Sonntag, 25. Mai 2014

Darf ich Hunde allein halten? Oder brauchen sie ein „Hunderudel“ um sich wohl zu fühlen?

In ihrem Buch „Hunde“ (animal learn Verlag, 2001) schreiben die Biologen Ray und Lorna Coppinger, die frei lebende Dorfhunde auf der afrikanischen Insel Pempa beobachtet haben, folgende Zeilen:
„Die meisten Hunde auf Pemba leben allein oder in sehr kleinen Gruppen mit maximal drei Tieren. Wenn man drei Hunde miteinander sieht, haben sie oft dieselbe Farbe. Das ist vermutlich ein Hinweis darauf, dass es sich um ein Muttertier mit Nachkommen oder sonst genetisch verwandte Exemplare handelt.“
Straßenhunde haben allein bessere Aussichten,
Nahrung abzustauben
Und etwas weiter schreiben die Autoren im demselben Buch: „Im Gegensatz zu den weit verbreiteten Vorstellungen zeigen Hunde überall auf der Welt kein (oder nur sehr selten) „Rudel“verhalten“.
Große Hundegruppen ungewöhnlich


Hunde zeigen kein (oder nur selten) Rudelverhalten? Ja, ich kann den Aussagen der Coppingers in dem Punkt absolut zustimmen. Auch ich habe mir selbstbestimmt lebende Straßenhunde angeschaut. Und vor allem in der so genannten „dritten Welt“, wo Hunde wirklich komplett selbstbestimmt, aber trotzdem bei und unter dem Menschen leben, findet man nur sehr selten Hunderudel, wie wir uns das immer wieder vorstellen. So habe ich in Indien und Tansania feststellen können, dass die dortigen Straßenhunde fast immer allein leben. Zwar treffen sich Hunde an „Futterstellen“ (Müllplätze etc.) und streiten sich dann auch mal um Nahrung. Das sind aber keine Rangkämpfe, sondern Einzelauseinandersetzungen um eben ein besonders gutes Futter. Hunde, die dort aufeinandertreffen, gehen hinterher ihrer Wege und leben und schlafen an ihren eigenen, von anderen Hunden getrennten Plätzen. Wenn man mal wirklich Hunde gemeinsam sieht, ist das also meist an Futterplätzen. Aber diese Hunde als Rudel zu bezeichnen wäre so, als wenn man die Menschen, die zufällig gerade in einem Restaurant sind, als Bande bezeichnen würde. Und ein kurzes Gedränge am Buffet als Rangkampf ;-)  

Hunde untereinander eher Konkurrenten

Hunde sind Meister der Anpassung. Darum gibt es auch durchaus Gruppenbildungen, vor allem, wenn es  um feste Fütterungsplätze geht. Wie es Günther Bloch in „Pizzahunde“ (Kosmos, 2007) durch Beobachtungen an verwilderten Haushunden in Italien beschreibt. Die Hunde wurden dort an festen Futterplätzen regelmäßig gefüttert. Im Umfeld der Futterplätze bildeten sich Gruppen heraus.

Wenn allerdings nicht gefüttert wird und das Individuum komplett selbst für seine Versorgung zuständig ist, sind die größten Feinde die Artgenossen. Artgenossen haben die gleichen Bedürfnisse wie man selbst, also benötigen sie die gleichen Ressourcen. Sind diese nur begrenzt vorhanden ist der andere Hund der Konkurrent, der Feind. Straßenhunde kommen daher allein besser zurecht, kleine Nahrungsquellen reichen für ein oder wenige Individuen. Große Rudel mit Nahrung zu versorgen ist viel schwieriger, deswegen leben komplett selbstbestimmte Hunde meist allein. Rudel, wie wir uns das immer vorstellen, habe ich weder in Afrika noch Asien – und auch nicht in Südeuropa, häufig sehen können. Wie gesagt, mehrere Hunde trifft man da an, wo es Nahrung gibt, und dort wird sich teilweise um die Nahrung mit Fremden gestritten, ohne dass die Hunde zueinander gehören. Und ähnlich wie die Coppingers konnte ich manchmal kleinste Gruppe mit zwei oder drei Tieren sehen, die sich sehr ähnlich waren. Vermutlich Geschwister. Richtige Rudel nach menschlicher Vorstellung sind für frei bestimmende Hunde eher ungewöhnlich. Was auch die Absurdität diverser Modeerscheinungen deutlich macht. Wie können Hunde, die eigentlich von Natur aus mehrheitlich nicht mit Artgenossen  in einem sozialen Verband zusammenleben, angeborene „Rudelstellungen“ haben?

Zeitlich begrenzte Familiengruppen ohne Vater

Hündinnen sind meist auf sich selbst gestellt
Hunde sind für Hunde also eher Konkurrenten um Nahrung. Ab und zu braucht man Artgenossen zwar zur Arterhaltung und hat zu verwandten Tieren auch manchmal zeitlich begrenzt ein enges, soziales Verhältnis. Bei der Arterhaltung sind Hunde übrigens, anders als der Wolf, weniger monogam. Während ein Wolfsrüde und eine Wölfin meist eine langjährige Zweiergemeinschaft bilden und sich dazu immer wieder für einen gewissen Zeitraum Welpen „gesellen“, ziehen sich selbst überlassene Hündinnen den Nachwuchs meist allein groß.
Insgesamt kann man sagen, dass Hunde, wenn Menschen sich nicht einmischen, zwar in der Nachbarschaft von anderen Hunden leben, aber das Leben weitgehend solitär gestalten. Die menschliche Vorstellung von durchorganisierten Hunderudeln kann man bei nüchterner Betrachtung nicht pauschal (!) bestätigen.
Menschen sind keine Konkurrenten
Hunde sehen andere Hunde zwar im Grunde als Konkurrenten, sobald sie sich aber gegenseitig genügend Distanz eingestehen und es zu keinen direkten Begegnungen um wichtige Ressourcen geht, sind Hunde durchaus in der Lage andere Hunde im weiteren Umfeld zu dulden. Menschen dagegen werden sogar gezielt aufgesucht und nicht als Konkurrenten betrachtet. Das kann man damit begründen, dass Hunde im Laufe der gemeinsamen Geschichte mit Menschen gelernt haben, dass diese eher für Nahrung sorgen (Reste, Müll), als diese dem Hund streitig zu machen. Hunde und Menschen haben daher naturbedingt ein völlig anderes Verhältnis zueinander, als es Hunde untereinander haben. 
Menschen und Hund können keine Rudel bilden
Das ist ein ganz wichtiger Gesichtspunkt, wenn man immer wieder davon hört, dass man der Rudelführer sein soll etc. Mal davon abgesehen, dass Hunde insgesamt viel solitärer veranlagt sind, als man denkt. Das Verhältnis von Menschen und Hunden ist durch viele tausend Jahre gegenseitiger Anpassung ein ganz spezielles geworden. Aber dass die zwei unterschiedlichen Arten ein Rudel bilden, ist doch wieder einmal ein abenteuerlicher Gedanke.
Kann man Hunde also allein halten?
Aber zurück zum eigentlichen Thema. Kann man Hunde heute überhaupt noch einzeln halten. Natürlich kann man das! Zwar bin ich selbst ein Freund der Mehrhundehaltung. Man muss dann aber genau wissen, wie man das angeht – die Hunde müssen genügend Freiraum haben, dürfen nicht 24 Stunden auf engstem Raum zusammenhocken und man muss individuelle Eigenschaften einschätzen können und daraus resultierende Bedürfnisse individuelle befriedigen können. Es ist aber keinesfalls so, dass Hunde sich nur glücklich fühlen können, wenn mehrere Hunde in einem Haushalt leben. Man denke daran, wie selbstbestimmte Straßenhunde leben…
Freund der Mehrhundehaltung – Gegner von Rudelstellungen
Also, wenn man es gut und mit Verstand macht, ist Mehrhundehaltung in Ordnung (es ist auch das nächste Thema In „Riepes Hundetalk“) Aber niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, wenn er einen Hund solitär hält. Wenn man ihm ein oder zwei Hundekumpels gönnt, die er regelmäßig sieht und mit denen er einen stabilen sozialen Kontakt pflegen kann, ist das vollkommen in Ordnung. Und wenn man ihm beibringt, dass man anderen Hunden begegnen kann und das nicht schlimm ist (Hundebegegnungen also positiv gestaltet), dann ist alles in Ordnung.  

Abschließend noch einmal betont: Ich bin eigentlich ein Freund der Mehrhundehaltung, was durch die soziale Anpassungsfähigkeit (und Berücksichtigung individueller Eigenschaften) von Hunden auch machbar ist. Es ist aber überhaupt kein Problem, einen Hund allein zu halten. Niemand sollte sich verrückt machen lassen von irgendwelchen Rudelstellungstheorien, die leider heute viele Menschen dazu veranlassen, mehrere Hunde zu halten, auch wenn diese dann damit überfordert sind. Und das nur aufgrund einer Theorie, die nicht einmal im Ansatz nachgewiesen werden kann. Ganz im Gegenteil sogar – jeder Straßenhund dieser Welt lebt komplett anders, als es dort suggeriert wird.
Lassen Sie sich einfach nicht verrückt machen.

Freitag, 23. Mai 2014

Wenn der Hund nicht auch noch den Verkehr regelt...

Als ich damals anfing mit "Problemhunden" zu arbeiten, waren es meist Dinge wie Unsauberkeit, dass der Hund an der Leine zog oder Besucher nicht reinlassen wollte. Heute sind die Hundehalter anscheinend unzufrieden, wenn ihr Hund keiner alten Dame über die Straße hilft, wenn er nicht den Verkehr am Zebrastreifen regelt oder sich nicht für den Weltfrieden einsetzt. Mal so unter uns - Hunde sind keine Problemhunde, wenn sie nicht alles leisten können, was wir von ihnen verlangen. Wir sollten sie nicht ständig mit neuen Ideen, Aufgaben und Philosophien überfordern. Dann klappt es auch mit dem Weltfrieden - zumindest zwischen Mensch und Hund...

Freitag, 9. Mai 2014

Hunde halten mit Bauchgefühl

Trotz vieler Anfragen mache ich eigentlich keine Werbung in BLOG-Artikeln. Doch erlauben sie mir, heute einmal eine Ausnahme in eigener Sache zu machen. Mein neues Buch, welches ich zusammen mit meiner Kollegin Kathrin Schar geschrieben habe, ist ab sofort im Handel verfügbar. Der Grundtenor des Buches liegt mir nämlich besonders am Herzen: 
„Hunde halten mit Bauchgefühl“ (CADMOS Verlag, 2014)
Zurück zu einem intuitiven und entspannten Alltag mit dem Hund. Abseits von starren Philosophien…
Durch die von Menschen erfundenen Methoden und Philosophien entstehen nicht selten verwirrte Hunde, die dann durch die Verwirrung zu vermeintlichen Problemtieren werden, um dann als Folge mit einer neuen Methode therapiert zu werden… 
Den Hund kennenlernen und nicht die 10. Methode
Dabei wäre es manchmal viel einfacher, sich nur etwas mit dem Lebewesen Hund, seiner biologischen Herkunft, seiner Evolution und mit seinen natürlichen Verhaltensmustern auseinanderzusetzen. Anstatt die Schraube der „schnell helfenden Trainingsmethoden“, der als „artgerecht angepriesenen Philosophien“, immer weiter zu drehen - in manchmal schon absurde Bereiche. Bereiche, in denen selbst Hundeprofis bisweilen die Übersicht verlieren - der „normale


Hundehalter“ aber maßlos überfordert und verwirrt wird. Ich möchte hier gar nicht auf einzelne Philosophien, Erziehungsmethoden oder sogar namentlich auf Kollegen eingehen. Kollegenschelte und Verriss findet man inzwischen in einem ähnlichen Ausmaß, wie die Methoden selbst. Auch mit den Gründen für die Meinungsvielfalt innerhalb der Menschenszene rund um die Hunde möchte ich mich nicht zu lange aufhalten. Allerdings kann ich meine persönlichen Eindrücke nicht verschweigen, die die Gründe erahnen lassen. Während Mensch und Hund viele Jahrtausende eine wohl mehr oder weniger unproblematische Gemeinschaft bildeten, zeigen sich gravierende Probleme erst, seit der Mensch den Hund zum willenlosen Roboter degradieren möchte. Zunächst, mit Beginn der Rassezucht nach unserem heutigen Verständnis vor ca. 150 bis 200 Jahren, waren nur Hunde spezieller Rassen von diesem „Zwang zu funktionieren“ betroffen. Seit Beginn des dritten Jahrtausends scheinen die Menschen allerdings zu glauben, Hunde wären plötzlich aufgetauchte, völlig fremde Lebewesen, die mit aller Macht und allen Mitteln kontrolliert werden müssten. Und seither werden die Probleme mehr und mehr. Sicher sind daran eher die Entwicklungen der menschlichen Gesellschaft schuld, als die Hunde. Aber das müssen die Menschen erst einmal einsehen. Und sie müssen anscheinend wieder lernen, dass ein entkrampfter, ein entspannter und „natürlicher“ Umgang mit dem Hund oft eine bessere Lebensqualität für Mensch und Hund nach sich zieht, als der Versuch, den Hund in einer vermeintlich perfekt organisierten Umwelt zu einem perfekt trainierten Roboter zu degradieren.
Orientierung im Meinungsdschungel
Um den Hundehaltern etwas Orientierung in dem Dschungel der Philosophien, Weisheiten, Tipps und Ratschläge zu geben, habe ich mich mit meiner Kollegin Kathrin Schar zusammengesetzt und dieses Buch geschrieben. Ein Buch, welches Ihnen mit verständlichen Worten die wichtigsten Grundlagen im Umgang mit dem Hund vermitteln soll. Die Herkunft des Hundes, seine Bedürfnisse und die Gründe für sein Verhalten sollen Ihnen näher gebracht werden, ohne eine weitere „einmalige Trainingsmethode“ zu propagieren. Das Hauptziel des Buchs ist, den Hundehalter zu entspannen, ihm den Druck der gesellschaftlich aufgebürdeten Verwirrung zu nehmen. Und den Hund so kennen zu lernen, wie er wirklich ist. Als Leser werden Sie an einigen Stellen sicher überrascht sein, wie unkompliziert das Zusammenleben mit einem Hund sein kann. Wenn man sich nur darauf einlässt, zurück zum Hund zu finden. Und sich vom Gedanken an den Roboter wegbewegt…

Mittwoch, 7. Mai 2014

Mensch, Hund, Kommunikation

In der Kommunikation zwischen Mensch und Hund ist es wichtig, dass ein verantwortungsvoller Halter lernt, so viele körpersprachliche Signale seines Hundes wie möglich zu verstehen. Hierzu ist zunächst einmal wichtig, diesen gut und unvoreingenommen zu beobachten, zusätzlich kann man Fachbücher lesen, Seminare besuchen, Lehrvideos anschauen usw. – zur Körpersprache, am besten Philosophiefrei.

Unvoreingenommen?
Die unvoreingenommene Beobachtung betone ich deshalb ausdrücklich, weil es leider immer wieder vorkommt, dass der Blick des Beobachters durch eigene Interpretationen oder durch von anderen vorgefasste Meinungen getrübt ist. Nehmen wir als Beispiel einen wichtigen Teil des Ausdrucksverhaltens der Hundeartigen, die Beschwichtigungssignale. Sie wurden von der Norwegerin Turid Rugaas gründlich erforscht, ihre Ergebnisse sorgten für Aufsehen in der ganzen Welt und eröffneten uns eine ganz neue Perspektive auf Verhaltensweisen, die früher völlig anderen Funktionskreisen zugeordnet worden waren.
Hund möchte deeskalieren und der Mensch sieht es als Provokation
Lassen Sie mich ein Beispiel geben: Ein Halter ruft seinen Hund und dieser setzt sich erst nach mehrmaliger Aufforderung in Bewegung, da er stark abgelenkt war. Der Halter, der durch diese Verzögerung ungeduldig wurde, ruft den Hund nun strenger und nimmt dabei auch eine leicht bedrohliche Körperhaltung ein – worauf der Hund sein Tempo beim Herankommen reduziert, am Boden schnüffelt und einen Bogen einschlägt. Der Halter wird nun wirklich ärgerlich, weil er das Verhalten seines Hundes als Provokation versteht. Er glaubt, der Hund zeige es, um ihn zu ärgern und seine Anweisung in Frage zu stellen. Deshalb wird er nun noch strenger und droht dem Hund, wenn er jetzt nicht sofort herankommt... was der Hund mit beinahiger Bewegungslosigkeit quittiert. So schaukelt sich die Situation hoch, nur weil die körpersprachlichen Signale des Hundes falsch gedeutet wurden. Er zeigt sie nicht, um zu provozieren, sondern ganz im Gegenteil, weil er sein Herrchen beschwichtigen will. Und je mehr dieser droht, je stärker beschwichtigt er. Würde der Hund für sein Trödeln nun auch noch bestraft, würde man ihn dafür strafen, dass er sich deeskalierend verhält, was ein fataler Fehler wäre.
Ein knurrender Hund spricht mit uns
Ein anderes, häufig missverstandenes Kommunikationssignal des Hundes ist das Knurren. Viele Menschen glauben noch immer, ein knurrender Hund sei aggressiv und generell sei es einem Hund nicht erlaubt, einen Menschen anzuknurren, weshalb er bestraft werden müsse, wenn er dies tut. Dabei ist Knurren nichts weiter als eine Mitteilung, dass der Kommunikationspartner die Handlung, die er gerade ausführt, unterlassen soll. Häufig wird das Knurren zum Beispiel eingesetzt, wenn sich der Hund durch uns bedroht fühlt und er einfach nur wieder mehr Distanz zwischen sich und den Menschen bringen will, den er fürchtet. Zusätzlich kommt es auch noch darauf an, wie er knurrt bzw. droht – Hunde können defensiv drohen oder offensiv, was man am gesamten Zusammenspiel von Körperhaltung, Mimik und Lautäußerung erkennen kann – und der Experte erkennen muss. Wird dem Hund das Knurren, also die Warnung, dass es ihm jetzt zu viel und/ oder zu eng wird durch Bestrafung abgewöhnt, hat er gelernt, nicht mehr zu warnen... was keine gute Sache ist, denn die Gefühle, die den Hund zum Knurren veranlasst haben, sind ja noch vorhanden. Sie werden nur so lange unterdrückt, wie der Hund es irgendwie aushält – und wenn er es nicht mehr kann, wird er nicht mehr warnen, sondern gleich auf Abwehr gehen. Das Fatale: Oftmals spricht der gleiche Mensch, der dem Hund das Knurren verboten hat, von „Hinterhältigkeit“, wenn der nicht mehr warnt, bevor er abschnappt. 
Schon diese beiden Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, zumindest die Grundlagen der hündischen Kommunikation zu verstehen. Nur so kann man der Situation angemessen reagieren und wirklich in Kommunikation mit dem Hund treten, was wiederum die Basis einer guten Bindung und von gegenseitigem Vertrauen ist. 
Menschen verstehen sich untereinander nicht einmal
Da Menschen einer Art angehören, sollte man annehmen, ihnen würde die Kommunikation untereinander leichter fallen, insbesondere, da sie zusätzlich zur Körpersprache, Mimik und einfachen Lautkommunikation noch eine komplexe Sprache entwickelt haben, die Sachverhalte auch sehr abstrakt darstellen kann. Ein Problem ergibt sich allerdings immer dann, wenn Sachverhalte von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet werden und wenn selbst die gleiche Sprache unterschiedlich verstanden bzw. angewendet wird. Unzählige Beispiele hierfür finden Sie bei Politikern, die sehr unterschiedliche Vorstellungen von Begriffen wie Wahrheit, Demokratie, Finanzstabilität usw. haben, bei Handwerkern, die zum Beispiel beim Begriff Qualitätssicherung unter Umständen von völlig verschiedenen Sachverhalten ausgehen und dies erst bemerken, wenn der Schadensfall eintritt oder eben in der Hundefachwelt, wenn Begriffe wie Dominanz, Rangordnung, Fehlverhalten usw. diskutiert werden. Die unterschiedlichen Interpretationen dieser Begriffe führen zu teilweise extrem unterschiedlichen Ideen darüber, wie Hunde gehalten und ausgebildet werden sollten. Und hier genau liegt das Problem. Wer hat mit seiner Anschauung recht? Wer bietet dem Hund ein möglichst artgerechtes und schönes Leben? Jeder wird sagen: „Ich!“ Während der andere sagt: „Stimmt doch gar nicht, denn Du machst dies und das und jenes, was für den Hund ganz schlimm ist!“ Und schon ist die Grundlage für ein endloses Streitgespräch gelegt, das in der Regel zu keinem Ergebnis führt, denn jeder will recht behalten und beharrt deshalb auf seinem Standpunkt.
Wenn Sie als Hundehalter mit Experten „kommunizieren“
Dem  aufgrund von  Interpretations- und Informationsüberfluss verwirrten Hundehalter bleibt meist nur, sich erstens selbst ein gewisses Fachwissen anzueignen und zweitens nach einem Trainer zu suchen, der seiner eigenen Meinung, Weltanschauung und seinem Empfinden Tieren gegenüber möglichst nahe kommt. Ein gutes Wort, um hier Klarheit zu bekommen, ist das Wort „gewaltfrei“. Machen Sie sich als Hundehalter zunächst einmal selbst Gedanken darüber, was genau das für sie bedeutet und führen Sie dann Gespräche mit Trainern, was die darunter verstehen. Sie werden überrascht sein, wie vielfältig die Antworten sein werden…
 
 

Trends rund um den Hund – Bedürfnisbefriedigung für Menschen

Der Mensch ist ein merkwürdiges Lebewesen. Er strebt immer danach, sich von anderen Menschen abzusetzen, ein einmaliges und besonderes E...