Körpersprache ist kein Wörterbuch
Körpersprache ist kein Wörterbuch Warum vereinfachte Social-Media-Analysen von Hunden in die Irre führen – und gefährlich werden können Wer heute durch soziale Medien scrollt, stößt unweigerlich auf kurze Videos von Hunden, versehen mit scheinbar eindeutigen Deutungen: Die hochgetragene Rute wird zur „Dominanz“, das Lecken der Lefzen zur „Freundlichkeit“, ein Gähnen zur „Entspannung“. Die Botschaft ist immer dieselbe: Hundekommunikation sei einfach. Man müsse nur die richtigen Zeichen kennen, dann lasse sich jeder Hund zuverlässig lesen. Diese Vorstellung ist verführerisch. Sie gibt Sicherheit, reduziert Komplexität und passt perfekt in das Format von fünfzehn Sekunden Aufmerksamkeit. Fachlich jedoch ist sie kaum haltbar. Denn Körpersprache funktioniert nicht wie ein Wörterbuch. Sie besteht nicht aus einzelnen Vokabeln mit fester Bedeutung, sondern aus Bewegungsmustern, Spannungszuständen, Übergängen und Beziehungen. Ein Hund „spricht“ nicht in isolierten Zeichen, sondern in ganzen Sät...