Klartextquickie – Wenn der unsichere Hund Wasser auf die Schnauze bekommt…


Ein Video auf Youtube. Ein Hund ist sichtlich unsicher. Er muss angeleint neben seiner Besitzerin sitzen. Und dann kommen Menschen von vorne, bleiben vor ihm stehen und fixieren ihn. Der Hund fühlt sich sichtlich unwohl, möchte nach hinten weg. Geht aber wegen der Leine nicht. Und Frauchen steht blöd daneben und hilft ihm nicht. Also geht er nach vorne und will die anstarrenden Menschen, die ihn seiner Meinung nach von vorne direkt bedrohen, durch bellen und Drohverhalten seinerseits vertreiben. Wie gesagt, ihm bleibt keine andere Möglichkeit.
Und was passiert dann? Unter Anleitung eines Hundetrainers spritzt die Halterin dem Hund, wenn er nach vorne geht, Wasser auf die Schnauze. Der zuvor schon sichtlich unsichere Hund versteckt sich noch verunsicherter hinter Frauchen. Und der Hundetrainer faselt etwas davon, dass der Hund dadurch lernen würde, sich am Frauchen zu orientieren, Frauchen dadurch ihre „Macht“ gegenüber dem Hund demonstrieren würde etc.
Verdammt nochmal. Das einzige, was der Hund da lernt ist folgendes: Menschen, die sich nähern sind total blöd. Und Frauchen hilft ihm nicht, verbaut ihm sogar noch den Ausweg nach hinten. Klar, der unsichere Hund lässt sich davon beeindrucken und verkriecht sich hinter Frauchen. Macht also, was von ihm „verlangt“ wird. Das hat aber nichts mit Führung zu tun sondern, sondern nur mit Einschüchterung eines sowieso schon ängstlichen Hundes.
Ich kann es nicht mehr hören, lesen oder sehen. Dieses vermeintliche Führungsgerede, von wegen dem Hund Sicherheit durch Strenge, Strafe oder „Machtdemonstration“ zu verleihen. Das hat nichts mit Führung zu tun, sondern ausschließlich damit, dass ein Hund das vom Menschen gewünschte Verhalten zeigt, weil er sich bei anderem Verhalten vor Sanktionen fürchtet. 
(c) Fotolia - Djessi85

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