Samstag, 20. September 2014

Der konditionierte Entspannungshund

Kürzlich stand ich in einem nicht enden wollenden Stau. Auf einer Strecke, die ich unter normalen Umständen in maximal 1,5 Stunden bewältige, brauchte ich an diesem Tag über 3 Stunden. Besonders ärgerlich war es, dass ich auf dem Weg zum Flughafen war. Die Zeit wurde mehr als eng, meine Nervosität stieg, ich war überflutet von Stresshormonen, die meinen Körper in Alarmbereitschaft versetzen. Das ist im Prinzip der gleiche Zustand wie bei einem Kampf oder einer Flucht – man ist gereizt, schlechte Gefühle beherrschen einen. In der Situation habe ich dann an meine Hunde gedacht, habe Bilder von ihnen im Archiv meines Gehirns gesucht. Und was passierte? Ich wurde spürbar ruhiger, meine Aufregung und meine schlechten Gefühl senkten sich auf ein wesentlich niedrigeres Maß.
Blödsinn?
Was für ein Blödsinn, wird sich vermutlich jetzt mancher denken. Aber das ist eigentlich nur die Anwendung natürlicher Mechanismen. Im Grunde ist das ein bewusstes Beeinflussen meines Hormonhaushalts, der meine Aufregung in Stresssituationen und meine schlechten Gefühle bekämpft. Der sie mit guten Gefühlen bekämpft und verdrängt. Indem ich mir innerlich etwas vor Augen führe, was bei mir immer gute Gefühle hervorruft. Etwas was mein Gehirn mit guten Gefühlen verknüpft hat. Was in meinem Gehirn ganz unbewusst konditioniert wurde. Eine Entspannung durch Konditionierung – ganz unbewusst entstanden, aber bewusst eingesetzt.
Konditionierte Entspannung?
Ich könnte jetzt umständlich erläutern, was konditionieren in dem Fall bedeutet. Ich möchte allerdings nur in Ansätzen verständlich machen, warum meine Hunde mir auch helfen können, wenn sie gar nicht da sind. Also: wie schon erwähnt, wird unser Körper in Stresssituationen, in Situationen die wir bedrohlich oder unangenehm empfinden, mit Hormonen und Botenstoffen geflutet, die uns das entsprechende Gefühl vermitteln, wonach wir dann handeln. Angst, Furcht, Wut und andere unangenehme Gefühle werden dadurch hervorgerufen. Die Gefühle sind teilweise auch überlebenswichtig, weil man dadurch besser kämpfen, flüchten oder gefährliche Situationen vermeiden kann. Da diese Aufregung, dieser Alarmzustand den Körper aber stark belastet und man in dem Zustand auch nicht klar und rational denken kann (weil man auf die momentane Aufgabe fixiert ist, um sie zu bewältigen), sollten diese Gefühle, sollte dieser Zustand nicht zu lange andauern. Es gibt daher mehrere Möglichkeiten, den entstandenen Stress abzubauen, um schlechte Gefühle zu verdrängen. Ich möchte an dieser Stelle nur eine spezielle davon ansprechen. Die konditionierte Entspannung.
Oh Gott - Konditionierung
Das Wort Konditionierung ist heute teilweise negativ belegt. Das hat unterschiedliche Gründe. Zum Beispiel brauchen einigen Menschen eben Schlagworte, die sie negativ belegen um damit vernünftige Argumentationen umgehen können, aber auch fehlendes Wissen kaschieren möchten. Lassen Sie mich deswegen nur kurz erläutern, was konditionieren in diesem Fall bedeutet. Es ist ein Begriff aus einer der drei Lerntheorien, dem so genannten Behaviorismus, der versucht das Lernen von Lebewesen zu beschreiben. Das machen auch andere Theorien, hier wird aber speziell dieser Punkt beschrieben. Wie vorher erwähnt, will ich hier nicht zu tief in das Thema einsteigen. Wichtig ist nur zu wissen, dass in der behavioristischen Theorie die Verknüpfungen im Gehirn, die einen Reiz mit einer körperlichen Reaktion (hier meine Hundebilder und das gute Gefühl) als klassische Konditionierung beschreiben. 
Ein Wort führt zur Entspannung
"Entspannungshund" Koka
Wie funktioniert diese Konditionierung? Nun, lassen sie es mich zunächst andersherum erläutern. Wie ich diese Konditionierung nutzen kann, um meine Hunde zu entspannen. Wie gesagt, in diversen Situationen bestimmen Stoffe, die unser Körper selbst produziert, unsere Gefühlslage mit dem Ziel uns danach handeln zu lassen. Damit uns diese anstrengende Gefühlslage aber nicht zu lange belastet, gibt es auch Stoffe im Körper, die uns ein gutes Gefühl geben und somit die schlechten Gefühle bekämpfen. Einer dieser entspannend wirkenden Stoffe wird z. B. beim Streicheln produziert. Wenn ich dann beim Streicheln noch in gewissem Abstand ein bestimmtes Wort sage, wird dieses Wort im Gehirn mit dem Gefühl verknüpft. Es wird konditioniert. Was zu Folge hat, dass das gute Gefühl schon aufkommt, wenn nur das Wort erklingt. Das kann ich in der Hundeerziehung, in der Therapie etc. wunderbar nutzen. Wenn sich ein Hund z. B. bei Hundebegegnungen stark aufregt und nicht mehr ansprechbar ist, kann ich mit dem konditionierten Entspannungswort gute Gefühle in ihm hervorrufen, die seine Aufregung mildern und er wieder ansprechbar wird. Ich ihn aus der Situation rausbringen kann oder ein anderes Verhalten, ein Ersatzverhalten (ein Platz etc.) abrufen kann…
Das nur als Beispiel, wie und warum Gehirne Verknüpfungen erstellen, die angenehme Gefühle hervorrufen. Und unangenehme Gefühle zu bekämpfen.
Funktioniert auch mit Menschen oder Katzen
Und da es mir, wenn ich mit meinen Hunden zusammen bin, immer gut geht. Mein Gehirn bei Ihrem Anblick die Stoffe produziert, die mich wohl fühlen lassen. Sie unterbewusst als Auslöser von guten Emotionen verknüpft, konditioniert sind. Darum werden die Stoffe auch dann produziert, wenn ich nur an sie denke. Stoffe die entspannen, unangenehme Gefühle bekämpfen und verdrängen können. Und genau dieser Gedanke an meine „konditionierten Entspannungshunde“, ließ mich den am Anfang erwähnten Stau ertragen…
Natürlich funktioniert diese Form der Entspannung auch mit Menschen. Oder Katzen. Oder vielen anderen, individuell und angenehm verknüpften Dingen. Da dies aber ein Hundeblog ist, stehen meine Entspannungshunde im Vordergrund. 
In dem Sinne – wenn das Leben mal wieder stresst, einfach an angenehm konditionierte Dinge oder Lebewesen denken. Macht die Welt nicht besser, kann aber ungemein entspannend sein…


Mittwoch, 3. September 2014

„Das machen Hunde untereinander auch“ – Zeit für einen Klartext

Wenn Hundetrainer „robust“ mit Hunden umgehen, hört man immer wieder folgende Rechtfertigung: „Hunde gehen auch so miteinander um“. Ein Satz, benutzt von „Haudrauftypen“, die Hunde fast ausschließlich über unangenehme Konsequenzen konditionieren, das aber Kommunikation nennen. Menschen, die in seitenlangen Pamphleten Gewalt rechtfertigen, aber eigentlich simpelsten Radikalbehaviorismus leben und anwenden. Genau die behaupten, dass Hunde auch ständig „robust“ miteinander umgehen würden.

Robust miteinander bei unnatürlichem Leben
Nein, wenn wir mal das Spiel und Fortpflanzungsverhalten außen vor lassen, gehen Hunde in ihrem sozialen Verhalten nicht so miteinander um. Hunde gehen meist freundlich miteinander um, kontrollieren sich nicht ständig, reglementieren sich nicht ständig – und vor allem nicht ständig über Härte. So gehen nur Hunde miteinander um, die schlecht sozialisiert wurden, oder die so gehalten werden, dass zu viele von ihnen auf engstem Raum leben und/oder die sich nicht mögen. Sie sich nicht aus dem Weg gehen können, keinen eigenen Freiraum haben, nicht individuell beschäftigt werden. Sich faktisch 24 Stunden auf dem Fell sitzen – wie Menschen im Gefängnis oder in einem Fernsehcontainer. Da wird sich fast ausschließlich mit sozialem Geplänkel beschäftigt, Emotionen kochen leicht hoch, man ist leichter reizbar, „Mitinsassen“ gehen einem schneller auf die Nerven, Aggressionen werden häufiger gezeigt – der Lagerkoller breitet sich aus. Das hat nichts mit normalem Verhalten zu tun. Das ist den Umständen, der Haltung geschuldet.
Meist freundlich untereinander
Wenn Hunde Rückzugsmöglichkeiten haben, individueller Leben können – dann gehen sie in der Regel freundlich mit Artgenossen ihrer Gruppe um. Hunde gehen unter vernünftigen Haltungsbedingungen weit weniger robust miteinander um, als die „Haudrauf-konditionierenden-Radikalbehavioristen“ mit „Rechtfertigungsgequatsche für Gewalt“ wahr haben möchten. Nun gut, die glauben vermutlich auch, dass die Insassen eines Big Brother Containers sich so wie im normalen Leben verhalten. Vielleicht sollte man die mal einige Monate dort einsperren, damit sie nachempfinden können, wie sich Hunde fühlen, die oft viel zu eng zwangsvergesellschaftet sind. Und die können nicht sagen: „Ich bin ein Hund, holt mich hier raus!“

Kleine Pause

Klartext Hund macht Pause. Wegen vieler Projekte, die im Moment meine Aufmerksamkeit benötigen, mache ich eine kleine Pause bis Anfang nächs...