Freitag, 13. Dezember 2013

Silvester - Hunde trösten erlaubt und wichtig!

Mein Hund Puzzel liegt auf seiner Fensterbank und geht seinem Job nach. Unser Haus bewachen und mich benachrichtigen, wenn draußen etwas vor sich geht, was uns bedrohen könnte. Plötzlich, ein lauter Knall. So laut, dass die Scheiben vibrieren. Ich erschrecke mich und schaue zu Puzzel in Richtung Fensterbank. Er liegt ruhig, aber sein Blick und seine Ohren sind auf einen Punkt draußen gerichtet. Noch bevor ich aufstehen kann um in meiner Besorgnis nachzusehen, was passiert ist, sehe ich, wie seine Ohren sich etwas abdrehen, er nichts mehr fixiert und seinen Kopf entspannt absenkt. Das beruhigt mich, Puzzel hatte etwas wahrgenommen, kontrolliert, was es war und blieb völlig ruhig – was auch mich beruhigte. Sein Verhalten und seine Stimmung übertrug sich direkt auf mich. Meine „Angst“, bzw. das bedrohliche Gefühl verschwand. Trotzdem stand ich auf um nachzusehen. Irgendetwas war von einem LKW gefallen, die Menschen waren gerade dabei wieder aufzuladen. Puzzel hatte aber erkannt, dass die Situation keinen Einfluss auf unsere Sicherheit hatte, entspannte und bevor ich nachgesehen hatte entspannte ich durch sein Verhalten.
Andere Situation. Es ist Abend, ich hatte einen stressigen Tag. Zudem muss ich mich innerlich noch auf einen Termin am nächsten Tag mit unangenehmen Menschen vorbereiten. Ich habe zwar keine direkte Angst davor, aber ein schlechtes Gefühl. Ich sitze auf dem Sofa, mit diesem schlechten Gefühl. Puzzel liegt und hebt den Kopf – er kennt mich so lange und so gut, dass er mich besser einschätzen kann, als ich es selbst kann. Er steht auf, kommt zu mir, setzt sich und drückt seinen Körper an meine Beine und legt seinen Kopf auf mein Knie. Was ich natürlich mit einer ausgiebigen Knuddelattacke beantworte. Wonach das schlechte Gefühl fast verschwunden war. Dank Puzzels Trost und seiner sozialen Unterstützung für mich…
Warum ich das erzähle? Nun, wie Puzzel in den beiden Situationen mit mir umging war letztlich ein Beispiel dafür, wie Hundehalter mit der Silvesterknallerei umgehen können. Leider ist das alle Jahre wieder ein Thema. Soll man den Hund ignorieren oder trösten, wenn er sich vor der Knallerei fürchtet? Und so, wie es beim Thema Hund immer ist, gibt es dort unterschiedliche Sichtweisen – was ich in dem Punkt nicht wirklich verstehe. Wenn man in einer Situation ist, wo sich ein  Lebewesen fürchtet. Ein Lebewesen auch noch, zu dem ich eine enge Beziehung habe. Wenn mir dort meine Intuition nicht sagt, was ich zu tun habe, dann bin ich wahrscheinlich schon so verwirrt von den Unmengen unterschiedlicher und komplexer Informationen im Hundebereich, dass mein Bauchfühl nicht mehr richtig funktioniert…
Ich möchte hier gar nicht zu tief auf das Thema eingehen, mit Fremdworten um mich schmeißen. Eins sollte man aber klarstellen, weil die Fachwortkleinigkeitskrämer überall lauern. Zwischen Angst und Furcht gibt es einen Unterschied. Angst für sich genommen ist nicht greifbar, man hat z. B. Angst, wenn man sich im Dunkeln bewegt. Furcht ist dagegen ein Gefühl, das durch eine konkrete, reale Bedrohung ausgelöst wird. Allerdings sind die Übergänge oft fließend und Furcht wird auch Realangst genannt. Daher möchte ich hier im weiteren Verlauf den Begriff Angst bevorzugen.

Aber zurück zur Hundeangst und dem verwirrten Bauchgefühl der Hundehalter. Dem Gefühl möchte ich mit einigen Informationen auf die Sprünge helfen.
Angst ist ein unangenehmes Gefühl. Die Natur möchte uns damit mitteilen, dass wir etwas an unserem Aufenthaltsort und unserem Verhalten ändern sollten, um sicher zu sein. Angst ist also ein unangenehmes Gefühl. Gesteuert wird dieses Gefühl von diversen Hormonen im Körper, die das Stresssystem regeln.
Zuwendung von Sozialpartnern und Körperkontakt senken Blutdruck und Atemfrequenz durch Hormone, die den Stresshormonen entgegenwirken. Diese Zuwendung beschreibt man mit trösten und das daraus resultierende Gefühl ist gut. Man empfindet Trost, man fühlt Trost. Einfach ausgedrückt: Trösten fördert ein gutes Gefühl. Und gute Gefühle verdrängen die schlechten Gefühle. Mit Trost kann ich also Angst bekämpfen, verdrängen. Wenn man das Wort Trost als zu vermenschlichend ansieht, kann man es gern durch soziale Unterstützung ersetzen. Und die wird bei allen sozialen Lebewesen gezeigt – ob Mensch, Hund, Wolf oder Maus…
Also, soziale Unterstützung ist gut, wichtig und richtig. Ignoriere ich einen Hund wenn er Angst hat, verhalte ich mich schlicht nicht sozial.
Erwähnen sollte man noch, dass die oft genannte Ansicht, dass man durch die Zuwendung das „Verhalten“ Angst fördern und noch schlimmer machen könnte, in allen Belangen als unkorrekt bezeichnet werden kann. Angst ist kein Verhalten, sondern ein Gefühl – ein schlechtes Gefühl. Das kann man nicht mit einem guten Gefühl verstärken, sondern damit bekämpfen. Verstärken kann man mit Zuwendung, mit etwas Positivem ein Verhalten, kein schlechtes Gefühl.
Allerdings, da kommen wir auf Puzzel und mich am Anfang zurück. Es kann natürlich auch sein, dass ein Hund gar keine Angst vor der Knallerei hat. Dass er nur wissen möchte, ob sie bedrohlich ist. So wie ich wissen wollte, ob unser Haus irgendwie in Gefahr ist. Wenn der Hund eine enge Bindung an seinen Halter hat, wird er sich an diesem orientieren – wenn der Halter ruhig und entspannt bei einer Knallerei bleibt vermittelt er dem Hund, dass keine Gefahr droht. So wie Puzzel mir durch seine Ruhe vermittelt hat, dass er draußen keine Bedrohung erkennen konnte. Genauso kann der Hundehalter seinem Hund durch Ruhe und Besonnenheit vermitteln, dass die Knallerei nichts ist, was das Leben bedroht. Wenn der Hund also „fragt“, was das ist, kann man ihn ganz ruhig und kurz ansprechen (z. B. „alles in Ordnung“) und einer normalen Tätigkeit weiter nachgehen – die Knallerei ignorieren. Nicht den Hund.
Hat ein Hund aber schon Angst oder zeigt deutliche Anzeichen, dass ihm unwohl ist – dann bitte trösten, soziale Unterstützung bieten. Diese aber dann auch nicht so, dass sie dem Hund noch mehr Angst macht. Reden Sie nicht wie eine Maschinenpistole auf den Hund ein, sondern vermitteln ihm wieder Ruhe und Souveränität. Kommt der Hund zu Ihnen und sucht Körperkontakt, dann gewähren sie ihm diesen. Streicheln Sie ihn und sprechen ab und zu beruhigende Worte. Allerdings sollten Sie ihrem Hund auch keinen Körperkontakt aufzwingen – wenn er sich zum Beispiel unter dem Sofa verkrochen hat. Reden Sie nicht auf ihn ein, er solle hervorkommen. Ziehen sie ihn vor allem nicht hervor! Wenn er sich dort relativ sicher fühlt, lassen sie ihn dort, verlassen ihn aber nicht. Nehmen Sie sich ein Kissen, eine Decke und setzen sich auf den Boden. Vielleicht kommt er ja selbst hervor…
Wie sie letztlich individuell mit Ihrem Hund umgehen, überlassen Sie ruhig ihrem Bauchgefühl. Sie können das, glauben Sie mir. Denken Sie an die vorher genannten Hinweise, bleiben Sie selbst ruhig und trösten den Hund bitte, wenn er Angst hat. Das verstärkt, verdammt nochmal, nicht die Angst ;-)  
 
Mit diesen Worten verabschiedet sich Klartexthund für dieses Jahr. Ich wünsche den Lesern ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2014! 
…2014 erscheint übrigens ein neues Buch, das ich mit Kathrin Schar zusammen geschrieben habe. Nur mal so am Rande erwähnt ;-)

http://www.amazon.de/Hunde-halten-mit-Bauchgef%C3%BChl-intuitiven/dp/3840420318/ref=pd_sim_b_7
 

 

Das Spiel mit der Angst – Populismus in der Hundehalterwelt

Bei der Beurteilung von Hundeverhalten sollte man es vermeiden, pauschal zu urteilen oder zu bewerten. Wenn ein Hund Menschen oder Artge...