Freitag, 28. November 2014

Artgerechte Pelztierhaltung? - Augen auf und Mitgefühl anschalten beim Jackenkauf...

In den letzten Jahren ist z. B. bei Winterjacken ein echter Pelzkragen wieder modern geworden. Oder auch andere Pelzmode. Gerechtfertigt wird der Trend mit Zuchttieren aus artgerechter Haltung.

Es gibt also tatsächlich Menschen die behaupten, man könne Tiere, deren Pelze der Mensch für sich nutzen möchte, „artgerecht“ halten. Am besten kenne ich mich natürlich mit Hundeartigen aus, darum möchte ich einmal etwas vom natürlichen Leben eines Fuchses erzählen.
Großes Revier durchwandern
Füchse sind für Hundeartige relativ häufig auf Achse. Sie schlagen selten große Beute wie etwa Wölfe, sondern ernähren sich von vielen kleinen Mahlzeiten am Tag. Das können kleine Säugetiere sein, aber auch Insekten oder auch pflanzliche Kost wie Beeren etc. Um Ihren Tagesbedarf an Nahrung zu decken durchwandern sie ihr Revier, täglich fünf bis sechs Stunden lang. Um ihre Beute und ihre Nahrung zu erhalten werden sie oft vor Probleme gestellt – Probleme die sie lösen müssen, die ihr Gehirn fordern. Bei aller Arbeit der Nahrungsbeschaffung regenerieren Füchse aber auch lang und ausgiebig – weit über 10 Tagesstunden werden in sicheren, abgeschlossenen Rückzugsorten (Höhlen, dichtes Gebüsch) ohne viele Außenreize verschlafen. Und, häufiger als man denkt, kommt es bei Füchsen auch zu sozialen Kontakten mit vertrauten, oft verwandten Artgenossen.
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Nicht in direkter Nachbarschaft zu fremden Artgenossen
Fremde Artgenossen werden allerdings meist gemieden oder vertrieben, bzw. der Versuch unternommen, sie zu vertreiben. Zur Sicherung des Territoriums, welches Überlebenswichtig ist. 5 bis 6 Stunden wandern und Probleme lösen, den Kopf anstrengen. Lange Zeit ausgiebig und ohne Belästigung ruhen, sowie ausgiebiges Sozialverhalten mit Artgenossen, die sich ein Individuum aussucht – oder ihnen auch aus dem Weg gehen kann. Das ist ein natürliches, ein artgerechtes Leben dieser Tierart.
Natürliches Leben auf wenigen Quadratzentimertern?
Wie bitte will man ein solches Leben einem Fuchs auf einer Pelzfarm bieten? Auf wenigen Quadratzentimetern in einem Käfig? Wie soll ein Fuchs dort sein auf Problemlösung ausgelegtes hochentwickeltes Säugetiergehirn beschäftigen? Mal mit einem Ball, welcher ihm lieblos in den Käfig geworfen wird?  Wie soll er mit hunderten weiterer Füchse und dem menschlichen Arbeitsbetrieb rundherum  seine ernsthaften Ruhephasen finden? Wie soll er in der Kiste seinen Bewegungsdrang, sein Bedürfnis nach langen Streifgängen ausleben? Geht mit jedem Fuchs ein Mitarbeiter 5 Stunden Gassi am Tag? Natürlich nicht – unter Artgerecht verstehen diese Pelzproduzenten einige Quadratzentimeter mehr Raum im Käfig, und mal einen Ball oder ein Spielzeug hineinwerfen.
Unschuldig in der Todeszelle
Das ist so, als wenn man eine Gefängniszelle für einen Menschen um einen Quadratmeter vergrößern würde und dem Insassen jeden Tag dasselbe Fernsehprogramm vorsetzen würde. Und der Fuchs „sitzt“ zudem noch vollkommen unschuldig in diesem Käfig. Es ist mir wirklich vollkommen unverständlich, wie ein halbwegs normaler Mensch auch nur im Ansatz auf die Idee kommen kann, man könne einem Fuchs ein „schönes“ oder nur im Entferntesten der Art gerechtes leben in einem Käfig bieten. Dusselige Ausreden für ein blutiges Geschäft, welches nur dem Profit dient und mit keinerlei Notwendigkeit gerechtfertigt werden kann. Es geht nur um die Befriedigung von Eitelkeits- und Modebedürfnissen von Menschen. Von selbstsüchtigen Menschen ohne Herz und Mitgefühl.

Donnerstag, 20. November 2014

Wissenschaft nähert sich an…

Je mehr Wahrheiten und Informationen man heute durch das Internet zu diversen Sachverhalten präsentiert bekommt, ja mehr fällt mir etwas auf. Mir fällt die Tatsache auf, das sehr schnell von Wahrheiten gesprochen wird, von absoluten Wahrheiten – speziell im Hundebereich…
Forscher formulieren schwammig
Im Gegenteil zu absoluten Wahrheiten nutzen Wissenschaftler und Forscher meist folgende Formulierungen:
„Wir gehen davon aus“; „der Sachverhalt ist mit Daten unterfüttert“; „wir nähern uns an“; „die Forschungen deuten darauf hin, dass…“; „die Ergebnisse lassen den Schluss zu“; „die Theorie/These ist plausibel“, usw.
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Gern wird diskutiert, Fakten werden ausgetauscht, hinterfragt und oft wechselt die Wissenschaft die Theorien und ist auch mal bereit, Irrtümer einzugestehen. Ich zitiere da gern einen TV-Astrophysiker, der einmal äußerte, dass sich die Wissenschaft im Prinzip von einem Irrtum zum nächsten hangelt.
Wissenschaft bringt Wissen
Was natürlich nicht heißt, dass Wissenschaft kein Wissen bringt – ganz im Gegenteil sogar. Wer mich kennt weiß, dass ich im Grunde recht nüchtern analysiere und empirische Daten, statistische Erhebungen und aktuelle Erkenntnisse als Grundlage von Urteilsbildungen ansehe. Allerdings nähert sich Wissenschaft meist nur an. Wir sind heute näher dran, einige Sachverhalte zu verstehen, als vor 100 Jahren – mal ganz unabhängig von der Hundewelt. Aber die Wahrheiten, die zu 100% stimmen, sind in allen Bereichen wohl eher die Seltenheit – obwohl es natürlich auch Fakten gibt. Aber gerade in der Verhaltensbiologie ist Wissen meist nur „annähernd“ vorhanden. Deshalb flüchten sich Wissenschaftler gern in die oben genannten Floskeln. „Wir gehen davon aus…“
Bedingungslos Glaubende
Ganz anders diejenigen, die wissenschaftliche Veröffentlichungen lesen, diese für ihre Philosophie zurechtinterpretieren und dann als einzige Wahrheit verkaufen. Oder Gurus, die nicht mal wissenschaftliche Veröffentlichungen als Philosophiegrundlage nehmen, sondern gern auch selbst „erdachte“ Wahrheiten benennen. Und diese verbreiten, indem sie ein Rudel von Jüngern anführen, die ihnen bedingungslos glauben – oder den „Vorderen Leithund“ als Werbeträger vorschieben.
Plausible Theorien, suspekte Wahrheiten
Ich lese gern wissenschaftliche Veröffentlichungen, unterhalte mich auch immer gern mit Wissenschaftlern, die mir erklären, dass sie sich gerade einem Wissensfortschritt annähern. Und dass sie aufgrund von plausiblen Theorien von etwas ausgehen…
Suspekt sind mir allerdings Leute aller Bereiche, die Wahrheiten gepachtet haben. Man kann nämlich davon ausgehen, dass gepachtete Wahrheiten ihr Geld nicht wert sind…

Donnerstag, 6. November 2014

Gefährliches Monster? Überhund? Oder einfach nur Hund? Der American Staffordshire Terrier

Wenn man etwas über den American Staffordshire Terrier schreiben möchte, begibt man sich auf dünnes Eis. Dieses Eis ist nicht dünn, weil man vielleicht die Rache dieser „vermeintlich doch so gefährlichen“ Hunde fürchten muss. Nein, eher muss man die Reaktionen fürchten, die von menschlichen Gegnern oder auch Liebhabern dieser Rasse kommen können. Doch dazu später mehr. Zunächst etwas über die Hunde dieser Rasse, die mir in der Praxis begegnet sind. Doch dabei fällt es mir relativ schwer, eine auch nur annähernd allgemeingültige Aussage zu treffen. Mir sind dort nämlich American Staffordshire Terrier begegnet, die faul und träge waren, aber sicher ebenso viele, die als typische Terrier hochaktiv waren und ein gesundes Maß an Auslastung benötigten. Dann gab es sensible, dauerbeschwichtigende Vertreter und es gab selbstbewusste, die mit häufigem Imponiergehabe der Umwelt klar vermitteln wollten, dass sie sich nicht unterkriegen lassen. Es gab mutige, feige, schnell lernende, begriffsstutzige. Einige lebten mit Katzen zusammen und mochten keine Hunde, andere jagten mit Leidenschaft Katzen und begrüßten alle Hunde freundlich, ja fast schon enthusiastisch. Also, ganz ehrlich, ich habe bei meiner Arbeit noch keine zwei Vertreter der Rasse American Staffordshire Terrier gefunden, die sich so ähnelten, wie man es von Vertretern einer Rasse vermuten mag.  

AmStaffs aus dem Tierschutz 

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Das liegt sicher auch darin begründet, dass Der AmStaff in meiner Heimat, NRW, durch Verbot nicht mehr als Welpe zu seinen Besitzern kommt und die Tiere, die mit ihren Besitzern bei mir vorstellig wurden (übrigens allesamt mit mehr oder weniger „kleinen“ Problemen wie z. B. Unsauberkeit, Angst vor Lärm o. ä.), ihre Hunde immer aus dem Tierschutz übernommen hatten. Und alle diese Hunde hatten somit eine Vorgeschichte, die man in den wenigsten Fällen genauer kennt. Darum weiß man nicht, wie die Tiere geprägt wurden, welchen Kontakt sie zu Menschen, zu anderen Tieren, zu Artgenossen und ihrer Umwelt insgesamt hatten. Waren sie umsorgter Welpe oder „Massenprodukt“? All diese Dinge, die einen wichtigen Einfluss für die Beurteilung eines Hundes haben, liegen meist völlig im Dunkeln. Das macht die Grundeinschätzung natürlich schwer. Hat ein AmStaff z. B. schlechte Erfahrungen mit Hunden oder Menschen gemacht, kann darin natürlich eine gesteigerte Aggressivität diesen Lebewesen gegenüber begründet sein. Aber das ist nicht nur beim AmStaff so – auch ein Pudel, der schlecht behandelt wurde oder negative Situationen erlebt hat, versucht diese Behandlung oder die negativen Situationen in Zukunft zu vermeiden – und dies möglicherweise durch Aggressivität. Angriff als Verteidigung…

Doch wie gesagt, in meiner täglichen Praxis konnte ich bislang nicht feststellen, dass sich AmStaffs grundsätzlich aggressiver verhalten als andere Rassen. Viele von ihnen haben eben nur eine Geschichte hinter sich, die trauriger ist als die von manch anderem Hund. Doch auch diese Hunde werden langsam weniger, zumindest bei uns in NRW, weil hier die „Alten“ naturbedingt immer weniger werden und Zucht und Verkauf von Welpen ja verboten ist. Für mich nicht ganz nachvollziehbar – in meinen Augen ist der AmStaff ein Tier mit vielen Eigenschaften und Facetten, aber bestimmt kein grundsätzlich „gefährlicher Hund“, wie in einigen Bundesländern in der Landeshundeverordnung festgehalten. American Staffordshire Terrier sind keine gefährlichen Hunde, sie sind einfach nur Hunde. Und sicher kann ein Hund gefährlich sein – wenn der Mensch ihn gefährlich „macht“ und für seine Zwecke missbraucht. 

Kräftiger Hund 

Allerdings, und damit komme ich zurück zum Anfang, muss man ganz klar berücksichtigen, dass ein AmStaff ein für seine Größe überaus kräftiger Hund ist (ein Whippet ist in etwa gleich groß, wiegt aber die Hälfte…), der, außer Kontrolle geraten, sicher einen großen Schaden anrichten kann. Darum darf man solch kräftige Hunde nicht unterschätzen, vor allem, wenn man seine Geschichte nicht kennt und nicht weiß, welche negativ prägenden Ereignisse sein Verhalten beeinflussen können. Wie gesagt, das gilt für jeden anderen Hund des Kalibers auch – allerdings ist es nun einmal Fakt, dass AmStaffs in mehr Fällen eine negative Erfahrung gemacht haben als vielleicht Wolfsspitze. Zumindest die, die früher von solchen Menschen gehalten wurden, die die Hunde als Statussymbole oder gar als Waffe in einem bestimmten Milieu missbraucht haben. Heute halten solche Menschen aufgrund von Verboten und Auflagen keine American Staffordshire Terrier mehr. Aber das heißt nicht, dass diese Leute keine Hunde mehr halten. Leider müssen jetzt andere Rassen, ohne große Auflagen, aber auch als Statussymbole oder Waffen missbraucht, mit ihren zwielichtigen Besitzern durch die Rotlichtviertel der Städte patrouillieren. 

Engagierte Halter 

AmStaffs hingegen, die man heute noch sieht, sind jetzt meist im Besitz von engagierten Tierfreunden, die sich diesen Hunden aus Tierliebe oder aus großer Verbundenheit mit speziell dieser Rasse widmen. Allerdings sieht man sich hier auch manchmal mit dem Phänomen konfrontiert, dass dieses Engagement sehr extrem ist und der AmStaff von einigen Rasseliebhabern als eine Art „Überhund“ dargestellt und keinerlei Diskussion zugelassen wird. „Arme AmStaffs“, kommt mir da manchmal der Gedanke, „in einem Hundeleben von einer extremen Haltung ins gegenteilige Extrem geraten“.

Mein persönliches Verhältnis zu American Staffordshire Terriern ist übrigens komplett neutral. Ein AmStaff ist ein Hund. Und ich liebe alle Hunde…

Wenn der unfaire Hundetrainer einer rektalen Öffnung ähnelt

Der Haushund stammt von einem Raubtier ab, welches darauf angewiesen ist, seine Nahrung durch jagen zu erlangen. Dadurch hat sich evolut...