Freitag, 27. Oktober 2017

Kleine Pause

Klartext Hund macht Pause. Wegen vieler Projekte, die im Moment meine Aufmerksamkeit benötigen, mache ich eine kleine Pause bis Anfang nächsten Jahres. Keine Sorge, im neuen Jahr geht es wie gewohnt weiter. Aber in Sachen BLOG möchte ich 2017 schon einmal abschließen. Ich freue mich, Euch ab 2018 wieder als Leser begrüßen zu dürfen und auch mit neuen Themen rund um den Hund zu „versorgen“. Zum Abschluss dieses Jahres noch einmal ein Link zu dem Artikel, der für mich besonders wichtig ist:

http://klartexthund.blogspot.de/2016/09/wenn-der-traumatisierte-hund-endlich.html

Freitag, 8. September 2017

Trends rund um den Hund – Bedürfnisbefriedigung für Menschen


Der Mensch ist ein merkwürdiges Lebewesen. Er strebt immer danach, sich von anderen Menschen abzusetzen, ein einmaliges und besonderes Exemplar seiner Art zu sein. Das Streben nach Individualität und Besonderheit ist eine angeborene Eigenschaft, die mehr oder weniger stark ausgeprägt praktisch jeden Menschen kennzeichnet. Gleichzeitig möchten Menschen allerdings auch nicht allein sein und suchen sich in Ihrer gewünschten Einzigartigkeit immer Menschen, die gleichgesinnt sind und ihre Vorlieben teilen. Ein Widerspruch in sich? Natürlich – aber ich sagte ja bereits: Der Mensch ist ein merkwürdiges Lebewesen.
Erfolgreich durch Veränderung
Wenn man jedoch diesen scheinbaren Widerspruch betrachtet muss man sich fragen, welchen logischen und evolutionären Sinn diese ambivalente Eigenschaft haben könnte. Diese Vorliebe des Menschen nach Moden und Trends. Nun, sicher ist sie einer der Hauptgründe dafür, dass Menschen sich immer wieder hinterfragen, bestehende Sichtweisen und Umstände verwerfen und neue kreieren. Sich ständig neu erfinden und anpassen sind sicher Fundamente dafür, dass der Mensch eine so erfolgreiche Art ist.
Einzigartigkeit mit schnellem Verfallsdatum
Die Suche nach Einzigartigkeit und gleichzeitigem Wunsch von Gemeinsamkeit hat sicher grundlegenden Einfluss darauf, was wir sind und wie wir sind. Allerdings scheint es mir in der heutigen Zeit so, dass es immer schwieriger wird, einzigartig zu sein, weil es bereits „alles“ gibt. Und wenn mal etwas „neu“ erscheint wird es so schnell über die medialen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts verbreitet, dass es morgen schon wieder „alt“ ist. Mir persönlich drängt sich der Eindruck auf, als würden so oft und schnell neue „gemeinsam individuelle Wahrheiten“ geboren, dass die tatsächlich vernünftig und logisch erscheinenden Fortschritte des menschlichen Denkens und Handelns mit Höchstgeschwindigkeit rechts überholt würden. Kurz gesagt: Auf der Suche nach stündlich neuen, individuellen Wahrheiten haben auch unlogische Thesen und Theorien Platz. Hauptsache „neu“, „anders“, aber mit genügend Mitstreitern…

Hunde und Menschen mit schneller Trendfolge überfordert
Wenn es also fast täglich neue Trends rund um den Hund gibt, drängt sich mir der Verdacht auf, dass dabei nicht zwangsläufig das Wohl des Hundes im Vordergrund steht 😉

Wohl eher das menschliche Bedürfnis, sich und seine Welt immer wieder neu zu erfinden. Ein Bedürfnis des Menschen. Und obwohl wir viele biologische Gemeinsamkeiten mit anderen Säugetieren und auch Hunden haben. Dieses Bedürfnis ist wohl nur beim Menschen vorhanden. Wir sollten unsere Hunde nicht mit diesen Trends um sie nerven und überfordern. Wir sollten erstmal lernen, selbst mit unserem Bedürfnis auf der Suche nach Trends und absoluten Wahrheiten klarzukommen. Und nicht den Hund als Vehikel benutzen, das menschliche Bedürfnis nach Moden und Trends zu transportieren.

Samstag, 12. August 2017

Ein Hund ist kein Wolf? Ein Hund ist nicht einmal ein Hund…

Klar, es gibt Rasseeigenschaften, die bei den Individuen einer Rasse gleich, bzw. ähnlich sind. Die machen bei jedem Individuum aber nur einen Teil seines Wesens aus. Bei Hunden sind so viele Eigenschaften ihrer wilden Vorfahren verstärkt und / oder gehemmt worden, dass ein Überblick schwerfällt.


Eigenschaften unterschiedlich verstärkt
Vor allem, weil nicht alle Eigenschaften bei jeder Rasse gleich verstärkt wurden. Jagdverhalten wurde bei einigen Rasen bis ins Uferlose verstärkt, bei anderen abgeschwächt. So ist es mit vielen Verhaltensweisen. Und dann wurden Hunde mit so unterschiedlich verstärkten Verhaltensmustern gekreuzt, haben sich selbst vermischt und es geht immer so weiter – neue Rassen, die „Familientauglich“ sein sollen etc. Wir Menschen haben so viel am Verhalten des Wolfes herumgepfuscht, soviel davon vermischt, dass es im Grunde falsch ist, von DEM Hund zu sprechen.
Forschungen an DEM Hund?
Zwar forscht man sich im Moment im wahrsten Sinne des Wortes „den Wolf“ um den Hund zu verstehen. Das ist menschlich, wir brauchen Erklärungen, wir Kategorisieren unsere Umwelt. Das ist eine unserer Strategien, mit der Welt klarzukommen. Vielleicht ist das aber speziell auf den Hund bezogen die völlig falsche Strategie, um ihn zu verstehen. Es kann ihn, wie gesagt nämlich nicht geben. DEN Hund, DAS Hundeverhalten. Klar, wie auch schon erwähnt gibt es Rasseeigenschaften und einige „Grundmuster“ die in der Tierfamilie und speziell im Wolf begründet liegen. Aber durch unser Dauerrumpfuschen an den angeborenen Verhaltensweisen, ist die individuelle Bandbreite beim Hund dermaßen groß, wie bei wohl keiner anderen Tierart. Auch nicht beim Menschen. DER Hund existiert einfach nicht.
Pauschale Wahrheiten hinterfragen
Wir sollten daher vielleicht dazu übergehen, pauschale Einordnungen von Hunden, sowie pauschale Methoden und „Wahrheiten“ kritisch zu hinterfragen. Und uns auf etwas anderes konzentrieren. Auf den individuellen Hund. Wie wir das machen sollen? Individuell natürlich, nicht pauschal 😉

Hundesymposium


Ein sehr gutes Programm in diesem Jahr. Wirklich empfehlenswert. Ich versuche auch, zumindest einen Tag dort zu sein. Vielleicht eine gute Gelegenheit, "alte Bekannte" zu treffen 😊
http://www.animal-learn.de/symposium.html

Sonntag, 23. Juli 2017

Hundewissen kindgerecht


Es gibt einige Merkmale in der menschlichen Psyche, die typisch für die Spezies Mensch sind. Ein wichtiges Merkmal ist die Tatsache, dass Menschen den Erläuterungen, die sie zum ersten Mal zu einem Sachverhalt hören, viel Wahrheitsgehalt unterstellen. Es ist nicht die Faktenlage an sich, sondern die erstgehörte Erklärung, die bei Menschen zu einer festen Meinungsbildung beitragen. Das ist bei Erwachsenen so, aber speziell bei Kindern, die „Erstinformationen“ förmlich wie ein Schwamm aufsaugen. Darum ist es ungemein wichtig, dass Kindern auch über Hunde sachlich und fachlich wertvolle Informationen übermittelt werden. Denn leider ist es unter Erwachsenen, die vermeintliches Wissen über Hunde verbreiten oft so, dass sie das vorher genannte Phänomen in ihrer Kindheit erlebt haben. „Hunde müssen wissen, wer der Boss ist“, „sie machen alles unter sich aus“ etc. hat leider viele „Hundeexperten“ geprägt. Dass sich die wissenschaftlichen Informationen und Sichtweisen heute in sehr vielen Punkten völlig anders darstellen, erreicht sie nicht. Sie verbreiten ihre Ansichten weiter…
Pfötchen und Familie
…Oft leider auch an Kinder, diese „informationssaugenden Schwämme“ 😊 Es gibt aber inzwischen diverse Versuche und Projekte, den Kindern aktuelles und sachliches Wissen zu vermitteln. So gibt es seit einiger Zeit das Buch „Pfötchen und Familie“ vom Berufsverband der Hundepsychologen, welches Eltern und Kindern den Einstieg in ein gemeinsames Leben mit dem Hund fachlich und Unterhaltsam näherbringt.
Herr Lupus
Dann gibt es noch den „Herr Lupus“ Dreiteiler von Jutta Neuschäfer. In dem liebevoll geschriebenen und illustrierten Dreiteiler wird den kindlichen Lesern aus der Sicht des Straßenhundes „Herr Lupus“ die Hundewelt erläutert.
Über diese Bücher habe ich bereits berichtet und kann sie Eltern und Kindern nach wie vor ans Herz legen.
Für verschiedene Altersstufen
Zu diesen Projekten gesellt sich jetzt allerdings ein weiteres Buchprojekt, welches ich ebenfalls nur unterstützen kann und hoffe, dass es weite Verbreitung findet – damit Kinder die Möglichkeit haben, eine gute und differenzierte Wissensbasis über Hunde zu erlangen. Es handelt sich dabei um die Buchreihe
„VersteHen, StaUnen, TraiNieren, EntDecken“ von Aurea Verebes, Maria Rehberger und Andreas Baier, die im jungen Canimos Verlag erschienen ist.
https://www.canimos.de/shop/

Bei dieser dreiteiligen Buchreihe ist die Besonderheit, das sich jeder Band an einen anderen Altersstufenbereich wendet. Band 1 an Kinder zwischen 3 und 6, Band 2 an Kinder zwischen 7 und 11, sowie Band 3, wo Kinder ab 12 angesprochen werden. In allen drei Büchern wird anschaulich und spielerisch etwas zur Körpersprache des Hundes, zu Trainings, Spielen und zum allgemeinen Verständnis für Hunde vermittelt. Nur eben immer altersgerecht und verständlich für die Kinder der jeweiligen Altersgruppen. Schöne, einfach verständliche Illustrationen unterlegen die Wissensvermittlung im ersten Band für den kleinen Nachwuchs, um in den nächsten beiden Bänden um detailliertere Illustrationen, Fotos und Erläuterungen ergänzt und weiter fortgeführt zu werden. Die wirklich mit viel Liebe und Detailgenauigkeit gestalteten Bücher werden mit kleinen Aufgaben aufgefrischt und insgesamt so interessant gehalten, dass ich davon überzeugt bin, dass Kinder gern „bei der Stange“ bleiben und das jeweilige Buch ihrer Altersklasse lieben werden. Und natürlich darauf warten, älter zu werden, um den nächsten Band zu bekommen, der ihr Wissen vertieft 😊
Insgesamt ein empfehlenswertes Projekt für Kinder und Eltern. Aber auch für andere Erwachsene, die keine Kinder haben oder deren Kinder schon den Altersklassen entwachsen sind. Das differenziert und sachlich vermittelte Wissen ist für jede Altersklasse wichtig…




Das Halsband stiehlt dem Geschirr die Punkte


Ob man einen Hund am Geschirr oder Halsband führt, ist eine Frage, die oft in medizinisch-religiöse Philosophierangeleien führt. Eine medizinische Studie erschlägt die andere, soziale Wahrheitsblasen und Echoräume verhärten die Standpunkte. Das hat mit Gruppenzugehörigkeitsgefühlen und Gruppenmeinungen zu tun, so dass Meinungen schonmal echoraumkonform angepasst werden.
Ernstzunehmende Fakten, und erst recht anderslautende Meinungen als die im persönlichen Echoraum, werden schnell „abgebügelt“. Das läuft immer und überall, in allen Bereichen und in alle Richtungen. Das ist ganz normal für Menschen, sie wollen sich an etwas orientieren, Wahrheiten finden und sich zu Gruppen zugehörig fühlen. Das ist ein sozialer Kit, der den sozialen Menschen ausmacht. In der heutigen Zeit des Überangebots an sozialen Kontakten und Informationen wird es aber schwierig, den Überblick zu behalten und Informationen zu bewerten um sich eine Meinung daraus zu bilden. Da fällt es leichter, Gruppenmeinungen, Wahrheitsblasen und Echoräumen unreflektiert zu vertrauen. Es ist daher heute wichtiger denn je, dass man skeptisch bleibt und den Mut hat, auch mal anders zu denken als das Umfeld.
Diskussion andere Aspekte hinzufügen
Ich persönlich bin speziell in dem Fall der Frage ob Halsband oder Geschirr immer sehr skeptisch, ob die Diskussion darüber überhaupt in einer zielführenden Weise geführt wird. Natürlich sind medizinische Standpunkte und Studien dazu wichtig. Allerdings werden diese Studien in Betrachtungen und Kontextblindheit, sowie Kontextverschiebungen so sehr durch den Wolf gedreht, dass sie wiederum in jedem Echoraum eine andere Wahrheit verkörpern.
Ich persönlich habe das Geschirr schon immer aus einem komplett anderen Blickwinkel betrachtet. Vermutlich, weil meine erste Ausbildung vor gefühlt 100 Jahren im technischen Bereich war.
Kompetenzverteilung

Klar, wie gesagt sind medizinische Studien zu dem Thema wichtig. Aber die werden meist von Medizinern durchgeführt. Aber bei der Wirkung von Halsband oder Geschirr auf den Körper kommen noch andere Aspekte zum Tragen. Vor allem rein technische. Und Mediziner sind Mediziner und keine Techniker. Das Wissen einzelner Individuen oder einzelner Berufsgruppen ist begrenzt. Deshalb haben Menschen seit es geordnete Zivilisationen gibt, spezifische Fachkompetenzen entwickelt. Es gibt landwirtschaftliche Spezialisten, medizinische, handwerkliche, technische… Natürlich kann es Schnittmengen geben, aber manchmal sollte man durchaus mal andere Fachkompetenzen in Studien oder Überlegungen einbeziehen.
Mir fehlt bei der Diskussion um Geschirr vs. Halsband oft der klare technische Aspekt. In der Technik wird man immer, wenn die gleiche Last auf einen Körper wirkt, die Lastverteilung statt der Punktlast wählen. Einfach, weil die Last, verteilt auf mehrere Stellen, wesentlich weniger stark auf den Körper einwirkt. Wenn ein Hund an der Leine zieht, bei Verwendung eines Halsbands, dann wirkt die gesamte Zuglast genau an einem Punkt. An der Unterseite des Halses. Das ist reine Physik und auch nicht interpretierbar.
Lastenverteilung
Nutzt man jetzt ein Geschirr, wird die Last in jedem Fall verteilt – meist auf 2 bis 4 Punkte. Wie genau, liegt an der Bauart des Geschirrs. Es wirken also bei dem vorgenannten Hund nur 25 bis 50% der Zuglast auf die einzelnen Punkte, die zudem über den Körper verteilt sind. Das ist immer noch viel, weshalb man durch Training und / oder Management verhindern sollte, dass Hunde zu arg und zu oft ziehen. Wenn der Hund aber zieht oder unglücklich in die Leine rennt, ist die Wirkung durch eine Lastverteilung in jedem Fall weniger belastend für den Körper, als eine Punktbelastung.
Geschirr nicht belastend nutzen
Man muss an dieser Stelle allerdings erwähnen, dass das für Zugbelastungen von schräg hinten gilt. Dann wird bei praktisch allen gängigen Führgeschirren die Last verteilt. Hebe ich einen Hund allerdings senkrecht mit Leine und Geschirr hoch, wirkt die Lastenverteilung nicht. Im Gegenteil, ich habe eine Punktbelastung im Brustbereich, die direkt auf die Wirbelsäule wirkt. Ein Geschirr macht technisch gesehen nur dann Sinn, wenn tatsächlich die Last verteilt wird. Und somit auf die Punkte betrachtet weniger Belastung entsteht.
Die Lastenverteilung des Fakirs
Ein schönes Beispiel zum Verständnis der Punktlast und der Lastenverteilung ist der Fakir, der sich auf ein Nagelbrett legt. Wenn er z. B. 80 kg wiegt und sich auf 200 Nägel legt, wirken jeweils nur 0,4 kg auf die einzelnen Punkte des Körpers – was dieser kurzfristig verkraften kann. Würde er sich aber auf einen einzelnen Nagel stellen, würden die vollen 80 kg auf den einen Punkt wirken. Eine sofort schädliche Belastung für den Körper…
Erziehungsgeschirre wirken belastend
Als wichtige Information und Ergänzung muss man erwähnen, dass so genannte „Erziehungsgeschirre“ anders wirken, als Führgeschirre. Bei diesen wird über Umlenkungen mittels Schlaufen die Last nach dem Prinzip des Flaschenzugs noch verstärkt. Und das an besonders empfindlichen Stellen.
Reduzierte Belastung
Abschließend möchte ich festhallten, dass Führgeschirre in jedem Fall Lasten verteilen und die punktuelle Belastung reduzieren. Ein rein physikalischer Fakt, der bei der Diskussion nicht vergessen werden sollte.

Sonntag, 2. Juli 2017

Wenn der unfaire Hundetrainer einer rektalen Öffnung ähnelt


Der Haushund stammt von einem Raubtier ab, welches darauf angewiesen ist, seine Nahrung durch jagen zu erlangen. Dadurch hat sich evolutionär ein Jagdverhalten entwickelt. Ein Jagdverhalten, welches durch bestimmte Außenreize aktiviert werden kann. Schnelle Bewegungen sind einer dieser Reize. Die Wahrnehmung dieser Reize könnte bedeuten, dass sich ein potentielles Beutetier schnell entfernen möchte. Darum erregt ein solcher Reiz die Aufmerksamkeit eines Raubtieres, oder wie man heute eher sagt, eines Beutegreifers. In der Natur wird der Reiz blitzschnell vom Beutegreifer geprüft. Ist es vielleicht nur ein wehendes Blatt oder ähnliches, was man nicht fressen, bzw. jagen kann? Oder ist das Beutetier zu klein, zu groß oder zu weit weg um eine kräftezehrende Jagd zu rechtfertigen? In Bruchteilen von Sekunden wird von „wilden“ Lebewesen, die auf die Jagd angewiesen sind entschieden, ob nach der Wahrnehmung des auslösenden Reizes das Jagdverhalten gezeigt wird. Wichtig ist in dem Zusammenhang übrigens zu wissen, dass die Ausübung des Jagdverhaltens kein Bedürfnis ist, sondern nur ein Mittel um an Nahrung zu gelangen. Um das Nahrungsbedürfnis zu befriedigen.
Reiz löst Verhalten aus
Bei jagenden Wildtieren und auch bei den Urahnen der Haushunde gibt es also auslösende Reize, die das Jagdverhalten auslösen, bzw. auslösen können. Ob letztlich gejagt wird oder nicht, entscheidet sich danach, wie niedrig die sogenannte Reizschwelle ist. Wie schnell ein Tier also bereit ist, bzw. motiviert werden kann, dieses Verhalten abzurufen. Diese Reizschwelle ist beim Wildtier relativ hoch angesetzt. Das Jagdverhalten wird also nicht so schnell gezeigt, wenn eine erfolgreiche Jagd nicht wahrscheinlich ist.
Reizschwelle herabgesetzt
Beim Haushund, der kein Wildtier mehr ist, wurde bei einigen Rassen durch Zucht und Selektion diese Reizschwelle stark herabgesetzt. Um Menschen als Jagdhelfer zu dienen, um Wild schnell aufzuscheuchen und nicht abzuwägen, wurden Hunde gezüchtet, die schnell und schneller auf Bewegungsreize reagieren – die eine sehr niedrige Reizschwelle haben. Das Jagdverhalten wird sehr schnell bei entsprechenden Reizen gezeigt. Diese Reizschwelle ist bei vielen Jagdhunden stark herabgesetzt, aber auch bei diversen Hütehunderassen, die schnell reagieren müssen, wenn sich ein zu hütendes Nutztier entfernen möchte. Das hat übrigens weniger mit dem Hüten und dem „Aufpassen“ auf seine Herdenmitglieder zu tun. Es handelt sich da um ein abgewandeltes, ein degeneriertes Jagdverhalten. Aber auch bei diesen Hunden wurde die Reizschwelle auf Bewegungsreize zu reagieren, durch Zuchtauswahl sehr stark herabgesetzt.
Falsche Beschäftigung verschlimmert das Problem
Für die Nutzung des Hundes als Jagdgehilfe oder Hütehund kann diese herabgesetzte Reizschwelle von Vorteil sein, weil er das vom Menschen (!) verlangte Verhalten schnell abrufen kann. Wenn der Hund das Verhalten allerdings zu oft zeigen muss und zudem keinen Ausgleich im Leben zu dem Verhalten hat – das Abrufen des Jagdverhaltens also mehr oder weniger seine einzige Lebensfreude ist - dann kann die niedrige Reizschwelle auch Probleme verursachen. Wenn z. B solche „Arbeitshunderassen“, die durch Zucht sehr stark und schnell auf bewegliche Reize reagieren, noch zusätzlich mit ständigem Werfen von Bällchen o. ä. „beschäftigt“ werden. Durch diese ständige Konfrontation mit dem auslösenden Reiz wird die ohnehin schon niedrige Reizschwelle immer weiter herabgesetzt. Und es kann passieren, dass der Hund die Kontrolle über sich und sein Verhalten nach Wahrnehmung eines schnellen Reizes verliert. Von leichter Überreaktion bei der Sichtung einer Fliege bis zu völligem Ausrasten im Straßenverkehr sind mögliche Folgen einer unkontrollierten und dauerhaften Herabsetzung durch „falsche“ Beschäftigung – vor allem bei Hunden, deren Schwelle durch Zucht schon angeboren niedrig ist.
Mensch ist für das Hundeverhalten verantwortlich
Wenn ein Hund also Fahrräder jagt, an Straßen jedes Auto anbellt – dann macht er das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht, weil er seine Besitzer ärgern möchte oder irgendeine Führung oder Chefrolle gegenüber seinen Menschen übernehmen möchte. Er ist auch kein „Arschloch“ oder verdient andere menschliche Beleidigungswörter. Er ist ein Hund, der von Menschen zu dem Verhalten praktisch genötigt wird. Durch Zucht und falsche Beschäftigung. Der Hund zeigt zwar das Verhalten, welches dem Menschen situativ nicht in den Kram passt. Aber er macht das nicht bewusst, weil er böse ist. Die wahren Verursacher des Hundeverhaltens sind die Menschen.
Unfaire Korrektur

Wenn man dieses, durch den Menschen hervorgerufene Verhalten mit unfreundlichen Methoden „korrigiert“, ist das meiner Meinung nach dem Lebewesen Hund gegenüber mehr als unfair. Es gibt Menschen, die Hunde, die sich nicht so verhalten wie der Mensch es möchte, als Arschlochhund bezeichnen. In diesem Fall der unfairen Behandlung trifft die Beleidigung mit der rektalen Öffnungsbezeichnung wohl eher auf den Menschen zu. Ganz speziell auf den Hundetrainer, der einen Hund unfair trainiert.
Faire Alternativen möglich
Fairer und auch nachhaltig erfolgsversprechender wäre es, insgesamt im Umfeld Stressoren zu reduzieren. Weil zu viel und zu häufiger Stress reizbar macht und auch insgesamt sämtliche Reizschwellen herabsetzt. Dann muss man die Beschäftigung des Hundes ändern. Kein Bällchen werfen mehr und eine gesunde Mischung aus Bewegung und sehr viel Ruhe finden. Wenn man diese Grundlagen geschaffen und eine Weile durchexerziert hat, kann man gezielt am Problem arbeiten. Hier sollte man das Verhalten umleiten, ein Ersatzverhalten nach Wahrnehmung des auslösenden Reizes fördern. Ein Ersatzverhalten welches zu dem eigentlichen Bedürfnis, zu Nahrung führen kann und darf. Womit das Ersatzverhalten interessanter wird und bei konsequentem Üben immer häufiger gezeigt wird. Wenn man dem durch Menschen verursachten Problem so begegnen würde, wäre das aus meiner Sicht eine faire Möglichkeit.
„Grenzen setzen“ verkauft sich besser als Problemanalyse
Obwohl man heute sehr viel über das Hundeverhalten und dessen Ursachen weiß. Über Stress, auslösende Reize, zuchtbedingte Degenerationen, hormonelle Störungen, schmerzbedingtes Verhalten usw. gibt es immer noch diese Hundeexperten, die komplett unfair handeln. Die alle möglichen Ursachen nicht beachten und immer vermitteln möchten, dass man allen Hunden nur klare Grenzen setzen muss und schon würden sie „funktionieren“. Was nicht mal im Ansatz etwas mit dem Hund und der niedrigen Reizschwelle zu tun hat. „Bösen“ Hunden Grenzen setzen verkauft sich einfach besser. Einfache, schnelle Lösungen verkaufen sich immer. Problemen auf den Grund gehen ist umständlich. Aber fairer…

Kleine Pause

Klartext Hund macht Pause. Wegen vieler Projekte, die im Moment meine Aufmerksamkeit benötigen, mache ich eine kleine Pause bis Anfang nächs...