Wenn Hundehalter doch wüssten, was ihre Hunde sagen...


Vor einem Tierbedarfs-Supermarkt in Dortmund. Ein Ridgeback steht mit durchgedrückten Beinen, steifer, aufrecht gehaltener Rute vor einem älteren, an der Schnauze ergrauten Cairn Terrier. Der Ridgeback drückt seine Nase mit festem, fixierendem Blick vor die Nase des kleinen Terriers. Dieser möchte zur Seite weglaufen. Kann es aber nicht, weil Frauchen ihn an kurzer Leine hält. Der Ridgeback drückt also wieder seine Nase drohend und fixierend auf die Nase des Kleinen. Dieser weiß sich nicht anders zu helfen und beißt den Ridgeback in dessen Nase. Der ist erst verstört, will dann aber zurückbeißen. Zum Glück bemerkt das Frauchen aber, dass das nicht mehr ganz so harmlos würde. Sie hält ihn also zurück. Aber nur soweit, dass er nicht direkt zubeißen kann. Die Hunde stehen immer noch relativ nah voreinander, der Terrier zappelt und möchte den Rückzug antreten, der Ridgeback ist sauer und wartet auf die Gelegenheit, dem Terrier seine Meinung über den Nasenbiss eindrücklich mitzuteilen. Kleiner Hund also in Todesangst. Großer Hund sauer und frustriert. Und was machen die Frauchen? Lachen laut und finden das Verhalten des Kleinen „niedlich“ …

Himmelherrgott Sakrament!

Es wird Zeit, dass die Hundehalter nach allem Beschäftigungswahnsinn und Futterreligionen, Erziehungsüberinformationen und Rudelführungsflüsterei mal eines lernen:

Wie Hunde empfinden, wie sie sprechen und was sie wann und wie sagen!

Wenn man Hunde nicht auslachen und ihre Empfindungen und ihre Sprache nicht lachend ignorieren und als „niedlich“ missinterpretieren würde, könnte man sich viele Probleme ersparen. Den ängstlichen Terrier hätte man schlicht aus der Situation herausführen müssen. Dann wäre er nicht zum Beißen gezwungen gewesen. „Da müssen Hunde durch, das läuft unter Hunden nun mal so?“ – Blödsinn, freilebende, selbstbestimmte Hunde gehen solchen Situationen aus dem Weg. Weil sie an keiner Leine in die Situation gezwungen werden…

(c) Fotolia

Ich schwätze normal nicht ungefragt als Schlaumeier in Situationen, wo ich eine andere Meinung habe. Solange alles für Hunde noch in erträglichem Rahmen ist. In dieser Situation musste ich aber meinen Senf dazugeben. Hätte ich schon vor dem Nasenbiss machen sollen, da war ich aber schlicht noch zu weit weg. Anschließend bekamen die beiden Damen aber einen sachlichen Gratisvortrag über Hundekommunikation. Ich glaube sogar, sie haben etwas verstanden. Am Ende wurde der kleine Terrier nicht mehr ausgelacht. Es schien sich etwas Verständnis einzustellen: „Das wussten wir nicht. Wir dachten, dass müssen Hunde so untereinander machen“. Jetzt wissen sie es…


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