Fehldiagnose von Hundeexperten: Der bellende Kleinhund und die Chefrolle


Bei Hunden wurden diverse Eigenschaften verstärkt, um für den Menschen nützlich zu sein. Zum Beispiel müssen, oder besser mussten einige Rassen als Zuchtziel sehr schnell auf Außenreize reagieren können. Spezielle Aufgaben bei der Jagd sind da als Beispiel zu nennen. Diese schnelle Reaktionsfähigkeit hat man bei diversen Rassen erfolgreich über Selektion und Zucht verstärkt.
Unruhe Nebenwirkung der Selektion
Die Nebenwirkung ist aber sehr oft, dass Hunde solcher Rassen häufig von ständiger Unruhe und Nervosität gekennzeichnet sind. Sind die Hunde mit einer angeborenen, inneren Unruhe zusätzlich noch mit einer dauerhaften äußeren Unruhe konfrontiert, verstärkt sich die Unruhe in ungesundem Maß. Hektische Haushalte, nervöse, unruhige Besitzer, Lärm und Hektik in der Nachbarschaft können Gründe sein, dass diese Hunde in ein starkes Stressverhalten fallen. Welches speziell diese Rassen durch viel Bellen und hohe Erregung im Allgemeinen kompensieren. Und unter der hohen Erregung sind die Hunde nicht ansprechbar und auch nicht lernfähig.
Falsche Auslastung verstärkt das Problem
Ein weiteres Problem ist, dass man diese unruhigen Hunde durch „Auslastung“ wie Bälle werfen etc. beschäftigen möchte, um sie „müde“ zu bekommen. Natürlich ist Bewegung und adäquate Beschäftigung für einen Hund wichtig. Aber die Auslastung wird oft maßlos übertrieben, was die innere Unruhe noch verstärkt.
Diverse Gründe für Unruhe
(c) fotolia - jagodka
Hunde, die eine durch Zucht angeborene Unruhe haben, die vielleicht auch noch eine unbekannte oder unschöne Vergangenheit haben. Und die dann in einem hektischen Umfeld leben. Und ggf. noch übermäßig „ausgelastet“ werden. Diese Hunde brauchen Struktur im Leben, sie brauche ein sicheres, ruhiges Umfeld, sie brauchen sehr viel Ruhe mit gezielten Reizen und ruhiger, adäquater Beschäftigung. Sie müssen trotz ihrer „unruhigen“ Voraussetzungen innerlich zur Ruhe kommen. Erst danach kann man an ein Training denken – wenn es überhaupt nötig ist. Zur Ruhe kommen ist in meinen Augen und nach meiner Erfahrung der Punkt, der unheimlich wichtig ist, den Hunde heute aber viel zu selten leben dürfen.
Zur Ruhe kommen und nicht bespritzen
Kläffende Hunde, sehr oft Kleinhunde aufgrund von angeborener Unruhe, brauchen also ein passendes Umfeld. Und Besitzer, die wissen, warum sich die Hunde so verhalten, wie sie sich verhalten. Was sie nicht brauchen sind irgendwelche Aussagen, dass sie klare Grenzen kennen müssten, dass sie nicht den Boss spielen dürfen, dass der Mensch der Rudelführer sein müsse. Und vor allem darf man solche Hunde nicht mit Rappeldosen, Wasserspritzern oder ähnlichem Unfug traktieren. Das macht, selbst wenn der Hund aus Furcht „funktioniert“, die innere Unruhe und den Dauerstress noch viel schlimmer. Und der Hund kompensiert den Stress dadurch nicht mal mehr durch bellen. Und fühlt sich bescheiden. Was sogar zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann.
Aufgabe für verantwortungsvollen Hundehalter
Diese Hunde wollen nicht „Boss“ spielen, sie wollen keine Grenzen austesten. Sie sind innerlich aufgrund von diversen Umständen zerrissen und aufgewühlt. Das zu bewältigen und zu verbessern ist die Aufgabe von verantwortungsvollen Hundebesitzern.

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