Samstag, 4. August 2012

Wie wäre es einfach mal mit Mitgefühl?

Eher zufällig stoße ich auf einen Artikel, der sich mit dem Jubiläum eines Freizeitparks im Sauerland beschäftigt (http://www.wa.de/nachrichten/nordrhein-westfalen/freizeitpark-fort-bringt-rodeo-tierschuetzer-barrikaden-2443413.html).
Ich möchte hier gar nicht direkt darauf eingehen, was ein Rodeo ist, was genau den Tieren dabei unangenehm ist und warum sie sich praktisch immer so verhalten, wie es zum Programm einer solchen Veranstaltung passt. Das stört mich alles gewaltig, aber hier möchte ich einmal den Titel dieses BLOG-Posts als grundsätzliche Frage stellen – Eine Frage, die ich allerdings nicht beantworten möchte. Ich möchte nur den Leser dieser Zeilen ermutigen, die Frage für sich selbst zu beantworten – und vielleicht etwas zum Nachdenken anregen.
In dem erwähnten Artikel wird der zuständige Amtstierarzt folgendermaßen zitiert: „Es stellt sich für mich so dar, als würden die Tiere nicht sonderlich darunter leiden“.
Nicht sonderlich leiden? Wenn die Tiere also nicht sonderlich leiden, gibt der Tierarzt also zu, dass sie leiden – wenn auch nicht sonderlich. Was immer das heißen mag. Es wird also bewusst in Kauf genommen, dass Tiere leiden. Nur zur Belustigung, zur Unterhaltung von Menschen. Was bilden wir Menschen uns eigentlich ein, dass wir Tiere für solche Aktionen missbrauchen? Ob es Rodeos, Stierkämpfe oder diese schwachsinnige Stierhatz in Pamplona sind. Wie wäre es mal mit Mitgefühl für die Tiere, mit Säugetieren, die nachweislich biologisch dem Menschen so nahe sind, dass man davon ausgehen muss, dass sie im Prinzip wie Menschen empfinden. Sie fürchten sich, sie haben Angst, sie empfinden Schmerz, Panik, Wut, Frust – alles was wir auch empfinden. Gefühle und Emotionen, die wir auch empfinden würden, wenn wir ganz allein (!) einem Mob von klatschenden und anfeuernden Menschen ausgesetzt würden, während uns Leid zugefügt wird. Wenn auch kein „sonderliches“ Leid…
„Das stimmt ja“, wird sich vielleicht mancher fragen. Aber was haben Pferde und Stiere in einem Hundeblog zu suchen? Nun, mein Mitleid für andere Lebewesen macht natürlich bei Hunden nicht halt. Allerdings ist es bestimmt nicht so, dass Hunde immer ein besseres Leben führen würden, als Pferde, Stiere und andere, zur puren Menschenunterhaltung missbrauchten Tiere. Auch Hunde müssen für diverse, nennen wir es mal „Dinge“ herhalten, die in erster Linie der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dienen.
Zwar behaupten viele Deutsche, dass der Umgang mit Tieren in ihrer Gesellschaft sehr hohen moralischen Ansprüchen, die das Wohl der Tiere betreffen, genügen. Wenn ich als Mitglied dieser Gesellschaft allerdings meine individuellen moralischen Ansprüche heranziehe und die Moral der Gesellschaft, hier bezogen auf Tiere, ethisch betrachte, kann ich nur noch wenig von hohen moralischen Ansprüchen erkennen. Ich möchte jetzt gar nicht auf Massentierhaltung, Tiertransporte oder grausame und wissenschaftlich völlig unbegründete Formen der Tierversuche und der Jagd (z. B. Baujagd mit Hunden, erschlagen von Fuchswelpen vor den Augen der Mutter etc.) eingehen. Mein Thema sind die Hunde und wenn ich die moralischen Grundsätze näher betrachte, die bei der Hundeerziehung zum Tragen kommen, läuft mir ein kalter Schauer den Rücken herunter. Tatsächlich sehe ich die Grundlage vieler Probleme in der uralten Sozialgemeinschaft zwischen Mensch und Hund beim Menschen und seiner Einstellung gegenüber anderen Lebewesen, die recht egozentrisch sein kann und schnell vergisst, dass wir es mit denkenden und fühlenden Mitgeschöpfen zu tun haben, die ein Recht darauf haben, in ihrer Andersartigkeit respektiert und mit ihren Bedürfnissen ernst genommen zu werden.
Wenn Sie mir nun gedanklich wiedersprechen und anführen, dass die meisten Halter doch vieles für ihre Hunde tun, mit ihnen zum Sport fahren, das beste Futter kaufen, sich um ihre Gesundheit bemühen usw., dann würde ich entgegnen, dass es dabei häufig aber gar nicht darum geht, wirklich die Bedürfnisse des Tieres zu erfüllen, sondern eher, die eigenen. Es fängt schon bei dem Wunsch an, einen Hund zu halten: ICH möchte einen Hund und ICH möchte, dass der Hund die und die Eigenschaft hat und so und so aussieht. Dann möchte ICH, dass der Hund dieses oder jenes lernt, ICH möchte, dass der Hund so oder so erzogen wird usw. und um MICH gut zu fühlen, kaufe ich dem Hund teures Futter, schöne Accessoires und gehe mit ihm zum Hundesport, weil MIR das Spaß macht und damit ICH kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn er zum Beispiel stundenlang alleine bleiben und/ oder ohne Artgenossen allein leben muss usw.
Sie sehen also, es werden viele Bedürfnisse befriedigt – unter ganz vielen ICH-Bedürfnissen des Menschen auch die Grundbedürfnisse des Hundes nach Nahrung und Bewegung. Aber obwohl der Mensch die Grundbedürfnisse des Hundes befriedigt, befriedigt er durch den Hund eine ganze Reihe von Luxusbedürfnissen bezogen auf sich selbst.
Und, um wieder auf den Anfang zurückzukommen. Der Mensch befriedigt seine Bedürfnisse gegenüber dem Hund auch durchaus darüber, dass er leiden in Kauf nimmt.  Anders kann ich mir nicht erklären, warum einige Hunderassen gezüchtet werden, die schon als körperliche Wracks auf die Welt kommen. Oder warum es Hundesportarten geben muss, die mit übertriebenem Leistungsgedanken des Menschen Hunde zu Höchstleistungen animieren. Oder wo der wirkliche Sinn darin zu sehen ist, dass es immer noch „leinenruckende Rudelführerfetischisten“ gibt, die dem Hund durch brutale Unterdrückung zeigen müssen, „wer der Boss ist“. Obwohl das nicht im Geringsten dem natürlichen Sozialverhalten von Hunden entspricht. Aber es „ funktioniert“ – Unterdrückung und Verunsicherung funktionieren oft schnell. Allerdings mit gravierendenden Nebenwirkungen wie Aggressionen oder „gebrochenen Hunden“.
Womit sich der Kreis dieser Zeilen schließen soll. Bevor Hunde „gebrochen“ werden, bevor man sie „krank“ züchtet oder den menschlichen Leistungsgedanken im Sport an und mit Ihnen auslebt. Wie wäre es da mal mit Mitgefühl, mit einem Hineinversetzten in Lebewesen. In Lebewesen, die so empfinden und fühlen wie wir selbst. Diese Lebewesen sollte wir durch unser Mitgefühl vor Leid bewahren und es ihnen nicht aus egoistischen Gründen aufbürden. Auch wenn wir das Leid als „nicht sonderlich“ empfinden…

1 Kommentar:

  1. Im Rahmen einer Tierschutzaktion war ich mal leider bei einem Rodeo in der Westernstadt bei Templin. Wir haben damals 2 Tage lange gefilmt, was da so abgegangen ist. Da war alles geboten: Sporen, stramme Bauchgurte, die bei den Wallachen am Penis einschneiden, Krach, Geknalle, Gestank, Geschrei........ lauter Sachen, die den Tieren unheimlich Spaß gemacht haben. Obwohl das nicht erlaubt ist, wurde abends weitergemacht, als auf einer Seite der Arena das Licht ausfiel. Der Bulle, der in diesen Hexenkessel gejagt wurde, hat sich vor Angst beschissen und wurde dafür ausgelacht!
    Es ist nicht zu fassen, was Menschen alles lustig finden.
    Unsere Aktion hat damals bewirkt, daß seitdem hier keine Rodeos stattfinden und ich hoffe, das bleibt so.
    Thomas: Ein sehr schöner Gedanke in deinem Artikel ist, daß meine Tierliebe nicht bei meinen Hunden aufhören darf. Alle haben das Recht auf ein Leben in Würde, egal welcher Gattung sie angehören.

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