Donnerstag, 21. April 2011

Regeln Hunde alles unter sich?

Es ist immer wieder interessant, welche Weisheiten und Gerüchte unter Hundehaltern seit ewigen Zeiten die Runde machen. Sehr hartnäckig behaupten viele Hundebesitzer bei Begegnungen mit Hunden, die sich nicht kennen, dass die Hunde dass schon untereinander regeln und nur klarstellen wollen, wer von den beiden der „Boss“ ist. Mir persönlich fällt dabei auf, dass Leute die so etwas behaupten häufig Halter von großen, kräftigen Hunden sind. Ein Chihuahua - Besitzer hält sich mit diesen Worten meist etwas bedeckter. Dafür nimmt dieser seinen Hund gerne mal bei einer Hundebegegnung auf den Arm, was aber auch nicht wirklich eine Lösung ist.
Nun gut, zurück zu den Haltern von kräftigen Hunden, die „alles unter sich regeln“. Diese Halter haben vollkommen recht! Letztendlich lösen Hunde alle Probleme unter sich. Wenn diese Hunde aber keine „diplomatische“ Lösung finden, kann es auch schon einmal zu einer Problemlösung kommen, die endgültig  ist. Dann ist nicht einer der Hunde der Boss, dann ist einer nicht mehr da!
Aber bitte, liebe Hundehalter, keine Panik, es ist nur eine Möglichkeit wie eine Hundebegegnung im schlimmsten Fall ablaufen könnte, in den meisten Fällen begegnen sich Hunde durchaus freundlich, aber man kann eben nicht die Behauptung aufstellen, dass Hunde alles friedlich unter sich regeln.
Hunde, die ihre Wurzeln in wildlebenden Raubtieren haben, sind eigentlich darauf bedacht ohne großen Streit und Kämpfe durchs Leben zu gehen. Ein Kampf kann zu Verletzungen führen und diese können ein Tier so stark behindern, dass die Jagd, die Futterbeschaffung unmöglich würde und somit die Existenz bedroht wäre. Dass versuchen Hunde so gut es geht zu vermeiden. Allerdings ist auch das Revier sehr wichtig, wenn zu viele Artgenossen im Revier leben gäbe es zuwenig Beutetiere und die Existenz wäre wieder bedroht. Daher ist das Revier etwas sehr wichtiges, was auch verteidigt wird. Meist geschieht dies aber über Körpersprache und optische Demonstration von Stärke. Treffen in der freien Wildbahn z. B. fünf Wildhunde oder Wölfe auf einen fremden Artgenossen, wird der Fremde freiwillig den Rückzug antreten und den anderen über Körpersprache mitteilen, dass er keine Ansprüche auf das Revier erhebt. Vernünftiges, logisches Verhalten, der Fremde wird nicht getötet und kann das Revier verlassen. Die Tiere haben es unter sich geregelt. Aber wenn der einzelne sich jetzt falsch verhalten hätte und vor der stärkeren Gruppe den „starken Max“ gegeben hätte, dann hätte die Gruppe ihn als zusätzlichen Fresser im Revier auch komplett ausschalten können…
Jetzt ist der Haushund seit vielen Jahrtausenden vom Menschen zum Haustier geformt worden und sieht diese Revier und Nahrungsgeschichten nicht mehr so eng wie z. B. ein Wolf. Zudem sind viele Hunde durch Zuchtauswahl und Anpassung an den menschlichen Lebensraum in ihrer natürlichen Kommunikation eingeschränkt und weitere, ursprüngliche Eigenschaften weniger stark ausgeprägt.  Aber man darf nie vergessen, dass die Logik des Reviersystems immer noch im Hund steckt und Teil seines Erbes als Raubtier ist. Darum ist die Begegnung mit einem fremden Hund immer die Begegnung mit einem, der ins eigene Revier eindringt – oder man dringt in dessen Revier ein. Bei der Begegnung kommt es jetzt darauf an, wie sich die einzelnen Hunde verhalten oder aufgrund ihrer Erziehung und Optik verhalten können. Sagt einer in verständlicher „Hundesprache“, dass ist mein Gebiet, ich werde dich nicht angreifen, wenn du sagst, dass du keine Ansprüche stellst – und sich der andere entsprechend demütig verhält, dann wird es vermutlich keinen Streit geben. Wie gesagt, dass Raubtier Hund ist darauf bedacht, Verletzungen zu vermeiden. Und die meisten Hunde können Kräfteverhältnisse auch gut einschätzen und meist gibt einer nach. Auf den Arm genommene Chihuahuas überschätzen sich allerdings auch gern mal…
Gibt allerdings keiner der Hunde nach und jeder beharrt auf seinem Besitzanspruch des Reviers, dann kann es zum Kampf kommen, der auch ernst gemeint ist. Spätestens dann sollte man eingreifen, seine eigene Sicherheit allerdings immer beachtend. Was in der Situation gar nicht hilft, ist eine Floskel wie „aber man sagt doch, dass Hunde alles unter sich regeln…“

Kommentare:

  1. Wow .. Daumen hoch!! Toll geschrieben!!

    AntwortenLöschen
  2. Guten Abend zusammen!
    Ich kann dem WOW nur zustimmen und würde den Absatz am Liebsten gleich als Pflichtlektüre an alle Hundehalter in meinem Ort geben !!
    Ich weiss zwar nicht, ob Fragen hier gestatet sind, aber ich melde mich doch einfach, weil ich auf der Suche nach Hilfe in Ihrem Artikel so ansatzweise unser Problem gefunden habe..
    Unser Arco, ein Neufundländer-Husky-Irgendwas-Mischling, ist eine Seele von einem Hund. Tierlieb, Kinderlieb, ein richtiger Sonnenschein mit monstermäßiger Geduld. Aber er lässt sich nicht gerne von andern Hunden belästigen. Offensichtlich sieht er es dann nicht ein sich unterzuordnen. Bei kleinen Hunden kein Problem - er macht sich einmal groß und schon ist der andere "überzeugt".
    Bei einem ähnlich dominannten Rüden gibt es aber immer Ärger. Vor allem, da es leider immer wieder Besitzer gibt, die nicht glauben können, dass es tatsächlich Hunde gibt, die vor ihrem nicht gleich klein bei geben. Treffen wir so einen Hundehalter mit großem Rüden wirds immer "lustig". Nicht selten bin ich dann diejenige, die sich zwischen 2 Rüden mit je um die 40 Kilo schmeisst, damit kein Blut fliesst...
    Haben Sie also vielleicht einen Tipp, wie ich hier besser vorbeugend reagieren kann ?
    Wie komme ich also z.B. ohne Streiterei an Nachbars Hecke vorbei, wenn deren Hund diese am Liebsten umreissen würde (auch annähernd tut) und in dem Moment mehr an einen "Höllenhund" erinnert als an einen Terrier - ich denke ein Airedaile. Unser Arco ist hier immer erst erstaunt. Lässt das Thohuwabohu dann doch nicht auf sich beruhen und will sich behaupten. Was ich zwar nicht zulasse, aber er zieht trotzdem an der Leine. Sind wir dann endlich an der Hecke vorbei, kommt Arco mir irgendwie erleichtert vor. Blick teilweise sogar seltsam zurück - kann den Blick nicht deuten, aber agressiv ist er definitiv nicht. Angst scheint es auch nicht zu sein - oder doch ? Irgendwie sieht es für mich immer mehr so aus, als ob er mit soviel offensichtlicher Agressivität nichts anzufangen weiss und sich wundert, was die Energieverschwendung sollte, wenn man doch super miteinander spielen könnte ?? (Kleinere Hunde haben schnell Panik vor Arcos größe und da is natürlich auch nichts mit spielen)
    Sogar wenn er von anderen Hunden gebissen wird, wert er sich zwar, beisst aber nie zurück !!
    Hatte ich schon erwähnt, dass er andere Hunde liebt und schrecklich gerne mit Ihnen spielt?
    Die Situation ist also leider immer wieder folgende: Wir treffen einen großen Unbekannten. Arco findets super! Will aber der Chef sein - der andere auch und wenn das Herrchen gegenüber dann zu langsam ist, haben wir wieder einen "im Fell hängen". Ich bin jetzt immer fleissig dabei zu loben, wenn er andere Rüden ignoriert und wir ohne Probleme einen großen Bogen darum gemacht haben. Habe auch schon versucht ihn mit Leckerlies vom bellenden Terrier abzulenken - no way. Also doch Leine ziehen ? Bin aber kein wirklicher Freund davon. Wäre also für jeden Rat dankbar !!

    AntwortenLöschen
  3. @Anonym
    Eigentlich werden anonyme Kommentare ja nicht zugelassen...
    In diesem Fall mache ich aber eine Ausnahme, weil es sich um ein konkretes Problem handelt. Allerdings werden Sie verstehen, dass ich Ihnen an dieser Stelle keinen pauschalen "Tipp" geben kann womit das Problem gelöst wäre. Das wäre schlicht nicht seriös. Zudem erkenne ich in Ihrem Kommentar einigen Erklärungsbedarf z. B. bzgl. "Dominanz" bzw. "Chefrolle" etc. Sie sollten daher umfangreicher seriös beraten werden. Daher wäre es das Beste, wenn Sie mir eine Email schicken mit Ihren Kontaktmöglichkeiten und Ihrem Wohnort. Ich werde Ihnen dann eine Hundeschule bzw. eine/n Hundpsychologen/in nennen, denen ich vertraue Ihnen zu helfen. Kommen Sie aus meiner Nähe, werde ich es natürlich selbst machen ;-)

    AntwortenLöschen
  4. Ich habe auch eine begegnung gemacht mit einem Hundepsychologen. Der sagt dazu, der Hund hat nichts zu beanspruchen, ob es sein garten ist oder futter oder egal was, weil er nicht der chef ist, aber ich sein Mensch bin ich der Chef, der darüber entscheidet, was ihm gehört, was nicht......
    Na ja Antwort die keinem hilft so wirklich...Wenn man dann fragt, wie man es umsetzen soll, soll man natürlich vorbei kommen und für das erlernen, bezahlen.
    Ich mag nicht mehr hin, mein hund wurde von ihm am halsband gewürgt, weil er anderen hund anknurrte...:-( und damit bin ich nicht einverstanden... Erklärung dafür ? Den Hund aus seinem Angst und Stress damit rausholen, weil angeblich kurzes einschüchtern besser ist, als dass der hund die ganze zeit unter dem stress ( in anwesenheit seines feindes ) leiden muss... Kurz gesagt, besser kurz als zu lange leiden....! Bei meiner offene Kritik werde ich von seinen Fans ( über 5000 leuten ) in FB fast gesteinigt...also auch eingeschüchtert, weil ich mich öffentlich darüber ärgere und möchte vor ihm die nächste warnen.

    AntwortenLöschen

Hund, Leine, Fahrrad und Geschwindigkeit. Gute Beschäftigung oder dumme Idee?

Da war sie wieder. Diese Szene die ich schon „ich weiß nicht wie oft“ gesehen habe. Und über die ich mich jedes Mal nicht nur ärgere. Nein, ...