vor allem an den Beinen und am Bauch die Haare ausgehen. Bei diesen Anzeichen sollte man den Tierarzt aufsuchen, der, wie bereits erwähnt, in dem meisten Fällen zuverlässig helfen kann. Ernstzunehmende Schwierigkeiten bekommen, ähnlich wie bei der Demodexräude, nur Hunde mit einem geschädigten Immunsystem.
Auch für den Menschen stellt die Räude keine ernsthafte Gefahr dar. Zwar können gelegentlich, aber sehr selten, Menschen infiziert werden. Da der Mensch aber nur Nebenwirt ist, können sich die Milben nicht lange auf ihm halten und sterben meist spontan ab. Allerdings können bis dahin starker Juckreiz und ein Hautausschlag entstehen, der vom Arzt gelindert werden kann. Um diesen Juckreiz und Hautausschlag zu vermeiden, sollte man keine toten Wildtiere ohne Handschuhe anfassen.
Abschließend kann man also festhalten, dass die Gefahren durch Fuchsbandwurm und auch durch die Räude wesentlich geringer für Mensch und Hund sind als es uns heute teilweise von den Medien suggeriert wird, die ihre Auskünfte von der Jägerlobby beziehen. Einer Lobby, die sich in der heutigen Zeit neue Argumente suchen muss, um das Verhalten ihrer Klientel weiterhin zu rechtfertigen. Da müssen dann auch mal die Räudemilben herhalten – die es zwar immer schon gab, aber heute einfach mehr in den Focus gerückt werden. Kleinstlebewesen als großes Argument? Wohl eher nicht; sachlich betrachtet kann man die Größe der Gefahr für Mensch und Hund durch Milben durchaus mit deren Körpergröße vergleichen…

 Quellen:

·         Buch „Hundeartige, von Thomas Riepe, animal learn Verlag, 2008“

·         Buch „Füchse, unseren heimlichen Nachbarn – Thomas Riepe, Wagner Verlag, 2006“


·         Artikel Hundemagazin WUFF 2/2006 – Fuchs, du hast mein Herz gestohlen

·         Studie der Universität Bristol zu Fuchspopulationen, Veröffentlichungen im Magazin “Nature” 2002 und “Journal of Applied Ecology” 2004.

·         Zum Fuchsbandwurm: Verbraucherministerium.de, medizin-links.de, Tierärzteverband.de, Echinokokkoseregister Ulm.



·         Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe, Artikel Räude beim Rotfuchs in Baden-Würtemberg, 2004

·         Sarkoptesräude, Dr. med. vet. Löwenstein, www.hauttierarzt.de/lexikon/sarkoptesraeude

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